Mit dem schweizweit ersten «Tag der Lernenden» in Liestal hat die Wirtschaftskammer Baselland für das duale Bildungssystem im Kanton geworben. Lehrlinge organisierten aktiv mit und übernahmen vor rund 300 Besuchern die Moderation. Dabei berichtete der frühere Spitzenfussballer Beni Huggel über seinen beruflichen Werdegang – vom einstigen Lehrling bis zum heutigen selbstständigen Unternehmer und TV-Fussballexperten. Danach stellte sich der 41-Jährige den Fragen der «Schweiz am Wochenende».

Beni Huggel, Sie absolvierten eine Lehre als Landschaftsgärtner. Was konnten Sie davon in den Profisport mitnehmen?

Beni Huggel: Durchhaltewillen, Hartnäckigkeit und Teamgeist. Um erfolgreich zu sein, braucht es ein Team. Zu Beginn war ich ein Teammitglied, im dritten Lehrjahr durfte ich eine Vorarbeiterrolle übernehmen und bekam einen Hilfsarbeiter zugeteilt. Damit dieser das tat, was ich wollte, musste ich ihn motivieren. Ich lernte auch, Leistung auf den Punkt abzuliefern. Für mich war das eine sehr gute Ausbildung.

Wie erlebten Sie nach Ihrer Fussballerkarriere den Wechsel zurück in die Wirtschaft?

Das war eine riesige Herausforderung. Man wird erst mal pensioniert. Da kam ich mir vor wie jemand, der als Pensionierter in seinem Job gut und respektiert gewesen ist und wieder etwas Neues anfangen muss. So war es auch bei mir. Das habe ich erfolgreich gemeistert, es ist aber nicht immer einfach gewesen. Ich wusste zuerst gar nicht, in welche Richtung ich wollte.

Nach ersten Gehversuchen als Fussballtrainer merkte ich, dass mir dieses Metier nicht ganz entsprach. Nun habe ich als selbstständiger Unternehmer meinen Weg gefunden. Ich habe meinen eigenen Kopf und bin nun mein eigener Herr und Meister.

Welches ist für Sie die grösste Errungenschaft aus dem Profisport für Ihr Leben danach?

Dass ich auf höchstem Niveau die Leistung mit einem Team erbringen und dabei auch erfolgreich sein durfte – und trotzdem viel Spass dabei hatte. Ich durfte mit grossen Persönlichkeiten zusammenarbeiten und danach mein Hobby zum Beruf machen.

Könnten Sie sich vorstellen, auf Ihren angestammten Beruf zurückzukehren?

Vielleicht als Unternehmer, aber sonst nicht. Für mich wäre das körperlich unmöglich, meine Knie sind nicht mehr so intakt, dass ich auf ihnen herumkraxeln könnte. Aber zu Hause im Garten schneide ich immer noch die Bäume selber.

Der «Tag der Lernenden» ist eine nationale Premiere. Kann damit besser auf die Berufslehre aufmerksam gemacht werden?

Ich finde, man sollte die Berufslehre unbedingt stärker in den Fokus rücken. Ein solcher Anlass müsste schweizweit durchgeführt werden. Das duale Bildungssystem ist etwas speziell Gutes bei uns in der Schweiz. Wir sollten unsere Bescheidenheit ablegen und das, was wir gut machen, hinaustragen. Die USA könnten sich an unserem Bildungssystem ein Beispiel nehmen.

Wille und Selbstdisziplin waren schon immer gefragt. Nun ist die Digitalisierung in aller Munde. Wie digital sind Sie?

Ich versuche, sehr digital zu sein und mitzuziehen. Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert, davon bin ich überzeugt. Aber der Mensch bleibt. Die Herausforderung ist, wie sich der Mensch im digitalen Umfeld verhält.

Sie haben mit Ihrem Referat bewiesen, dass Sie auch ein begnadeter Erzähler sind. Wo haben Sie das gelernt?

Ich hielt schon in der Schule ab und zu Vorträge und äffte auch immer Leute nach. In der Spielerkabine habe ich stets meine Trainer imitiert und dann vor der Mannschaft manchmal die Ansprache gehalten.