Trotz des ungemütlichen Schneeregens versammelten sich am Samstagvormittag einige Anwohner und Vertreter des Referendumskomitees «Erhalt der Trottoirs!» in der Rittergasse. Ihr Anliegen: Die Umgestaltung der St. Alban-Vorstadt, wie sie das Parlament im September abgesegnet hat, zu verhindern.

Der Plan des Grossen Rats sieht vor, den Abschnitt zwischen dem St. Alban-Graben und der Malzgasse analog zur Rittergasse zu gestalten. Die Trottoirs würden eingeebnet, in der Mitte der Strasse wäre eine asphaltierte Spur, links und rechts jeweils ein Belag aus abgeschliffenen Wackensteinen.

Anstrengender Belag

Unter anderem gegen den Wackenstein-Belag wendet sich die Kritik der Initiantin der Veranstaltung, Schwester Beatrice Schweizer, Heimleiterin des «Ländliheims». Die unebene Pflasterung wäre für Menschen, die auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind, überhaupt nicht geeignet, sagt sie. Damit die Passantinnen und Passanten das unangenehme Gefühl beim Fahren über den Wackenstein nachempfinden können, stellt Schweizer am Samstagvormittag Fahrgeräte zur Verfügung.

Die Rollstuhlfahrer Liz Isler und ihr Mann Willy Isler unterstützen die Kritik von Schweizer: «Wir vermeiden es, wo es geht, über solch einen Belag zu fahren, weil es direkt zu Rückenschmerzen führt», sagt Liz Isler. Vor allem wenn sie den gepflasterten Münsterplatz überquere, sei dies sehr anstrengend.

In der Rittergasse aber kann sie auf dem asphaltierten Teil der Strasse fahren, denn hier gelten die Regeln der Begegnungszone: Tempo 20 und die Fussgänger und auch Rollstuhlfahrer haben Vortritt. Genau das Gleiche soll laut dem Beschluss des Grossen Rats auch in der St. Alban-Vorstadt gelten.

Die Referendumsbefürworter sehen in der Begegnungszone ohne erhöhtes Trottoir allerdings grosse Gefahren. «Wenn ein älterer Mensch auf der Strasse unterwegs ist und ihm ein Auto oder ein schnelles Fahrrad entgegenkommt, hat er Angst, wenn er nicht auf einem erhöhten Trottoir gehen kann, egal ob es eine Begegnungszone ist oder nicht», sagt Schweizer.

SP-Grossräte für Umgestaltung

Georg Mattmüller, Geschäftsführer des Behindertenforums und SP-Grossrat, kritisiert die Veranstaltung in der Rittergasse: «Ich finde es ehrlich gesagt unredlich, dass das Referendumskomitee nun die Behinderten dazu benutzt, um Stimmung gegen die Umgestaltung zu machen», sagt er. Mattmüller erachtet die Pläne als behindertenfreundlich und unterstützt sie: «Wir sind grundsätzlich immer für eine Belagmix-Variante mit Asphalt und fordern eine plane, berollbare Ebene. Diese ist hier gegeben.»

Auch SP-Grossrätin Lisa Mathys hält die Umgestaltung in der St. Alban-Vorstadt für «eine massive Verbesserung», weil die heutigen Trottoirs viel zu schmal seien und die Strasse nur an wenigen Orten gequert werden könne. Sie war am Samstagvormittag selbst vor Ort, um sich ein Bild von der Veranstaltung zu machen.

«Ich finde es schwierig, dass man nun den Belag dazu verwendet, um die, im Sinn der Rollstuhlfahrer eigentlich sehr positive Umgestaltung, ins Negative zu drehen», sagt sie. Sie wisse, dass die Pflästerung für gehbehinderte Menschen nicht ideal sei, sehe die Problematik aber viel eher in dem Unterschied zwischen der gefühlten und der rechtlichen Wahrheit, sagt Mathys.

«Wir sind so diszipliniert, dass wir als Fussgänger ein Trottoir benutzen sollen. In der Begegnungszone ist die Situation rechtlich aber anders. Die Fussgänger haben hier auf der ganzen Strasse Vortritt», sagt sie. Daher müsse ein Umdenken und ein Wechsel hin zum Selbstverständnis stattfinden, dass eine Begegnungszone in erster Linie den Anwohnern und Fussgängern gehöre.