Wiederholt haben Jungparteien in der Region gefordert, dass das Schulfach Politik in den Sek-Lehrplan aufgenommen wird. Der neuste Vorstoss stammt aus den Reihen der Basler Jungfreisinnigen. Diese wünschen sich nach der erfolgreichen Einführung eines Schulfachs Politik im Kanton Aargau, dass die Basler Regierung ihre ablehnende Haltung gegenüber der Initiative «Ja zu einem Fach Politik» überdenkt. Die Junge FDP will, dass Schülerinnen und Schüler auf politische Debatten vorbereitet und für aktuelle Abstimmungsvorlagen begeistert werden. Kurz: Ihnen soll das politische Geschehen näher gebracht werden.

Doch wie stark engagieren sich die Jungparteien selbst? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und völlige Objektivität wagt die bz den Versuch eines Rankings. Dieses zeigt: Zwischen den einzelnen Parteien gibt es enorme Unterschiede. Positiv fallen die Jungsozialisten der Region auf. Sie punkten mit hohen Mitgliederzahlen und einer grossen Social-Media-Reichweite – und belegen damit die ersten zwei Plätze. Die Landpartei schlägt dabei knapp die Stadtpartei. Dies, weil sie mit den zwei Demokratie-Initiativen punkten konnte. Nils Jocher, Co-Präsident der Baselbieter Juso, hat ein positives Abschneiden seiner Partei erwartet. «Das Ergebnis zeigt, dass sich junge Leute für linke Politik interessieren.» Andere Jungparteien aus der Region nehme er denn auch kaum wahr.

Landparteien liegen zurück

Dabei zeigt das bz-Ranking klar: Die Basler Jungfreisinnigen sind den Juso dicht auf den Fersen. Sie belegen gemeinsam mit den Basler Jungsozialisten den zweiten Platz und können insbesondere mit einem aktuellen Online-Auftritt und der von der Regierung grösstenteils umgesetzten Zweirad-Initiative einen realpolitischen Erfolg verzeichnen. Besonders stolz ist Präsident David Pavlu aber auf die erwähnte Initiative «Ja zu einem Schulfach Politik»: «Dank des grossen Engagements unserer motivierten Parteimitglieder haben wir es geschafft, alleine eine Initiative zustande zu bringen.»

Die Basler Jungfreisinnigen mischen damit die vorderen Ränge auf, die ansonsten klar von linken Parteien dominiert werden. Unter ihnen auf Rang vier auch das Junge Grüne Bündnis Nordwest, das sich zusammen mit der Juso erfolgreich gegen die Erhöhung der Studiengebühren an der Uni Basel eingesetzt hat.

Weniger gut läuft es für die bürgerlichen Parteien. Hier zeichnet sich ein Stadt/Land-Graben ab: Aufgrund der Zweirad-Initiative schneiden die städtischen Bürgerlichen besser ab als ihre Baselbieter Kollegen. Die bürgerliche Zusammenarbeit bei der Initiative sei denn auch der grösste Erfolg ihrer Partei, betont die Präsidentin der Jungen SVP Basel-Stadt, Laetitia Block. «Wir konnten demonstrieren, dass die bürgerliche Zusammenarbeit auch bei uns Jungen funktioniert und zum Erfolg führt.» Bitter dürfte das bescheidene Abschneiden im Ranking für die Basler JCVP sein. Diese hatte sich im vergangenen Jahr politisch stark engagiert, hat im Bereich der digitalen Vernetzung aber noch Einiges aufzuholen.

Schwache Internetpräsenz

Die JCVP steht mit diesem Problem nicht alleine da: Der Online-Auftritt ist häufig der grösste Schwachpunkt der Parteien. Das Schlusslicht bilden die Baselbieter Jungfreisinnigen. Diese waren für die bz während dreier Tagen nicht erreichbar, bis die Mutterpartei versuchte, in die Bresche zu springen. Zudem ist die Internetseite der Partei veraltet: Statt einzelner Parteimitglieder und deren Kontaktinformationen finden sich dort nur schwarze, anonyme Köpfchen. Stets sichtbar sind dafür die Kontoangaben der Jungpartei – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Und wer versucht, auf die Medienmitteilungen der Partei zuzugreifen, findet stattdessen eine eindeutig nicht für die Öffentlichkeit gedachte Notiz zur Erstellung der Website vor. Diese ist trotz des Hinweises «nach erfolgreichem Veröffentlichen löschen!» für alle Seitenbesucher sichtbar.

Ebenfalls weit abgeschlagen ist die Junge CVP aus dem Baselbiet, deren Website nicht verfügbar ist. Ausserdem kann die Partei keine grossen Erfolge vorweisen, wie auch Präsidentin Nadja Lüthi zugibt: «Unser Leistung im letzten Jahr ist ziemlich dürftig.» Trotzdem: Lüthi war erreichbar und konnte der bz die aktuelle Mitgliederzahl nennen. Sie schaffte es damit immerhin, sich und ihre Partei vor dem letzten Rang zu bewahren.