Am Anfang war das Baseldeutsch. Die Christoph Merian Stiftung (CMS) war mit dem Verlag, der die von der Stiftung geförderte Baseldeutsche Grammatik von Rudolf Sutter verlegte nicht mehr zufrieden und entschloss sich, einen eigenen Verlag zu gründen. Am 2. Juli 1976 war es dann so weit, der Christoph Meran Verlag (CMV) nahm seinen Betrieb auf. Das Produktionstempo muss zu Beginn beschaulich gewesen sein. Auf die Baseldeutsche Grammatik folge das viel verbreitete und immer wieder neu aufgelegte Baseldeutsch-Wörterbuch von Rudolf Sutter.

Integraler Bestandteil des Verlagsprogramms war das seit 1875 jährlich erschienene Stadtbuch. Alles in allem erschienen in den ersten zwanzig Jahren gerade mal 60 Titel im Christoph Merian Verlag. Heute sind es wesentlich mehr. Verlagsleiter Oliver Bolanz und sein Team produzieren in einer herrschaftlichen Wohnung an der Rittergasse pro Jahr bis zu 20 Bücher und zu acht Hörbücher. Insgesamt sind im Christoph Merian Verlag bis heute 456 Buchtitel und 165 Tonträger veröffentlicht worden. Der Verlag ist dabei erste Adresse für Publikationen zur Basler Geschichte, Architektur und Kunst.

Basel und die Region im Fokus

Oliver Bolanz kam vor 13 Jahren zum Christoph Merian Verlag. Der aus Müllheim stammende Verlagskaufmann, Soziologe und Ökonom legt Wert darauf, dass sich das Verlagsprogramm zwar aus der reichen Historie und Kultur der Stadt und der Region Basel speisen, sich aber keineswegs darin erschöpft. «Wir wollen aus Basel heraus in die Welt wirken», so Bolanz. In einer sich rasant verändernden Welt mit vielen technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen habe der Verlag durch seine Spezialisierung und seine Produktion schöner Bücher Erfolg (siehe Interview unten). Für die Gestaltung seiner Bücher und für seine Hörspiele gewinnt der Verlag immer wieder Preise. Das Hörspielprogramm habe es dem Verlag auch ermöglicht, ohne grossen Aufwand sein Programm auf die Belletristik auszudehnen. So finden sich etwas die Hunkeler-Krimis von Hansjörg Schneider im Angebot.

Nicht mehr im Verlagsprogramm ist das Stadtbuch. Die Ausgabe 2015 war das letzte gedruckte Stadtbuch. «Es wurde immer weniger gekauft und gelesen. Die Auflage sank beständig. Die Produktionskosten blieben hoch», so Bolanz. Offenbar habe das Stadtbuch nicht mehr einem Bedürfnis entsprochen. Ersetzt werde es durch eine ausgebaute Basler Internet-Chronik, die im nächsten Jahr online gehen soll.

Klein, aber fein

Für die Positionierung des Verlags wichtig sei auch die nationale und internationale Vernetzung So ist der CMV in allen wichtigen Branchenverbänden aktiv, pflegt Kooperationen und ist an den wichtigen Buchmessen präsent. Bei all diesen Aktivitäten sei das vierköpfige Team auch schon an seine Grenzen gekommen, betont Bolanz. Möglich sei das reichhaltige Programm sowieso nur dank der spürbaren Begeisterung der Mitarbeiter und durch die Auslagerung vieler Arbeiten an externe Lektoren, Grafiker und Layouter möglich. Für die Zukunft sei man jedenfalls gut aufgestellt.

Verlagsleiter Oliver Bolanz: «Wir glauben, unsere Nische gefunden zu haben»

Herr Bolanz, vor 40 Jahren wurde der Christoph Merian Verlag (CMV) gegründet. Es begann ja sehr bescheiden?

Oliver Bolanz: Genau! 1976 entschloss sich die Christoph Merian Stiftung, einen eigenen Verlag zu gründen. Es ging um die Herausgabe der Baseldeutschen Grammatik von Rudolf Sutter und des Basler Stadtbuchs. Heute spielen wir eine wichtige Rolle in der Basler und auch die Schweizer Verlagslandschaft. Darauf bin ich stolz.

Eine Stiftung, die einen Verlag hat, das ist ja ungewöhnlich.

Wir ja kein unabhängiges Unternehmen sind, sondern Teil der CMS, wo wir zur Abteilung Kultur gehören. Wir werden aber als eigener Betrieb geführt. Aber in der Tat gibt es nicht so oft Stiftungen mit eigenen Verlagen. Es ist schon einmalig.

Inwiefern?

Die Verlagsbranche ist eine Branche mit hohem unternehmerischem Risiko. Bei uns ist es nun so, dass das Defizit von der Stiftung gedeckelt ist, das heisst, wir sind am Markt orientiert, dürfen aber ein Defizit machen, dass wir aber nicht überschreiten dürfen. So können wir Risiken eingehen, die sonst nicht möglich wären.

Gibt es dafür ein Beispiel?

Die Tagebücher von Bruno Manser 2005. Die Herausgabe in höchster Qualität wäre ohne die Unterstützung der CMS nicht möglich gewesen. Wir haben dann mit 10 000 verkauften Exemplaren einen Bestseller gelandet.

Sie legen ja auch grossen Wert auf das schöne Buch.

Ja, auf die Typografie, die Grafik, das Schriftbild, das Papier: Wir haben für die schöne Gestaltung vielfach Auszeichnungen erhalten. Das ist auch unsere Strategie für die Zukunft. Wir glauben, mit schön gestalteten, hochwertigen und günstigen Büchern unsere Nische gefunden zu haben. Wir wollen Wissen populär auf eine schöne Weise vermitteln.

Wo setzen sie denn inhaltlich Ihre Schwerpunkte?

Auf Basel und die Region. Unsere Titel sollen aber in die Welt hinaus wirken. Dabei legen wir den Fokus auf Geschichte, Kultur, Kunst, Architektur. Das entspricht auch dem Engagement und dem Zweck der Christoph Merian Stiftung, «zur Linderung der Not und zum Wohle des Menschen». Das ist nicht nur sozial gemeint, sondern zielt auch im aufklärerischen Sinn auf Wissen und Bildung.