Conradin Cramer ist selber begeisterter Skifahrer. «Und ich habe tolle Erinnerungen an die Skischullager», sagt der Basler Erziehungsdirektor. «Gerade für Kinder aus der Stadt ist es grossartig, wenn sie während ihrer Schulkarriere mindestens einmal in ein Skilager können.» Damit die «auch pädagogisch wertvollen Wochen» weiter stattfinden können, will das Erziehungsdepartement künftig einen höheren Teil der Lagerkosten übernehmen.

Kantone sind unter Zugzwang

Grund dafür ist ein Urteil des Bundesgerichts, das die Skilager in der gesamten Schweiz gefährden könnte. Denn die Richter in Lausanne hatten dem Kanton Thurgau vorgeschrieben, dass Elternbeiträge nicht höher sein dürfen, als die durch ein Kind während des normalen Schulunterrichts entstehenden Kosten. Heisst konkret: Die Schulen dürfen von den Eltern noch maximal 16 Franken für das Essen pro Tag fordern.

«Mit 16 Franken pro Tag ist es unmöglich, Schneesport-Lager kostendeckend durchzuführen», hatte etwa LDP-Nationalrat Christoph Eymann betont. Für den ehemaligen Basler Erziehungsdirektor und Cramers Vorgänger besteht die Gefahr, dass Kantone und Gemeinden künftig auf diese Lager verzichten könnten. Immerhin hatte die Branchenorganisation der Gruppenunterkünfte in der Schweiz im März tatsächlich bereits einen Rückgang der Buchungen um rund 15 Prozent gegenüber den Vorjahren festgestellt. Eymann hatte deshalb den Bundesrat angefragt, ob er in die Bresche springe, was dieser aber ablehnt. Schliesslich seien die Kantone für das Schulwesen zuständig.

Deshalb will das Erziehungsdepartement nun die Initiative ergreifen und beantragt dem Grossen Rat eine Budgeterhöhung um rund 440 000 Franken. Das soll eine deutliche Senkung der Elternbeiträge ermöglichen. Neu würden die Eltern für ein fünftägiges Skilager einen Beitrag von 125 Franken bezahlen. Bisher sei ein Beitrag von 300 bis 350 Franken zu leisten gewesen.

Cramer ist sich bewusst, dass mit der Lösung ein täglicher Elternbeitrag von 25 Franken resultiert, statt der 16 Franken, die das Bundesgerichtsurteil vorsieht. «Das Urteil aber bezieht sich auf den Kanton Thurgau, wo die Ausgangslage anders ist als in Basel-Stadt», argumentiert Cramer. Immerhin könnten die Elternbeiträge im Stadtkanton über Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen notfalls sozial abgefedert werden. «Das ermöglicht uns eine gewisse Flexibilität.»

Auch Baselland ist aktiv geworden

Basel-Stadt ist nicht der einzige Kanton, der aktiv geworden ist. Auch die Baselbieter Regierung beantragt eine entsprechende Budgeterhöhung um 600 000 Franken, die aber noch vom Landrat abgesegnet werden muss, erklärt Monique Juillerat von der Bildungsdirektion. In Basel zeigt sich Cramer zuversichtlich, im Grossen Rat eine Mehrheit zu finden – selbst wenn die Bürgerlichen im Budget 2019 gerne sparen möchten. «Immerhin werden durch diese Massnahme Familien direkt entlastet», findet Cramer.