Bei Tageslicht betrachtet, lässt sich bald feststellen: Ein spektakulärer Unfall ist es nicht, auch wenn zahlreiche Arbeiter in orange über die Gleise wuseln. Eigentlich sieht die Stelle selbst gar nicht nach einem Unfall aus. Drei Waggons sind aus den Schienen gesprungen. Wenig deutet daraufhin, welche immense Kräfte auf das Rollmaterial gewirkt haben müssen, um Tonnen aus Stahl aus ihrem geordneten Weg zu bewegen. Den alltäglichen Bereich der Physik verlassen haben auch die Massnahmen, die zum Beheben der Entgleisung nötig sind: Ein Schienenkran hebt die Waggons ein wenig in die Höhe. Die in ähnlichen Situationen verwendeten Hydraulikzylinder konnten die Arbeiter hier nicht anbringen, zu wenig Platz.

Die Aufräumarbeiten am ICE liefen am Donnerstagmorgen auf Hochtouren

Die Arbeiten begannen um Viertel vor zehn Uhr morgens. Erst musste die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) die Unfallstelle freigeben. Diese hat eine Untersuchung eingeleitet. Nach wie vor ist unklar, warum der Zug aus Hamburg die Schienen verliess. Vor den Medien konnte sich Edgar Renz am Donnerstag darauf keinen Reim machen: «Es handelt sich hier um neue Anlagen, die erst im September ersetzt wurden», sagte der Basler Leiter Instandhaltung der SBB. Sprecherin Franziska Frey mochte über mögliche Ursachen nicht spekulieren. Auch die Schadenssumme liesse sich noch nicht beziffern. Gemäss Renz seien auch Schäden an «diversen Weichen» erkennbar.

«Extrazüge im Einsatz»

Auf den Gleisen 1 bis 7 verkehrten auch am Donnerstag keine Züge. Für die Passagiere bedeutete dies den Ausfall mehrerer Verbindungen, auch nach Bern oder Zürich Flughafen. Internationale Verbindungen fuhren ab Badischem Bahnhof. Die SBB versuchte das Pendlerchaos mit zahlreichen Extrazügen abzufedern. «Der Fahrbetrieb läuft reduziert», sagte Frey am morgen. Wie lange, liess sich noch nicht abschätzen, doch sei «bis Betriebsschluss» mit Unregelmässigkeiten zu rechnen. Die Bergungsarbeiten dauerten bis am Donnerstagabend  an.

Nach der gestrigen Entgleisung: Arbeiten im Bahnhof Basel SBB

Drei Waggons des einfahrenden ICE aus Hamburg waren am Mittwoch kurz vor 17 Uhr entgleist. Rund 500 Passagiere verliessen den Zug durch die vorderen Wagen aufs Perron; verletzt wurde niemand. Ein Waggon hatte aber einen Signalmast auf eine Fahrleitung gekippt, was einen Kurzschluss auslöste. In der Folge stand der ganze Bahnhof zwei Stunden still. Die Bewältigung der Ströme gestrandeter Pendler und Reisender wurde im Übrigen noch von einem ungeschickt auf dem Centralbahnplatz abgestellten zivilen Fahrzeug der Rettung Basel-Stadt ausgebremst: Dieses stand mehreren Tramlinien im Weg, die deswegen gut eine halbe Stunde statt via Bahnhof SBB via Heuwaage fuhren.

Am Mittwochabend sind drei Wagen eines ICE bei der Einfahrt zum Basler Bahnhof aus den Schienen gesprungen.