Die Fahrgäste des Ersatzbusses der Tramlinie 2 brauchten am Montagabend um 19 Uhr Geduld. Sehr viel Geduld. Der Bus hatte von der temporären Verkehrsdrehscheibe Markthalle bis zum Kunstmuseum geschlagene 20 Minuten Fahrzeit. Das ist beispielhaft für die Verkehrssituation, wie sie sich seit Donnerstag wegen des weitgehend gesperrten Basler Centralbahnplatzes rund um die Markthalle zeigt.

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) können auf Anfrage der bz den konkreten Fall zwar nicht prüfen, sagen aber: «Unsere Busse sind gerade im vom Individualverkehr stark befahrenen Abschnitt zwischen Zoo Bachletten, Markthalle, Aeschengraben und Aeschenplatz dem Stau ausgesetzt», so Mediensprecherin Sonja Körkel. «Gerade in den Hauptverkehrszeiten empfehlen wir unseren Fahrgästen deshalb, wenn immer möglich, mehr Reisezeit einzuberechnen.»

Bauarbeiten laufen, erste Korrekturen angebracht

Reagiert hatten die BVB zudem bereits am Tag, als die Umleitungen in Kraft traten. Bei der provisorischen Haltestelle des 30er-Busses wurde laut Körkel eine Absperrung errichtet, ebenso sind bei der Markthallenkreuzung und am Centralbahnplatz nun mehr Verkehrswachen postiert. «Weiterhin stehen am Centralbahnplatz, an der Markthalle, am Aeschenplatz und am Messeplatz mehrere Kundenlenker im Einsatz, die den Fahrgästen für Auskünfte zur Verfügung stehen.»

Gleis-Baustelle am Centralbahnplatz Basel

Gleis-Baustelle am Centralbahnplatz Basel

Ein Rundgang über die Baustelle am Basler Centralbahnplatz. Wegen des umfangreiches Ersatzes von Gleisen ist der Platz im April 2019 gesperrt. Die Pendler müssen eine Ausweichroute über die Markthallenkreuzung in Kauf nehmen. Es kommt deswegen auch zu vielen Umleitungen des öffentlichen Verkehrs in Basel. 

Derweil sind auf dem Centralbahnplatz seit Montag die Arbeiten in Gang. Erst wurde der Belag entfernt, nun sind die Gleise dran. Ein Schienenhobel, also schweres Gerät, das die Gleise aus dem Boden fräst, kommt auf dem Platz allerdings nicht zum Einsatz, im Gegensatz zu anderen Basler Baustellen, wo bereits Gleise ausgewechselt worden sind.

Autofahrer können ausweichen, öV-Pendler nicht

Die Umleitungen, die verschiedentlich schon als «Chaos» bezeichnet wurden, beschäftigen derzeit vor allem Fussgänger. Das bestätigt Christophe Haller, FDP-Grossrat und Präsident des TCS beider Basel. Während der Autoverkehr zwar mit längeren Wartezeiten zu rechnen habe, habe auch er vor allem Rückmeldungen von öV-Pendlern erhalten, denen die Umleitung zu kompliziert waren und die nicht wussten, welches Tram sie wohin nehmen sollten: «Insgesamt handelt es sich bislang mehr um ein Problem des öffentlichen Verkehrs als um eines des motorisierten Individualverkehrs. Auch die Fussgänger rund um den Bahnhof sind stark betroffen.»

Doch sagt auch Haller: «Eine Alternative gibt es kaum, wenn der Centralbahnplatz zu ist.» Immerhin seien an dieser Lage Ausweichmöglichkeiten gegeben. Sollte eine ähnliche Sperrung etwa am Aeschenplatz eingerichtet werden, hätte das weitaus verheerendere Folgen, da für grosse Teile des Verkehrs weniger Alternativen bestünden. Wenigstens dauere die Umleitung über die Markthalle nur bis am 12. Mai, so Haller, das sei «glücklicherweise» insgesamt eine kurze Zeit.

Bei Pro Velo war es an Rückmeldungen von Velofahrern ebenfalls eher ruhig, wie dessen Geschäftsführer Roland Chrétien sagt; auch Velofahrer können ausweichen. Dafür erhalten die BVB Echo. «Wir erhalten sowohl positive und verständnisvolle Rückmeldungen, als auch kritische Rückmeldungen, welche wir weitergeben und entsprechend prüfen», so Körkel. «Uns ist bewusst, dass eine Baustelle jeweils eine Ausnahmesituation darstellt und alltägliche Abläufe beeinflussen kann und danken unseren Fahrgästen deshalb für ihr Verständnis.»