Hinter dem harmlosen Stichwort «Ecopop» versteckt sich ein politisches Anliegen, welches noch viel einschneidender ist als die am Wochenende angenommene Masseneinwanderungsinitiative. Die Zuwanderung in die Schweiz soll pro Jahr auf etwa 16'000 Menschen reduziert werden. Die Initiative erfreut sich aus Umweltschutzkreisen – über die wohl nächstes Jahr abgestimmt wird – in Basel grosser Unterstützung.

Aber auch erklärte Gegner gibt es. Zu ihnen gehört Pierre-Alain Niklaus. Zusammen mit dem Zürcher Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli arbeitet er an einem Buch mit dem Titel «Die unheimlichen Ökologen». Seit Sonntagabend sammeln die beiden Buchautoren Geld über die Projekt-Finanzierungs-Plattform Wemakeit. Von den angestrebten 5000 Franken ist bereits die Hälfte zusammen. Das Buch soll nach den Sommerferien erscheinen.

«Unheimliche» Grünen-Wurzeln

«Es gibt schon lange eine menschenfeindliche Denkrichtung innerhalb der Umweltbewegung», sagt Niklaus, selbst «Passivmitglied» der Partei Basta. «Die Ecopop-Initiative geht davon aus, dass es zu viele Menschen gibt auf dieser Welt.» Das ist problematisch, weil sich dadurch die Frage stelle, welche Menschen denn zu viel seien. «Für mich sind die Grünen eine weltoffene und humanistische Bewegung», sagt Niklaus’ Mitautor Balthasar Glättli im Werbevideo für das Buch. Sie habe aber «unheimliche Wurzeln» – Beziehungen zwischen Umweltschützern, Bevölkerungspolitikern und Eugenikern, welche Massnahmen zur Steuerung «des positiven Erbguts der Menschheit» befürworten.

Auch die Ecopop-Initiative hat Forderungen, die in diese Richtung gehen. So soll die Schweiz in Drittweltländern die Verhütung fördern und somit das Bevölkerungswachstum bremsen. «Diese Vorstellung hat eine lange Tradition. Sie geht auf das 18. Jahrhundert zurück, führt über die Umweltbewegung der 60er- und 70er-Jahre in den USA und ist heute brandaktuell», sagt Niklaus, der als Vermittler in der Nachbarschaftshilfe arbeitet. Für ihn ist die Einwanderungsdebatte völlig verkehrt: «Wir sind der Meinung, dass das am Thema vorbei zielt. Man muss die Wirtschaft umgestalten, nicht die Bevölkerung steuern.»

WWF und Greenpeace dagegen

Die Ecopop-Initianten rechnen sich bei einer Volksabstimmung gute Chancen aus. Bei Umweltschützern sind ihre Anliegen aber hochumstritten. WWF, Greenpeace und weitere Organisationen haben sich längst distanziert. Die Grüne Partei Schweiz lancierte am Montag das Bündnis für eine offene Schweiz, welches Ecopop bekämpfen will. Mit ihrem gemeinsamen Buch wollen Niklaus und Glättli einen Beitrag zur Debatte liefern. «Nicht nur innergrün, sondern für die gesamte Gesellschaft.» Nach dem Resultat vom Sonntag dürfte die Beachtung garantiert sein.