Die Basler Vorfasnacht ist eine Hydra. Stirbt eine Veranstaltung, nehmen zwei andere ihren Platz ein. Aus der «Wirrlete» wurde «Schabernagg & Lumpepagg» und das zweijährlich stattfindende «Rämpläm». Almi und Salvi trennten sich, dem «Fasnachtskiechli» entwuchsen in diesem Jahr «Läggerli» und «Kopfladäärnli». Eigenproduktionen wie jene der Clique «onYva» und Schnitzelbangg-Stuubete erweitern die vorfasnächtliche Agenda. Gleichzeitig bespielen einige Veranstalter mehr Abende als in den Jahren zuvor.

Die Folge ist ein verschärfter Wettstreit ums Publikum. Renato Salvi hat bislang etwas mehr als die Hälfte seiner Plätze fürs «Kopfladäärnli» verkaufen können. Er sagt: «Wir sind noch nicht im grünen Bereich.» Bis zur Premiere verstreichen noch knapp zwei Wochen. Entsprechend zuversichtlich gibt sich Salvi. Dennoch spricht er von einem «harten Kampf» und von einem «persönlichen finanziellen Risiko». Unter den verschiedenen Anbietern herrsche inzwischen ein Wettbewerb, den Salvi «biirewaich» findet.

Eher noch ein bisschen schlechter sieht es bei seinem ehemaligen Bühnenpartner aus: Almis «Läggerli» bietet abgesehen von der Premiere noch jede Menge freie Plätze. An manchen Vorstellungen sind nur etwas mehr als 80 der rund 380 verfügbaren Sitze belegt. Pressesprecherin Carola von Radowitz will sich nicht in die Karten blicken lassen, ob diese Zahl den Erwartungen entspreche. «Wir hoffen, dass es nach Pressetexten über die Premiere noch anzieht», sagt sie lediglich.

Selbst kleinere Veranstaltungen wie der «Bsuech im Fasnachtshuus» spüren den Konkurrenzkampf. Veranstalter Patrick Stalder sagt, er habe dieses Jahr mehr Mühe bekundet, seine Dinner-Abende auszuverkaufen. «Klappen wird es am Ende schon, aber nur, weil wir uns in der Form von anderen Veranstaltungen abheben.» Neue Anbieter nach klassischem Rezept auf der Bühne mit Stiggli, Musik und Schnitzelbängg hätten allerdings einen schweren Stand.

«Schabernagg & Lumpepagg» im Theater Teufelhof kann davon ein Lied singen: Nicht nur für die Premiere am nächsten Montag sind reichlich Tickets erhältlich. «Da wird noch einiges gehen», meint Mitveranstalter Heinz Margot. Ohnehin stünde nicht der finanzielle Aspekt im Vordergrund: «Wir sind gelassen, uns geht es um die Freude am Cabaret.» Das sei für Mitbewerber hingegen anders: «Für manche in diesem Geschäft ist die Vorfasnacht, was Weihnachten für den Detailhandel ist.»

Anderes Bild im Baselbiet

Das «Drummeli» ist die Leistungsschau der Basler Cliquen, veranstaltet vom Comité. «Wir bewegen uns im Rahmen der Vorjahre», sagt Obfrau Pia Inderbitzin zum Billettverkauf. Allgemein glaubt sie, dass «der Zenit der Vorfasnachts-Veranstaltungen langsam erreicht» sei.

Das «Monstre» hat auch in diesem Jahr die Cliquen angeschrieben, um den Vorverkauf anzukurbeln. «Marketing ist wichtiger geworden», bestätigt Inderbitzin. Helmut Förnbacher ist ein alter Hase im Vorfasnachtsgeschäft. Er beobachtet einen Wandel, der ungefähr vor zehn Jahren eingesetzt hat: «Damals rissen sich die Leute noch um jedes Ticket», sagt er. Heute sei das Angebot viel grösser. Auch wenn viele nicht nur eine Veranstaltung besuchten: Ein stets volles Haus ist kaum mehr möglich. «Ich habe noch für jede Vorstellung freie Plätze.»

Von der diesjährigen Regel die Ausnahme sind die Traditionsdarbietungen «Pfyfferli», «Charivari» und «Mimösli». Ersteres erstreckt sich dank des späten Fasnachtsauftakts über fast 70 Abende. Für die meisten sind nur noch Einzelkarten verfügbar, und auch das «Charivari» wie die Häbse-Produktion scheinen keine Mühe zu haben, den Saal zu füllen. Auch auf dem Land bietet sich ein anderes Bild: Dort finden dieses Jahr weniger Vorfasnachtsveranstaltungen statt – und das Rotstab-Cabaret hat eine Zusatzvorstellung angekündigt.