Sie stechen in ein Grillennest. Bloss konnten sie das im Herbst, als sie sich für ihr Sujet entschieden haben, noch nicht wissen. Hätte ja sein können, dass bis zur Fasnacht niemand mehr über Insektenfood spricht und die Grillen aus den Regalen verschwunden sind. Das Gegenteil ist der Fall: «Die Nachfrage übersteigt unsere Erwartungen», sagt eine Coop-Sprecherin auf Anfrage. «Wenn das so bleibt, prüfen wir, weitere innovative Insektenprodukte in unser Sortiment aufzunehmen.»

Insektenfood gehört zu den diesjährigen Top-Sujets, wie der Fasnachts-Bibel «Rädäbäng» zu entnehmen ist – trotz des damit verbundenen Risikos. «Wir haben uns immer wieder gefragt, ob das Thema so lange hält», sagt Danny Fasser von der Alten Garde der Pfluderi. Kurz vor dem Morgestraich weiss der Sujet-Obmann: «Wir hatten Glück.»

Lokale Sujets immer ganz vorne

Die Zusammensetzung der Top-Sujets gestaltet sich immer gleich: Mindestens ein Thema zur Weltlage landet in den vordersten Rängen, vergangenes Jahr waren es mit Trump und Brexit mehrere. Und dann gibt es immer ein Top-Sujet, das die Welt nicht bewegt, Basel aber umso mehr. Die eingestrickte Wettsteinbrücke 2013, der Club de Bâle im Folgejahr, das White Dinner und 2017 der grüne Strassenstrich.

Weisse Larven reichen nicht aus

Die Themen haben eines gemeinsam: Sie sind lokal und waren im Sommer vor der Fasnacht aktuell, als sich die Gruppen zu ersten Sujetsitzungen trafen. Die Zeit muss schliesslich reichen, um Kostüme zu nähen, Requisiten zu besorgen, Zeedel zu dichten. Da kann man mit der Sujetwahl nicht bis im neuen Jahr warten. Aber was, wenn das Thema bis dahin keines mehr ist?

Bei der Strickaktion war das der Fall. Eine Gruppe hatte während der Kunstmesse Art im Juni das Geländer der Wettsteinbrücke eingestrickt und damit von sich reden gemacht. Doch erst Monate später berichteten die Medien wieder darüber – und zwar auch nur deshalb, weil 31 Fasnachtsformationen die Aktion zu ihrem Sujet gemacht hatten.

Die Wagenclique Ammedysli 1946 war eine dieser Formationen. Durch persönliche Kontakte hatte sie das Glück, ihren Wagen mit Originalwolle einpacken zu können. Für Obmann Roger Borgeaud war es damit aber nicht getan: «Ein Sujet ist nur gut, wenn es etwas zu reklamieren gibt.» Unter dem Motto «Mer hän e Wulle uf die Striggede» verknüpfte seine Clique das Strick-Sujet mit dem ewigen Stadt-Land-Zwist.

Denn: «Es braucht immer einen kritischen Aspekt.» Ein harmloses Sujet wie beispielsweise das White Dinner wäre für Borgeaud daher nicht infrage gekommen. «Klar, es ist dankbar: Man kann einfach die Larven weiss anmalen. Doch das ist zu wenig», sagt er.

Das sahen zahlreiche andere Formationen anders: Das weisse Dinner, das Pro Innerstadt einmalig durchführte, war 2016 Topsujet. Auch Fasnachtskenner und Ex-Comité-Obmann Felix Rudolf von Rohr war damals skeptisch: «Bei solchen Sujets besteht die Gefahr, ins Banale abzudriften, weil es wenig gibt, das man anprangern könnte.»

Vom diesjährigen Top-Sujet hingegen ist Rudolf von Rohr begeistert, bevor die Fasnacht überhaupt angefangen hat. «Insektenfood und die neuen Essgewohnheiten allgemein sind ein gesellschaftliches Thema, das lokal genauso wichtig ist wie für die Welt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Sujet auszuspielen und darzustellen.»

Aus diesem Grund habe es ihn vor vier Jahren nicht erstaunt, dass der Club de Bâle die Sujet-Liste anführte. «Ein Club für Reiche ist unbaslerisch», sagt er. Und sorge daher für Häme. Es ist ein Sujet mit Biss, darin sei man sich in Basel weitgehend einig. Mit Biss haben es etwa die Antygge ausgespielt, indem sie als Geldsäcke unterwegs waren. «Wenn wir ein lokales Sujet in der engen Auswahl haben und ein internationales, das gleich gut ist, fällt unsere Wahl meistens auf das lokale», sagt Antygge-Obmann Conrad Wenger.

Marode Welt und Elsass-Tram

Dennoch: Die Welt findet an jeder Fasnacht statt – und zwar nicht zu knapp. Mit Sujets wie «Despotismus Globalis» oder «ApéroCalypse» wird das dieses Jahr wieder so sein. Zahlreiche Formationen haben Themen rund um die marode Welt angemeldet. Das freut Felix Rudolf von Rohr: «Ein internationales Sujet ist mir lieber als zum hundertsten Mal Hans-Peter Wessels.» Wobei auch diese Fasnacht nicht ohne den Basler Baudirektor auskommen kann: Sein 3er-Tram ins Elsass ist genauso populär wie Insektenfood.

 

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