Über dem Eingang des hölzernen Kasernentors treten vier uniformierte Soldaten hinter den Zinnen hervor. Mit Fanfarenklängen eröffnen sie das Tattoo 2017*. Gespickt von Highlights bietet dieses eine vielfältige Vorstellung, die das Publikum auf weiten Strecken in den Bann zieht. Besonders stechen die beiden Tanzgruppen des Abends heraus. Die australischen Oz Scott Highland Dancers haben sich dem schottischen Hochland-Tanzstil verschrieben. Mit einer beschwingt leichten Performance, gespickt mit Sprüngen und Drehungen, zeigen die Australierinnen eine überzeugende Darbietung. Auch die versprochene Swissness findet sich im Stück: Die Highland Dancers tanzen zum Schweizer Volkslied «S Vogellisi».

Basel Tattoo: Trumps Trommler sind da

Basel Tattoo: Trumps Trommler sind da

  

Das Gegenstück liefern die russischen Tänzer des Igor Moiseyev State Academic Ensemble of Popular Dance. Rund 50 junge Männer in Matrosenuniform springen Arm über Schulter aneinander gereiht durch die Arena. Mit Beinschwüngen, Sprungfiguren und einer bemerkenswerten Beinarbeit fesseln sie das Publikum. Sie zeigen perfekte Synchronität.

Starke Schweiz

Auch die Schweiz zeigt sich von ihrer besten Seite. Das Rekrutenspiel der Schweizer Armee legt einen beeindruckenden Auftritt hin. Mit einer Abwandlung des Lieds «Dr Daneli vom Trueb» erzählt es von einem Trommeldieb, der die Kühnheit besitzt, eine Trommel aus der Formation zu stehlen. Eine Aktion, die nicht unbestraft bleibt. So springen vier Soldaten vom Dach der Kaserne und seilen sich auf die Bühne ab, um den jungen Bengel zu verhaften. Unter triumphierenden Klängen muss der Dieb die Bühne verlassen. Der Erfolg wird von den Schweizer Trommlern bespielt, die ihre leuchtenden Schläger präzise durch die Luft wirbeln.

Mit einer grossartigen Balance von Show und traditioneller Musik überzeugen die Acts an diesem Abend: Von den klassischen Militärmärschen über AC/DC zu Musicalhits aus «Les Misérables» wird das ganze Register gezogen.

Im gemeinsamen Final stehen die über tausend Mitwirkenden auf der Bühne und lassen unter der Direktion des musikalischen Leiters Christoph Walter ihre Instrumente erklingen. Einen ruhigen und besinnlichen Moment bietet das von Walter komponierte Stück «Abschied von den Bergen», das von Bildern der Schweizer Bergwelt begleitet wird. Die Melodie begleitet Franziska Wiggers Jodelsolo, das die «Swissness» ein weiteres Mal hervorbringt. Es folgt die Schweizer Landeshymne, mit Text projiziert auf die Kasernenwand, sodass das Mitsingen allen Zuschauern möglich ist.

Lang gezogenes Finale

Im Anschluss wird zur Gedenkminute für die Gefallenen und Leidenden der Welt aufgerufen, begleitet von der Abendhymne. Dem eher traurigen Abschluss wird eine Version von Leonard Cohens «Hallelujah» angehängt, gesungen von Solistin Corinne Gfeller. Das Finale zieht sich in die Länge und lässt das Publikum mehrmals verunsichert zurück, ob das Ende nun bereits erreicht ist. Ebenfalls ein Kritikpunkt ist die Verständlichkeit des Moderatorentexts von René Häfliger, der zeitweilig vom Applaus übertönt wurde.

Dennoch überzeugt das diesjährige Tattoo durch Abwechslung und faszinierenden Darbietungen. Auch an Spezialeffekten wird nicht gespart: Neben einem grossartigen Bühnenbild sind zahlreiche Auftritte mit Feuerwerken untermalt.

Das italienische Reggimento Corazzieri steht mit Pferden und Moto Guzzis in der Arena, die französische Musique de Sapeurs-Pompiers de Paris bringt gar zwei Feuerwehrautos auf die Bühne. Diese wurden jedoch nicht von Paris hergebracht, sondern von der Feuerwehr Muttenz zur Verfügung gestellt.