Im Minutentakt hallt er in der Freien Strasse wider, der selbstbewusste Ruf: «Blaggedde!» Beim Marktplatz, gleich neben dem dampfenden Marronistand steht sie, die Mutter aller Basler Plakettenverkäuferinnen – dick eingepackt in ihre königsblaue Daunenjacke. In einer weissen Kartonbox präsentiert sie stolz die kleinen, glänzenden Anstecker, die einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen einnehmen.

Eva Teuscher verkauft seit 25 Jahren für die Fasnachtsclique «Basler Dybli» Plaketten. Trotz Fuss- und Rückenproblemen. «Vor 30 Jahren musste ich meine Beine operieren lassen. Darum empfange ich jetzt IV.» Beim Plakettenverkauf gehe es ihr aber immer «100 Prozent gut». Das hat Gründe - aber dazu später mehr.

Dass sie durch den Verkauf einen kleinen Batzen verdiene, sei für sie Nebensache. Der Hauptgrund für ihr Engagement sei schon immer der Spass an der Sache gewesen. Und das merkt man auch. Die «Vordraabere» der «Basler Dybli» ist immer gut gelaunt, wünscht Vorbeigehenden einen guten Tag oder «en Guete».

So habe sie das von ihrem Vater gelernt. «Wär Fasnacht mache will, verkauft Blaggedde!» Konkrete Verkaufstricks hat Teuscher keine. Das liege ihr einfach im Blut. Wie viele Plaketten sie am Tag an den Mann und die Frau bringt, variiert stark. Es gebe auch Tage, an denen sie gar nichts verkaufe. Auf die Frage, woran das denn liege, antwortet sie: «Ich weiss viel, aber alles kann ich auch nicht wissen.»

«Blaggedde»-Expertin

Und über Plaketten weiss Eva Teuscher tatsächlich sehr viel. Innerhalb der Clique ist sie für Fragen rund ums Thema Blaggedde die erste Anlaufstelle. Die leidenschaftliche Sammlerin weiss ganz genau, in welchem Jahr das Bijou wie ausgesehen hat. «Ich bin darin Expertin und verkaufe auch die meisten Plaketten», sagt die 42-Jährige.

Dass die Plakettenverkäuferin einenwichtigen Beitrag zur Fasnacht leistet, steht ausser Frage. Ihre Verkaufszahlen sprechen für sich. Teuschers persönlicher Rekord: 23'532 Franken. So viel habe sie vor 18 Jahren mit der «Joggeliplakette» eingenommen. Die meisten Leute kaufen ihre Plaketten lieber von einer Clique als am Kiosk, sagt Teuscher. «Manchen muss ich erst erklären, dass ich keine Profiverkäuferin bin, sondern zu den ‹Basler Dybli› gehöre.»

Privatverkäufer seien aber eher selten geworden. Das finde sie gut, denn der Erlös solle ja den Cliquen zugutekommen. «So eine Lampe zu malen, ist nicht billig. Die Cliquen sind für ihre Fasnachtsvorbereitungen auf den Erlös aus dem Plakettenverkauf angewiesen.»

Die Clique ist Familie geworden

Ihre Faszination für Plaketten hat Eva Teuscher an ihren achtjährigen Sohn weitervererbt. Der ist heuer zum ersten Mal mit der Jungen Garde an der Fasnacht und verkauft ebenfalls fleissig Blaggedde. «Er ist die dritte Generation Teuscher, die Plaketten verkauft», sagt Eva Teuscher stolz. «Sollte mein Rekord in der Junggarde jemals von jemandem gebrochen werden, wird das mein Sohn sein», weiss die Blaggeddekönigin.

Dass ihr die Fasnacht so guttue, liege aber nicht nur an ihrem Verkaufserfolg, sagt Teuscher. Da sie keinen Schulabschluss habe machen können, sei es für sie oft schwer, akzeptiert zu werden, so die Armutsbetroffene. «In der Clique interessiert es keinen, was du beruflich machst und wie viel du hast. Da bin ich einfach nur Eva.» Die «Basler Dybli» seien für sie zur Familie geworden. Der Verkauf und die «Drey scheenschte Dääg» sind ihr Jahreshöhepunkt.

Dass sie irgendwann mit dem Plakettenverkauf aufhören wird, ist für Teuscher undenkbar. «Wenn ich eines Tages beim ‹Duubeschlag› (Alte Garde) bin, werde ich immer noch hier stehen und verkaufen. Und ich werde auch dann wieder die Beste sein.» Da ist sich Eva Teuscher sicher.