Die Provokation war eine gewaltige, nur verhallte sie in Basel nahezu ungehört: In der «Neuen Zürcher Zeitung» denken die Basler Architekten Emanuel Christ und Christoph Gantenbein laut darüber nach, die Überbauung «Rhypark» abzureissen und an ihrer Stelle etwas anderes zu bauen. Der Boden in Basel sei zu knapp, um ihn an dieser privilegierten Lage für locker gebauten, günstigen Wohnraum zu verschwenden, lautet die These der Basler Stars leicht zugespitzt zusammengefasst.

Im Original klingt das beispielsweise so: «Deshalb sprechen wir uns dafür aus, die bestehenden Wohnbauten abzubrechen und unerschrocken optimistisch eine neue Zukunft zu planen – so wie unsere Vorgänger in den Siebzigerjahren.»

Das Forum «Architektur Basel» nahm diese Idee auf und befragte seine Leser, vor allem also an Architektur und Städtebau interessierte Menschen aus der Region. Und die kamen zu einem erstaunlichen Schluss: Immerhin 60 Prozent von ihnen hiessen die Idee eines Abbruchs und Neubaus gut. Auch, weil sie den bestehenden Bau «hässlich» finden.

«Völlig unrealistisch»

Dem stimmt René Thoma naturgemäss nicht zu. Er ist Geschäftsführer der Wohnbaugenossenschaft Nordwest (WGN), welche die Überbauung am St. Johanns-Parkweg betreibt. «Das ist völlig unrealistisch, darüber brauchen wir uns nicht mal zu unterhalten», so seine Ansage. Die Siedlung wurde zwischen 1983 und 1986 von den Architekten Wurster und Hofer nach einem ersten Bebauungsplan 1972 errichtet. Also von jenen Architekten, von denen auch die Siedlung Sesselacker auf dem Bruderholz stammt.

Und für die WGN ist es nicht einfach eine Immobilie. «Hier hat unsere Geschichte begonnen», sagt Thoma. Es war das erste grosse Projekt der Genossenschaft. Und bis heute ist die Anlage sehr beliebt bei ihren Bewohnern, sie bietet Wohnraum an allerbester Lage, mit einer Traumaussicht auf den Rhein und das zu bezahlbaren Mietzinsen. Also genau das, was in Basel immer wieder gefordert und von der Bevölkerung in den jüngsten Volksabstimmungen auch wieder angemahnt wurde.

Zu wenig gut genutzt

Dass das Büro Christ & Gantenbein in diesem politischen Umfeld ihre provokative These steigen liess, dürfte kein Zufall gewesen sein. Für eine Stellungnahme waren die zwei Architekten allerdings nicht zu erreichen. Sie schreiben in ihrem Artikel, das Potenzial dieses «wunderbaren Ortes» liege brach. «Das Areal ist angesichts der attraktiven Lage und der wenigen Landreserven in der Stadt völlig unternutzt und für die Quartier- und Stadtbevölkerung trotz der räumlichen Offenheit nicht richtig zugänglich.» So fehle beispielsweise auch ein einladender Durchgang in Richtung Quartier.

Auch auf «Architektur Basel» wird die Nutzung der Fläche kritisiert. Ein User schreibt etwa, man solle die bestehenden Häuser abreissen und sie durch Wohnhochhäuser ersetzen.
Bei der WGN ist man aber auch nicht völlig abgeneigt, sich über das Gelände Gedanken zu machen, auch wenn es laut Thoma viel zu früh sei, darüber zu informieren. Man denke darüber nach, wie man den Raum noch besser nutzen könnte. Dabei ist aber keine Rede davon, irgendetwas abzureissen, vielmehr will man eine Verdichtung prüfen. In welcher Art und Weise diese erfolgen könnte, sei aber völlig offen.