Tramchauffeur Tobias Keller sitzt an diesem Morgen nicht im Führerstand. Ausgerüstet mit gelber Weste und einem grossen Stapel Informationsbroschüren beantwortet er am Bahnhofplatz die Fragen der Fahrgäste. Einer am anderen kommt auf ihn zu: «Wie komme ich an den Dreispitz?» «Wo fährt das Tram zur Neuweilerstrasse?» «Wie komme ich zur Kaserne?»

Seit Montag fahren die Tramlinien 8, 10 und 11 nicht mehr über den Bahnhof, weil die Gleise zwischen Centralbahn- und Aeschenplatz erneuert werden. «Es ist erstaunlich, wie viele Leute uns noch nach Auskunft fragen», findet Keller. «Der 8er wird am häufigsten gesucht.»

Die direkte Verbindung an den Barfüsserplatz werde vermisst. Die Fahrgäste nehmen die Ausnahmesituation meist gelassen. «Die Genervten sind die Ausnahme», sagt Keller, für ihn sei der Kundendienst eine Abwechslung im Alltag.

Mehrmals umsteigen bis zum Ziel

Gelbe Blachen hängen über den Haltestellentafeln und verweisen auf die Alternativen zu den üblichen Fahrtwegen. An mehreren Orten stehen Informationstafeln.

Dennoch warten während des Gesprächs mit Keller immer wieder Leute auf dem Perron 4. So auch zwei Innerschweizer auf dem Weg nach Leymen. Sie haben die Wahl, am Aeschenplatz ins Tram einzusteigen oder mit der Einsatzlinie E10 zur Münchensteinerstrasse zu fahren, um dort den 10er zu besteigen, der via Denkmal durch die Stadt fährt. «Dann gehen wir halt eine Station zu Fuss», sind sie sich rasch einig.

Weniger locker nimmt eine ältere Baslerin die Bauerei: «Es muss halt sein, aber nervig ist es schon, dass ich jetzt von der Messe an den Dreispitz zweimal umsteigen muss.»

Auf der Kreuzung Nauenstrasse/Aeschengraben stehen grüne Bagger in einer Reihe. Wo sich sonst Autos und Trams gegenseitig zum Warten zwingen, ist der Asphalt aufgerissen. Rund 15 Arbeiter verlegen die ersten neuen Gleisstücke.

Bis Ende Juli soll der ganze Abschnitt erneuert sein. Weil das nur ohne Verkehr geht, fliesst der Verkehr links und rechts an der Baustelle vorbei an den Aeschengraben. «Fliesst» ist um 11 Uhr morgens wörtlicher zu nehmen als während der Stosszeiten.

Geduld brauchts am Aeschenplatz

Am Aeschenplatz sieht die Situation ganz anders aus. Der Verkehr stockt an allen Seiten und die umgeleiteten Fahrzeuge vergrössern gemeinsam mit den zusätzlichen Trams vom Denkmal her das Chaos, das auch an normalen Tagen auf dem Aeschenplatz herrscht.

Umleitungen sind keine signalisiert. «Das ist schlicht nicht möglich», sagt Andreas Knuchel, stellvertretender Mediensprecher der Kantonspolizei. Die Polizei beobachte die Situation. Aber auf der Achse Wettsteinbrücke – Dufourstrasse – Denkmal werde an so vielen Orten gebaut, da brauche es jetzt viel Geduld, sagt Knuchel. Grossräumige Umfahrungen, zum Beispiel bei den Autobahnauffahrten, sind keine signalisiert.

Klagen habe es bisher noch keine gegeben, sagt Knuchel und zeigt für Verständnis für genervte Verkehrsteilnehmer. Aber: «Während der Sommerferien herrscht ein geringeres Verkehrsaufkommen, dies ist auch ein Punkt in der Planung der Baustellen.»