In einem früheren Entwurf hatte sie noch ein kürzeres Röckchen und mehr Oberweite. Doch auch so ist die Piktogramm-Prostituierte unmissverständlich, die sich lasziv an eine Laterne lehnt. Und auch wenn nirgendwo in der Basler Toleranzzone solche Laternen stehen: Das Signal zieht eine Grenze rund um die Basler Toleranzzone. Dort dürfen die Prostituierten auf der Strasse stehen und Freier anwerben.

Dieser Strassenstrich, der nun grün eingegrenzt wird, hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Ärger gesorgt. Unlängst hatte die bz darüber berichtet, wie steigender Konkurrenzdruck und Gentrifizierung die Strassenprostitution auf die umliegenden Quartierstrassen ausweiten lassen.

Dem will das Justizdepartement entgegenwirken. Regierungsrat Baschi Dürr (FDP) erklärte vor einer grossen Medienschar, wie die Markierungen das Problem eindämmen sollen: «Diese grünen Linien sollen bei der grossen Fluktuation von Prostituierten zeigen, wo sie anschaffen dürfen und wo nicht.» Grün deshalb, weil man die Prostituierten nicht ausgrenzen, sondern vielmehr ihren Bereich anzeigen wolle. «Die Idee stammt aus der Bevölkerung», sagt Dürr. Er sei sich bewusst, dass diese Massnahme nicht die «ganz grosse Lösung , aber ein Puzzlestein und eine konkrete Massnahme auf ein Problem hin ist.»

Ein Strich am Boden soll Prostituierte aufhalten

Ein Strich am Boden soll Prostituierte aufhalten

   

Anschaffen im Wohnwagen

Der Umgang mit dem Milieu ist in Basel ein Dauerbrenner. Das zeigt auch die vehemente Reaktion eines Anwohners an der Pressekonferenz. «Jede Nacht halten beim Rappoltshof an der Claramatte Cars aus Belgien, Holland oder Rumänien und laden zwischen 20 und 30 Frauen aus», sagte er. Die Polizei unternehme zu wenig, um den Ruhestörungen und Abfallproblemen Herr zu werden. «Seit drei oder vier Wochen kommen sie sogar mit Wohnwagen und schaffen hier an», sagte er.

Neu ist die Kritik nicht. Der Kanton geht das gemäss Dürr «vielschichtige Problem» nun jedoch mit einem neuen «Interdepartementalen Fachgremium Prostitution» (IFaP) an. Ende 2015 gegründet, scheint die Strassenmarkierung nun der erste Wurf dieser Arbeitsgruppe. Schon seit mehreren Jahren arbeitet das Justizdepartement am Runden Tisch der Prostitution mit der privaten Fachstelle Aliena zusammen. Diese setzt sich für die Rechte der Prostituierten ein und wird geleitet von Viky Eberhard. Sie gibt Einblick darin, wie die Prostituierten die Strassenmarkierung aufgenommen haben: «Manche davon finden es diskriminierend. Es gibt aber eine grosse Gruppe von Frauen, die diese Idee begrüssen.»

Ärger bei der Wirtin

Gar nicht einverstanden mit der Signalisation ist Madeleine Grieder. Vor rund zwei Wochen hat sie die Bar zum «Roten Bären» an der Ecke Ochsen- und Webergasse eröffnet. Eine Bodenmarkierung wurde direkt vor dem Eingang ihrer Beiz aufgebrannt. «Wir wurden darüber nicht informiert. Dabei müsste doch jedem mit gesundem Menschenverstand einleuchten, dass das für uns keine gute Idee ist», sagt sie. Probleme mit den Prostituierten gäbe es bislang keine. «Wir haben ihnen gesagt, dass sie nicht direkt vor unserem Eingang stehen sollen — das haben sie respektiert.» Mit den neuen Piktogrammen berfürchtet sie, dass sich dies ändern könne. Grieder kündigte an, sich bei der Verwaltung zu beschweren.

Rund 3300 Prostituierte arbeiten pro Jahr im Basler Sexgewerbe, etwa 800 sind es pro Tag. Die Strassenprostitution macht dabei lediglich einen Anteil von rund fünf Prozent aus. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Schätzungen, genaue Erhebungen gibt es nicht. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Prostitution in Basel-Stadt im Unterschied zu anderen Kantonen nicht bewilligungspflichtig ist. Auch das Führen eines Salons bedarf keiner Bewilligung, allerdings ist eine Nutzungsänderung beim Gewerbeinspektorat anzumelden.