Der Verwaltungsrat der Industriellen Werke Basel AG (IWB) hat am Mittwoch jenen Mann gewählt, der bereits heute an der Spitze des Unternehmens stand: Claus Schmidt. Er war seit dem Abgang von David Thiel im vergangenen Oktober schon als interimistischer CEO tätig. Jetzt ist der 49-jährige Weiler mit Wohnsitz in Basel an der Spitze des Unternehmens bestätigt worden.

Schmidt blickt auf eine lange Karriere als Berater im Energiesektor zurück. Seit rund 20 Jahren setzt er sich mit der Energiewirtschaft auseinander, bei Beratungsfirmen wie Accenture, einem eigenen Unternehmen und nun zuletzt bei den Industriellen Werken Basel. Dem neuen alten CEO steht nun unter anderem bevor, den Leistungsauftrag mit dem Kanton auszuhandeln, der die Jahre ab 2019 umfassen wird. Und was die Energieversorgung angeht, so beschäftigt ihn vor allem eines über eine lange Zeit: Der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, die «Dekarbonisierung», wie er es am Mediengespräch vom Donnerstagmorgen nannte.

Dieses Vorhaben würde noch Jahre, Jahrzehnte andauern – und entspricht auch den Vorgaben des Gesetzgebers. Eine zusätzliche Baustelle, die Schmidt nun weiterführen muss, ist die Umstellung im Rahmen der Digitalisierung. Was früher mal Kupfer-, Koaxial- und heute Glasfaserkabel sind, werden in Zukunft auch drahtlos gesteuerte und automatisierte Geräte sein. Einen Anfang bilden schon die Smart Meters, die in Schweizer Haushalten verbaut werden: Nach Vorgaben des Bundes müssen bis Ende 2027 80 Prozent aller Messeinrichtungen in einem Netzgebiet auf diese intelligenten Messstationen umgerüstet werden. Die restlichen 20 Prozent dürfen bis zum Ende ihrer Funktionstauglichkeit im Einsatz bleiben.

Das ist nur ein erster Schritt. Denn am Horizont dräuen bereits die Sprachwolken von «Smart Cities», Stadtteilen oder Städten, die komplett vernetzt und intelligent angesteuert werden. Ein solches Smart-City-Projekt soll auf dem Areal des Basler Güterbahnhofs Wolf zu stehen kommen; dafür hatten SBB und Kanton diese Woche bereits ein Abkommen unterzeichnet. Dem Bahnbetreiber schwebt vor, dass man quasi von der S-Bahn direkt ins selbstfahrende Auto einsteigen kann, das Strassen mit gesteuerten Beleuchtungen entlang fahren kann, nur um in die Wohnung zu gelangen, die bereits vorgewärmt ist und ihre Daten sowieso konstant mit dem Energieversorger austauscht und abgleicht.

Schon wieder ein grosser Sprung

Dafür braucht es Infrastruktur. Und als lokaler Energieversorger und Dienstleister im Bereich just dieser technischen Infrastruktur kommen auch die IWB ins Spiel. «Gut möglich, dass wir da auch beteiligt sein werden», sagte Schmidt hinsichtlich der kantonalen Modernisierungsstrategien. Weiter liess er sich noch nicht auf die Äste hinaus.

Er bestätigte allerdings, dass sich die Energielandschaft mitten im Sprung auf den nächsten Technologisierungsgrad befindet. «Smart» ist das Wort der Stunde, und die IWB hatten diese Woche schon bekannt gegeben, dass sie ein Funknetz zur mobilen Datenübertragung in Betrieb genommen hatten. Es bilde die Grundlage für «viele alltagsnahe und komfortable Anwendungen» im «Internet der Dinge».

Raus zu den Leuten

Zur Strategie sagte Schmidt, er wolle das Bestandesgeschäft optimieren, den Wandel vorantreiben – also Entwicklungspotenzial wahrnehmen – und das Geschäft vor allem weiter auf den Kunden ausrichten. Die Dienstleistungen bilden unter dem neuen CEO einen zentralen Posten. Das betrifft unter anderem Kundenportale, weitere digitale Projekte und das Angebot, das privaten Energieproduzenten die Selbstvermarktung ihrer produzierten Leistung vereinfacht.

Was für ihn jetzt aber operativ im Vordergrund stehe, das sei ganz klar die Nähe zu den Leuten. Zu den rund 800 Mitarbeitenden der IWB und zu den Kunden. Er wolle jetzt erst einmal raus, auf die Baustellen, in den Untergrund, den Kontakt zu den Mitarbeitenden pflegen. Urgestein ist er bei den IWB noch keins: Schmidt arbeitet erst seit zwei Jahren für den Basler Energieversorger.