Basel verdankt der Firma Burckhardt + Partner Gebäude wie den BiZ-Turm, das UBS-Gebäude mit Hammering Man davor am Aeschenplatz, den Sitz des Senfherstellers Thomi und Frank, das Vivarium im Zolli, den neuen Grosspeter-Turm oder auch das Biozentrum. Nun werden die Architekten dieses Werk von 1971 abreissen, um Platz für ein neues Gebäude zu schaffen – das wiederum sie bauen.

Entworfen hat das Neubauprojekt zwar das Architekturbüro Caruso St. John aus Zürich, das als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen war. Die Bauherrin, die Universität Basel, hat im vergangenen Jahr den Vertrag mit Caruso St. John aber gekündet.

Die Uni erklärte, der Entscheid sei aufgrund des «grossen Kostendrucks» und nach dem «Scheitern von Verhandlungen bei Vertragsanpassungen» gefällt worden. Dennoch hat das unübliche Vorgehen die Gilde der Architekten alarmiert. Wer einen Wettbewerb gewinnt, soll auch das Gebäude planen und realisieren können, meinten die Berufsverbände. Simon Frommenwiler, Vorsitzender des Bundes Schweizer Architekten (BSA) in Basel, sagt: «Der Wettbewerb ist ein Eckpfeiler der hochstehenden Baukultur der Schweiz.»

Die Visionen anderer umsetzen

Burckhardt + Partner war beim ersten Entwurfswettbewerb ausgeschieden, bei der Bauausschreibung erhielt das Büro jedoch den Zuschlag, um den Entwurf von Caruso St. John zu realisieren.

Mit den zwei Büros treffen zwei Kulturen aufeinander. Caruso St. John sind Autorenarchitekten, die Wert auf eigene Gestaltungsideen legen; Burckhardt + Partner ist vor allem für das Errichten von Nutzgebäuden und für ihre Kompetenzen in der Generalplanung bekannt. Geschäftsführer Samuel Schultze hat kein Problem mit dieser Einstufung: «Bei grossen Projekten sind nicht nur architektonische Kompetenzen gefragt, sondern auch technische Fähigkeiten.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Burckhardt + Partner die Pläne anderer Architekten realisiert: Das Büro baute die Fondation Beyeler in den 1990er Jahren, dabei ist das Museum bekannt als Entwurf des italienischen Architekten Renzo Piano. Hätte die Basler Bevölkerung das Stadtcasino-Projekt 2007 angenommen, hätte Burckhardt + Partner die Vision der Stararchitektin Zaha Hadid umgesetzt.

Grösstes Baubüro des Landes

Die Basler Architekten haben sich nie mit einem extravaganten Baustil ausgezeichnet. Ihre Kompetenzen als Generalplaner stehen seit ihrer Gründung im Vordergrund. Karl August Burckhardt ruft mit seinem Sohn Martin und dem Bautechniker Karl Eckert 1951 die Firma ins Leben. Inspiriert von Le Corbusier bauen sie anfänglich vor allem für die Industrie.

In den 1960er und frühen 1970er Jahren entwickelt sich das Büro zu einem Bauunternehmen, das in ganz Europa Aufträge ausführt. In dieser Zeit entsteht auch das Biozentrum. Die Ölkrise von 1973 trifft das Unternehmen hart, die Geschäftsleitung muss über 250 Mitarbeitende entlassen.

Heute ist Burckhardt + Partner mit 395 Angestellten das grösste Baubüro der Schweiz. Der Grossteil des Umsatzes wird nicht durch eigene Bauprojekte, sondern mit Projektentwicklungen erzielt. Der Gesamtumsatz stagniert dabei seit 2014 um etwa hundert Millionen Franken. Im vergangenen Jahrzehnt hat es das Roche-Gebäude in Rotkreuz, eine Wohnüberbauung am Riehenring oder das Schorenareal gebaut. Mit Basler dem Biozentrum schliesst sich ein Kreis: Die eigene Hinterlassenschaft muss neuen Ideen weichen.