Die Basler Volksschüler können sich nicht beklagen. 790 Millionen Franken liess sich Basel-Stadt die sogenannte Schulraumoffensive kosten. Seit 2011 werden neue Schulhäuser gebaut und alte renoviert. Es herrschen paradiesische Zustände. Wer beispielsweise einen Neubau wie die Sandgruben-Sekundarschule besucht, der wähnt sich angesichts der modernen Ausstattung in einem Science-Fiction-Film.

Anders sieht es bei den Kindergärten aus. Hier herrscht in Basel grosser Aufholbedarf. Das Dokument, das den schlechten Zustand der Kindergärten veranschaulicht, wird unter Verschluss gehalten. Im vergangenen Jahr hat die Abteilung Raum und Anlagen Basel-Stadt eine Zustandsanalyse aller 187 Kindergartenstandorte in der Stadt gemacht.

Nur die Freiwillige Schulsynode Basel-Stadt (FSS) ist im Besitz der Ergebnisse. Gegenüber der bz aber gewährt die Lehrergewerkschaft Einblick in die Erkenntnisse des Kantons: Von den 187 Kindergärten müssten 112 verbessert werden, also saniert oder ausgebaut. 25 Kindergärten sollen nach Möglichkeit sogar ersetzt werden.

Zu kalt – oder zu warm

Jean-Michel Héritier zeigt sich besorgt. Der FSS-Präsident sagt, dass die Kindergärten während mehrerer Jahre nicht prioritär behandelt worden seien und es äusserst mühsam sei, Informationen zum Zustand der Gebäude zu bekommen. Die Probleme seien vielschichtig. Viele Gebäude seien schlicht sanierungsbedürftig, im Winter sei es zu kalt, im Sommer zu warm. Angesichts der alten Bausubstanz sei es an manchen Orten nicht möglich, die Temperaturen zu regulieren.

An anderen Orten wie beispielsweise im Doppelkindergarten an der Ackerstrasse seien es Baracken, in denen die Kinder unterkämen. Hier manifestiere sich ein Platzproblem. «Das Gebäude ist eigentlich für eine Klasse ausgerichtet. Nun werden hier zwei Kindergartenklassen unterrichtet.» Und wenn die Kindergärtlerinnen und Kindergärtler in die Pause gehen, bietet sich ihnen auch nicht gerade ein schönes Bild: Saatkrähen haben den Vorplatz mit Kot überdeckt.

«Man hat schon im Jahr der Schulharmonisierungsplanung die Entwicklung nicht richtig vorhergesehen und aufgrund von Zahlen von gestern die Schule von morgen geplant», sagt Jean-Michel Héritier. Der explosionsartige Zuwachs an Kindergärtlern habe den Kanton gezwungen, zu improvisieren. Seit 2013 seien 62 neue Kindergärten gegründet worden. Das Basler Erziehungsdepartement (ED) bestätigt die Zahlen, wonach über hundert Kindergärten «verbesserungswürdig» seien.

Dabei handelt es sich gemäss ED-Sprecher Simon Thiriet um unterschiedlichste Mängel wie etwa die Innenbereiche, die Böden, die Wände und Decken sowie das Mobiliar und den Aussenbereich. Allerdings betont er, dass die «Eingriffstiefe» ganz unterschiedlich sei. Will heissen: Nicht alle Kindergärten sind gleichermassen sanierungsbedürftig. Wichtig ist Thiriet auch zu betonen, dass der Kindergartenbetrieb «stattfinden» könne.

Kosten von 60 Millionen

Das Erziehungsdepartement habe einen «Masterplan» ausgearbeitet, bei dem er in drei verschiedene Kategorien aufteilt. Die «Verbesserung» von Kindsgis, den Ersatz bestehender Kindergärten sowie deren Ausbau. Gemäss «Schulblatt» lägen für 28 Standorte bereits Studien zum Ausbaupotenzial vor. Die Umsetzung der ersten Etappe erfolge bereits in diesem Jahr, das erste Projekt sei die Erweiterung des Doppelkindergartens Gotthelf.

Noch nicht gesichert ist die Finanzierung der neuen Schulraumoffensive. Das ED rechnet offenbar mit Kosten von insgesamt 60 Millionen Franken in den kommenden zehn Jahren. Das Departement muss dabei jedes einzelne Projekt beantragen. Erschwerend wirkt, dass 105 Basler Kindergärten sich in Liegenschaften befinden, die nicht dem Kanton gehören.

Die erste Schulraumoffensive für die Primar- und Sekundarschüler steuert einem Happy End zu. Dasjenige für die Kindergärtler aber liegt noch in weiter Ferne.