Spätestens bis 2018, so war der Plan, werde im Volkshaus beim Claraplatz ein Hotel eingebaut sein. Nicht zuletzt aufgrund dieses Versprechens erhielt der Zürcher Gastrounternehmer Leopold Weinberg vor acht Jahren von Basel-Stadt den Zuschlag für einen langfristigen Baurechtsvertrag. Nun liegt gegen Ende 2018 zumindest eine Baueingabe für den Hotelbetrieb vor.

Gemäss den eingereichten Plänen werden im Verlauf des kommenden Jahres vom ersten bis vierten Obergeschoss aus Büros 45 Hotelzimmer. Das günstigste wird 19 Quadratmeter, das teuerste 69 Quadratmeter gross sein. Angestrebt ist der Ausbaustandard eines Vier-Sterne-Hauses, doch wolle man sich einer Klassifizierung durch die Hotellerie Suisse entziehen und sich als «Boutique-Hotel» positionieren. Als Designer zeichnet das Architekturbüro Herzog & de Meuron, das dem Projekt von Anfang an freundschaftlich verbunden war und bereits die Bar gestaltet hatte. Die Eröffnung des Hotels ist für das erste Quartal 2020 vorgesehen.

Weinberg räumt ein, dass die Hotelpläne nicht zuletzt aufgrund der Auflage im Baurechtsvertrag jetzt realisiert würden. Die Verzögerung sei einerseits der Strategie geschuldet, dass der Betrieb zunächst habe Gewinn abwerfen müssen, bevor der Hotelbau an die Hand genommen werden konnte. Anderseits drängte die Zeit nicht, da die Räumlichkeiten bis zum Umbaustart von der Verwaltung als Büros gemietet sind.

Zürcher Hotelerfahrung

Die Verspätung hat zusätzlich den Vorteil, dass die von Weinberg und Adrian Hagenbach geführte Gastrogruppe andernorts als Hoteliers Erfahrung sammeln konnte. So wurde im vergangenen Jahr in Zürich das Szenen-Lokal «Helvti» um 21 Hotelzimmer erweitert. Die Lobby der «Helvti» wird als Kunstraum genutzt, für den der Basler Galerist Stefan von Bartha als Kurator wirkt. Die Lobby des Volkshaus-Hotels wird mit knapp hundert Quadratmetern rund viermal grösser sein und soll unter dem Label «Delikatessen» bespielt werden. Das Konzept sei noch in Ausarbeitung, sagt Weinberg.

Mit der Verspätung wird das Volkshaus-Hotel allerdings zur antizyklischen Investition. Denn mit dem Niedergang der Baselworld und des Messegeschäfts verliert die Basler Hotellerie einen gewichtigen Ertragsbringer. Zudem sind in den vergangenen Jahren viele neue Hotelbetten aufgestellt worden, und mit dem Mövenpick-Hotel beim Bahnhof wird derzeit ein weiterer Grossanbieter im oberen Preissegment gebaut. Weinberg meint jedoch, das Risiko sei überschaubar, da mit dem Volkshaus ein eher kleiner Anbieter zusätzlich auf den Markt dränge. Das inoffizielle Vier-Sterne-Haus werde ein Nischenprodukt sein, das davon profitieren solle, dass im gleichen Haus ein Restaurant, eine Bar sowie Veranstaltungs- und Seminarräume angeboten werden.

Wiederbelebtes Konzertprogramm

Dass es bis zum Start des Hotelbaus gut acht Jahre gedauert hat, begründet Weinberg auch damit, dass sie als Betreiber aus Fehlern hätten lernen müssen. So hatte sich die Firma, die jährlich einen Baurechtszins von 300 000 Franken an die Stadt abliefern muss, zunächst mit einem Konzertprogramm überhoben. Dieses wurde reduziert, bis sich der Kanton fragte, ob die Bedingungen des Baurechtsvertrags überhaupt eingehalten würden. Mittlerweile sei dieser Bereich konsolidiert, meint Weinberg. In eigener Regie würden jährlich sechs Grosskonzerte veranstaltet, die häufig ausverkauft seien. Die restliche Zeit über seien die Säle mit grosser Auslastung vermietet.

Ein Hin- und Her erfolgte in den vergangenen Jahren auch mit dem eingebauten Club. Dieser wurde zweimal neu geöffnet und wieder geschlossen. Derzeit ist der Klubbetrieb eingestellt, Ideen für ein neues Konzept bestünden jedoch, sagt Weinberg. Die Realisierung wird jedoch auf sich warten lassen. Zunächst sei das Hotel an der Reihe.