Das Claraspital kommt nicht zur Ruhe. Erst im November 2017 wurden die neue Küche, die Kapelle, das Café und vor allem der neue Haupteingang in Betrieb genommen. Die Baustellen waren nicht nur lärmmässig belastend, in Kombination mit der Verlegung einer Fernwärmeleitung der IWB direkt vor dem Spital war auch der Zugang durch umständliche Umleitungen erschwert. 

Doch anstatt durchzuatmen, läuft bereits das nächste Grossprojekt: der Ersatzneubau des ehemaligen Hirzbrunnenhauses. Das alte Haus ist bereits zurückgebaut, die Grundsteinlegung des Neubaus fand Ende Februar statt. Am 23. April beginnen die Arbeiten am Rohbau. Dies gab Claraspital-Direktor Peter Eichenberger bei der Präsentation des Geschäftsjahres 2017 heute Montag bekannt. Für insgesamt 200 Millionen Franken entsteht ein neuer OP-Trakt, neue Räume für die ambulante Onkologie, eine Rehabilitationsabteilung sowie der neue Notfall des Claraspitals. Ende 2019 soll alles fertig sein. 

Baustelle schreckte vor Notfall-Besuch ab

Doch es gibt einen grossen Unterschied: "Wir sind froh, dass der Neubau den laufenden Spitalbetrieb kaum tangieren wird", sagt Eichenberger. Schliesslich spiele sich alles neben dem Hauptgebäude auf einer separaten Baustelle ab.

Die Einschränkungen im vergangenen Jahr spürte das Spital nämlich deutlich. Das zeigen auch die Zahlen. So stieg die Zahl der stationären Patienten 2017 mit 10866 nur unwesentlich (2016: 10788) und die Zahl ambulanter Patienten blieb mit 36467 sogar exakt gleich hoch. In den letzten Jahren waren dort die Zahlen jeweils stark gestiegen. "Es suchten wegen der Bautätigkeiten wohl weniger Menschen unseren Notfall auf", sagt Eichenberger. Allerdings: Die Zahl der ambulanten Patientenkontakte wuchs um 7,5 Prozent auf total 162897. Die einzelnen Patienten kamen also mehrmals ins Haus. Eichenberger nennt etwa die Radiologie-Patienten, die 10 bis 20 Mal zur Bestrahlung aufgeboten würden.

Weniger Basler, mehr Baselbieter und Deutsche

Auch dass 2017 mit 5544 aus Basel stammenden stationären Patienten insgesamt 205 weniger ins Claraspital kamen als im Vorjahr, bezieht der Direktor teils auf den erschwerten Zugang. Der grösste Teil dürfte dort aber mit dem Wegfall der lukrativen Disziplinen Orthopädie und Traumatologie zusammenhängen, auf die das Privatspital zwecks Fokussierung auf das Bauchzentrum verzichtet. Zulegen konnte das Claraspital dafür bei Patienten aus anderen Kantonen und Deutschland. Baselbieter machen mittlerweile 31 Prozent aller Patienten aus (Total 3393).

Die ewigen Baustellen spiegelten sich auch bei der Patientenzufriedenheit wieder. Diese lag 2017 zwar gesamthaft mit 89,5 Prozent auf dem Vorjahresniveau, doch im Unterbereich der "öffentlichen Infrastruktur" sank der Wert von 83 auf 79 Prozent. Vor der Bautätigkeit 2014 und früher lag dieser Wert noch bei über 87 Prozent.

Finanziell schnitt das Claraspital 2017 zufriedenstellend ab. Die Jahresrechnung schliesst mit einem Betriebsgewinn von 0,7 Millionen Franken. Zählt man allerdings rund 4 Millionen Franken an Abschreibungen für den Restwert des alten Hirzbrunnenhauses dazu, rutscht man mit 3,5 Millionen Franken ins Minus.

Droht ein Spitalsterben?

Eichenberger warnt aber auch vor Herausforderungen, die sich 2018 stellen. Wie schon das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB, die bz berichtete) kritisiert er die Tarifeingriffe des Bundesrates in den Tarif für ambulante ärztliche Behandlungen (Tarmed). Dies habe das Claraspital im vergangenen Jahr bereits 3,5 Millionen Franken an Erträgen gekostet. 2018 rechnet Eichenberger mit weiteren 2 Millionen Franken Mindererträgen deswegen. Jährlich wiederkehrend seien es 4 Millionen. "Wir können das stemmen, weil wir kerngesund sind, aber andere Spitäler wie das UKBB zeigen, dass langsam eine Grenze erreicht ist. Es ist eine riesige Herausforderung." Eichenberger legt noch einen drauf, wenn er sagt: "Wenn sich nichts an den Tarifstrukturen ändert, werden wir ein Spitalsterben sehen." 

Mit einer gewissen Genugtuung fügt er allerdings an: "Ich bin zuversichtlich, dass wir nicht zu diesen Spitälern gehören werden."