Es war ein kommunikativer Super-GAU. Als die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) am letzten Donnerstag per Communiqué mitteilten, dass sie ab 20 Uhr den Trambetrieb von der Burgfeldergrenze zum Bahnhof Saint-Louis einstellen, mussten die elsässischen Partner dies durch die Medien erfahren. Begründet wurde die Massnahme mit Sicherheitsproblemen wie Laserpointer-Angriffen auf das Fahrpersonal. Das Problem ist denn auch mehr die Form der Kommunikation als die Entscheidung selbst.

Nun stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Das Vertrauensverhältnis zwischen den BVB und dem für den öV zuständigen französischen Partner ist schwer gestört, auch wenn die BVB anderes behaupten. Laut Medienstelle verlief ein Treffen mit Alain Girny, Präsident des Zweckverbands Saint-Louis Agglomération, am Freitagvormittag in «partnerschaftlicher Atmosphäre». Am frühen Abend traf dann aber eine Medienmitteilung des Zweckverbands ein, die die BVB harsch kritisierte – eine für französische Verhältnisse aussergewöhnlich harte Stellungnahme.

BVB-Direktor Erich Lagler stellte den Verlauf an der Medienkonferenz anders dar: Man habe schon bei einem Meeting am 29. April über eine mögliche Einstellung des Betriebs nach 20 Uhr informiert. Über den tatsächlichen Stopp seien die Franzosen «nahezu zeitgleich wie die Öffentlichkeit informiert worden.» «Vorher» ist das nicht.

Die Elsässer kritisieren auch die fehlende Wertschätzung für die französischen Fahrgäste. Tatsächlich beschränkten sich die BVB auf den Hinweis, den Bus von der Schifflände zum Bahnhof Saint-Louis zu nehmen. Für manchen Grenzgänger, der an der 3er-Tramlinie arbeitet, keine wirklich gute Alternative. Seit Freitagabend hat der Zweckverband deshalb Busse eingesetzt, die im Takt des Trams von der Burgfeldergrenze zur Park-and-ride-Anlage Saint-Louis fahren.

Der Vorwurf, es werde mit zweierlei Mass gemessen, ist nicht von der Hand zu weisen. Es reicht, «Vandalismus und BVB» bei Google einzugeben, und man stösst auf eine Fülle von Beiträgen: sieben Fälle von Steinwürfen und Sachbeschädigungen vor allem auf der BVB-Linie 14, über 70 durch Tags und Graffiti verätzte Tram- und Busscheiben, 22 aufgeschlitzte Sitze der Tramlinie 3, als diese noch gar nicht ins Elsass fuhr, eine am Aeschenplatz eingeschlagene Scheibe des 8er-Trams ...

Müssen die BVB auf einer Tramlinie in der Schweiz den Betrieb einstellen, schicken sie Ersatzbusse, um ihre Fahrplanpflicht nicht zu verletzen. Ansonsten könnte das Bundesamt für Verkehr (BAV) intervenieren. Weil die 3er-Tramverlängerung auch über Basler Gebiet verläuft, gelten die gleichen Bestimmungen. Theoretisch könnte eine Beschwerde beim BAV auch jetzt deponiert werden.

Das Einstellen der Abendkurse nach Saint-Louis ist nicht zu trennen von einer BVB-Direktion, die die Linie ins französische Ausland mit wenig Enthusiasmus betreibt. Schon die Vertragsverhandlungen mit den Elsässer Partnern waren vonseiten der BVB von Misstrauen geprägt. Dazu kam das Desaster um die von Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels versprochene Million. Und schliesslich der Ärger mit den Sicherheitsproblemen.

Auch hier gibt es ein Kommunikationsproblem: Zweckverband-Präsident Girny behauptet öffentlich, die letzte Laser-Attacke sei am 23. April gewesen, also neun Tage vor dem Stopp der Abend-Trams am 2. Mai. Die Aussage wird von seiner Medienstelle ausdrücklich bestätigt. Bei den BVB klingt es anders. Demnach gab es neben den zwei Angriffen am 23. April weitere Laser-Attacken am 26., 27. und 30. April. Alle seien dem Zweckverband gemeldet worden.

Demnach wäre die BVB-Entscheidung ein radikaler Versuch, die französischen Behörden dazu zu zwingen, die Sicherheitsprobleme in den Griff zu bekommen. Ein Blick auf die Facebook-Seite «BVB-ianer», auf der sich BVB-Mitarbeiter zu Wort melden, zeigt, wie gross der oft populistische Beifall dafür ist. Am liebsten möchte man den Vertrag auflösen und die Strecke sperren: «Sollen die Franzosen doch laufen.»

Vielleicht möchte auch die BVB-Direktion die ungeliebte Verbindung am liebsten einstellen. Realistisch ist das nicht: Die Gleise liegen. Gefordert wäre jetzt der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels. Der aber beschränkt sich darauf, «seine» BVB für den Entscheid zu loben. Gefragt wäre stattdessen Wessels’ politische Vermittlung: Es ist bereits genug Geschirr zerschlagen.