Glaubt man der politischen Rechten in Basel oder legt man seine eigenen subjektiven Erfahrungen zugrunde, steht man in Basel permanent im Stau. Das mag aber zu einem grossen Teil daran liegen, dass jede Minute, die man eingeklemmt zwischen Autos verbringt, einem deutlich länger vorkommt. Eine Studie der Grossbank Credit Suisse legt aber nahe, dass es gar nicht so schlimm ist.

Statistik betrifft Nationalstrassen

Demnach verbringen Basler Autofahrer 40 Prozent weniger Zeit im Stau als Zürcher. Bei den Staustunden auf Nationalstrassen kommt Basel gerade mal auf Rang 10 – schweizweit, noch hinter Baden oder Zug. Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des Verkehrs-Clubs der Schweiz beider Basel (VCS), sieht das als positives Zeichen: «Es zeigt sich, dass wir als ersten Schritt mehr Autoverkehr aus der Stadt auf die Umfahrungsstrassen verlagern können und müssen.»

Will heissen: Auf der Autobahn hat es offenbar noch Kapazität, die auf den Strassen in der Stadt fehlt.

Letzterem, aber nur letzterem stimmt auch der Basler TCS-Präsident Christophe Haller zu: «Diese Statistik betrifft nur die Schweizer Nationalstrassen, davon haben wir in Basel nur eine. Nicht Eingang finden die Orte, an denen wir wirklich Probleme haben: die Hauptstrassen, die Stadtstrassen und die deutsche und französische Autobahn.»

Die Strassen, die die meisten Probleme machen würden, seien eben Zubringer und Ausfallstrassen zur Autobahn, wie etwa der Wasgenring oder die Nauenstrasse. Für Fuchs ist nicht der Stau das Problem, sondern die Frage, wie man die vom Volk beschlossene Reduktion des motorisierten Individualverkehrs in Basel um 10 Prozent hinbekommt: «Jeder der im Stau steht, ist Teil des Problems und kann zu einer Lösung beitragen, indem er das Auto wirklich nur für zwingend nötige Fahrten nutzt.»

«Neue Strassen bringen mehr Stau»

Die CS wirft in ihrer Studie dagegen andere Ideen auf, insbesondere für die Regionen Zürich und Genf, die am meisten Staustunden aufweisen: Vor allem Road Pricing, also gebührenpflichtige Autobahnen, sei ein Ansatz, an dem wohl kein Weg vorbeiführe, sagen die Autoren der Studie. Ein weiterer Punkt, der Fuchs am Herzen liegt, wird durch die Studie ebenfalls untermauert: «Neue Strassen generieren mehr Verkehr und damit mehr Stau. Das bewahrheitet sich auch in dieser Studie,» sagt die VCS-Chefin.

In der Studie liest sich das etwas anders, aber mit ähnlichem Fazit: «Mit der Eröffnung der zweiten Baregg-Tunnelröhre erhöhte sich der durchschnittliche Werktagsverkehr innerhalb von zehn Jahren um 36%. Mit einem Kapazitätsausbau wird also auch das Verkehrsaufkommen gefördert.» Fuchs nutzt deshalb auch die Gelegenheit erneut gegen den Gundeli-Tunnel, die Osttangente und andere Verkehrsprojekte in und um Basel ins Feld zu ziehen. Auch bei der A22 sehe man, dass die neu erstellte Strasse zu mehr Verkehr führe.

Haller ist naturgemäss ganz anderer Ansicht, hatte er sich doch bereits in der Vergangenheit gegen jede Kapazitätsverknappung im Strassenverkehr – wie etwa beim Rückbau des Luzernerrings – gewehrt. Nun zieht er sein eigenes Fazit aus der CS-Studie, die den Stau auf der Basler Autobahn als nicht sehr gravierend erscheinen lässt: «Wo der Bund zuständig ist, funktioniert es besser, als dort, wo der Kanton zuständig ist.»