Zu Beginn ein kleiner Test: Ein Pullover kostet normalerweise 170 Franken. Im Ausverkauf gibt das Geschäft auf alle Kleidungsstücke 20 Prozent Rabatt. Wie viel kostet dieser Pullover im Ausverkauf?

Wenn Sie nun laut «136 Franken» rufen, haben Sie gerade eine der 132 möglichen Mathematik-Aufgaben richtig gelöst, die 22'423 Schülerinnen und Schülern am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit 2016 in der ganzen Schweiz gestellt wurden. Dies im Rahmen der ersten nationalen Überprüfung der Grundkompetenzen, die von der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) in Auftrag gegeben worden war. Am Freitag wurden die Resultate vorgestellt.

Auch 628 Basler und 703 Baselbieter Sek-Schüler aller Niveaus wurden stichprobenartig ausgewählt, um unter Beobachtung externer Experten die Matheaufgaben zu lösen. Das Resultat ist ernüchternd: In Basel-Stadt erreichten nur 43 Prozent die 2011 von der EDK national festgelegten Mathe-Grundkompetenzen, in Baselland sind es 53 Prozent.

Der Schweizer Schnitt liegt bei 62 Prozent. Damit liegen die beiden Basel am Ende des Rankings aller 26 Kantone und gehören zu nur fünf, deren Abschneiden als «signifikant unter dem schweizerischen Mittelwert» bezeichnet wird.

Gschwind kritisiert Passepartout

Nicht viel besser sieht es beim zweiten Testbereich aus, den Sprachen Deutsch und Französisch. Hier wurden andere Schüler 2017 am Ende ihrer Primarschulzeit geprüft. Basel-Stadt schneidet in allen Kategorien – ob Lesen und Rechtschreibung in Deutsch oder Hör- und Leseverstehen in Französisch – «signifikant unter dem Mittelwert» aller deutschsprachiger Kantone ab. Baselland schafft es immerhin in Deutsch, nicht signifikant abzufallen, gesellt sich bei Französisch aber wieder zum Nachbarn.

In einem Punkt könnte die Differenz zwischen den beiden Basel hingegen nicht grösser sein: Wie sie mit diesem miserablen Abschneiden umgehen. «Dieses schlechte Resultat kommt für uns unerwartet und ist enttäuschend. Wir nehmen es sicher nicht auf die leichte Schulter, werden hinschauen und handeln», sagt die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind an einer extra einberufenen Pressekonferenz in Liestal, an der auch Lehrer- und Schulvertreter teilnahmen.

Eine spezielle Erwähnung gab es für das Fremdsprachenkonzept Passepartout: «Wir haben viel Zeit und Geld investiert, doch es hat unsere Erwartungen bei weitem nicht erfüllt», hielt Gschwind erstmals in dieser Deutlichkeit fest.

Basel als Stadtkanton chancenlos

Anders in Basel-Stadt: Keine Pressekonferenz, nicht einmal eine offizielle Mitteilung gab es am Freitag vom Erziehungsdepartement. Erst auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende» nahm Regierungsrat Conradin Cramer Stellung: «Die Resultate lesen sich für Basel-Stadt natürlich unschön und müssen Ansporn sein, uns zu verbessern. Grund zur Panik besteht aber nicht», schreibt er.

Cramer lässt auch klar durchblicken, dass er wenig vom Ranking der Kantone hält: «Es kann nicht verhindert werden, dass wir als einziger Stadtkanton der Schweiz da immer schlecht dastehen, weil man uns schlecht vergleichen kann.»

Damit spricht Cramer ein Hauptproblem der EDK-Erhebung an: Die soziale Schicht, der Migrations- und der Sprachhintergrund der teilnehmenden Schüler variierte je nach Kanton stark und beeinflusste das Ergebnis zumindest ein Stück weit (siehe Grafiken).

So liegt bei Mathematik nur in Genf mit 30 Prozent der Anteil teilnehmender Schüler, der zu Hause ausschliesslich die Schulsprache spricht, tiefer als in Basel-Stadt (37%). In Genf nahmen aber deutlich mehr Schüler am Test teil, die das höchste Sek-Niveau besuchen. «Das verfälscht den Vergleich natürlich», so Cramer. Und: «Nur wer eine Mathe-Aufgabe versteht, hat auch eine Chance, sie zu lösen.» Basel möchte daher weiter den «sprachbewussten Unterricht» fördern.

Die Studie besagt, dass soziale Herkunft, Sprache und Migrationshintergrund die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, die Grundkompetenzen – hier in Mathematik – zu erreichen. Eliminierte man die Unterschiede der Kantone, würde sich das Ranking aber kaum ändern, auch wenn sich beide Basel um über 20% verbessern würden.

Baselland erabeitet Massnahmen

Gschwind hingegen möchte nun alles genau analysieren und gleich ein ganzes «Bündel an Massnahmen» erarbeiten. Diese könnten materieller wie finanzieller Natur sein. Sie warnt aber vor Schnellschüssen. Mögliche Massnahmen wie die Erhöhung der Stundendotation in gewissen Fächern hätten grosse Auswirkungen und bräuchten Zeit. Baselland werde auch sicher schauen, was Kantone anders machen, die besser abgeschnitten haben.

Zum Nachbarn muss deshalb nicht rübergeschielt werden. Gschwind süffisant: «Wir orientieren uns an den Besten.»