Richtig frühlingshaft waren die Temperaturen im Mai noch nicht allzu oft. Da war es nicht schwer an den vergangenen, für unsere Breitengrade ungewöhnlich harten Winter zurückzudenken – und damit auch an die Schlagzeilen, die in diesem Zusammenhang für Gesprächsstoff gesorgt hatten. So sollen in kalten Winternächten wiederholt Menschen an der Notschlafstelle abgewiesen worden sein.

In der neusten Ausgabe des Formats «Basel im Gespräch», zu der Moderator Frank Lorenz am Dienstagabend fünf Diskussionsgäste in der Elisabethenkirche begrüssen durfte, lautete das Thema zwar «Fremde Arme, eigene Arme», der Blick zurück nahm darin einen grossen Platz ein. Nicole Wagner, die Amtsleiterin der Basler Sozialhilfe, stellte klar, «dass wir niemanden abweisen. Es ist aber möglich, dass einige die Notschlafstelle nicht gefunden oder am falschen Ort gesucht haben.»

Diese Aussage nahmen einige der rund fünf Dutzend Besucher zum Anlass, um sie mit teilweise selbst erlebten Beispielen zu widerlegen. Die Zwischenfrager wirkten zwar durchwegs glaubwürdig, sorgten aber mit der Aufzählung von Einzelfällen, von denen Wagner keine Kenntnis hatte, dafür, dass die Diskussion im Endeffekt zu kurz kam. Denn darüber, dass man es besser als im letzten Winter machen kann, waren sich alle von vornherein einig. «Aber die Administration tickt halt anders als die Bevölkerung», meinte Claudia Adrario de Roche, Präsidentin von «Soup & Chill». Dass zwischen eigenen und fremden Armen unterschieden werde, bestätigte Michel Steiner.

Der Gassenarbeiter vom Schwarzen Peter berichtete: «Manche haben das Gefühl, dass ihnen die Anderen das Wenige, das sie haben, wegnehmen wollen.» Gleichzeitig relativierte Steiner: «Der Mensch tritt immer nach unten. Und wenn man so weit unten ist wie diese Menschen, bleibt nicht mehr viel übrig, wohin man treten kann.» Beim Schwarzen Peter mache man den Leuten unter anderem klar, «dass die Fremden nichts dafür können. Da laufen ganz andere Verteilungskämpfe im Hintergrund ab.»

Hugo Köppel, Leiter der Abteilung Integration und Rückkehr beim Schweizerischen Roten Kreuz, führte derweil nochmals vor Augen, dass die ökonomische Situation zu einer «innereuropäischen Nomadenbewegung» geführt hat. Aus deshalb forderte SVP-Grossrat Eduard Rutschmann bei seinem Schlusswort: «Die Personenfreizügigkeit muss angepasst werden! Wir müssen unsere Leute beschäftigen, bevor wir die anderen Probleme lösen.»
Wirklich neue Erkenntnisse gewann nach 75 interessanten Gesprächsminuten wohl keiner der Teilnehmenden der Veranstaltung, deren Medienpartner die bz ist. «Menschen reagieren nie so, wie wir es erwarten. Deshalb sollten wir flexibel sein», lautete Köppels Wunsch für die Zukunft.
Michel Steiner erblickte allerdings keine Veränderungen am Horizont: «Wir müssen wohl auch weiterhin Pflästerlipolitik betreiben. Doch ich bin zuversichtlich, dass im nächsten Winter niemand frieren muss!»