Der Start des «Weltstadtradios im Dreiländereck» sei gelungen, freut sich Energy Schweiz in einem Communiqué. Seit Freitag sendet das Musik- und Eventradio Energy Basel auf der Frequenz des früheren Radio Basel sein Programm.

Doch nicht alle stimmen in den Jubel ein. Gar nicht glücklich ist Thomas Jenny, Stiftungsratspräsident von Radio X. Dass nun ein Formatradio wie Energy anstelle des Programms von Radio Basel aufgeschaltet werde, erachtet Jenny als Verletzung der Konzession. Gegenüber dem «Sonntag» bestätigt er, dass er am Wochenende eine Beschwerde beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) eingereicht hat. Angesichts der Veränderung des Programms, das bei einem Aktienanteil von nur 15 Prozent zu 100 Prozent von Energy bestimmt werde, müsse das Bakom die Konzession neu genehmigen und einer Anhörung aller interessierter Kreise unterwerfen.

Bakom sieht keinen Handlungsbedarf

Das Bakom sieht trotz dieser Fakten keinen Handlungsbedarf. Laut Bakom-Sprecherin Deborah Murith dürfe das Konzept eines Senders in der Regel geändert werden. Zentral sei hingegen die Erfüllung des Leistungsauftrags, wie etwa regionale Nachrichten, der in der Konzession festgehalten sei. Solange Energy Basel diesen Auftrag erfülle, gebe es keinen Grund diesbezüglich einzuschreiten. Dani Büchi, neuer Verwaltungsrat von Radio Basel, will punkto regionaler Information gar «führend» werden. Ob allerdings der «Presseclub» weitergeführt wird, sollen laut Büchi erst Gespräche von dieser Woche klären. Energy setzt eher auf Events: am 24.Januar soll Sänger Sean Paul im Basler Sudhaus auftreten.

Für den Programmbereich sind bei Energy 10 Stellen vorgesehen. Drei Mitarbeitende der Nachrichten-Redaktion von Radio Basel wollten am Freitag nicht zu Energy wechseln. Sie verlassen den Sender. Alle Überzeugungsarbeit nützte nichts. «Wir hätten sie gerne dabeigehabt», sagt Büchi. Man arbeite jetzt vorübergehend mehr mit Freelancern.

Der Journalistenverband Impressum wehrt sich, wie über 20 Entlassene von Radio Basel behandelt würden. Für Impressum-Geschäftsführer Urs Thalmann handelt es sich um eine Massenentlassung, bei der das Personal angehört und Lösungen zur Verhinderung der Kündigungen vorlegen kann. Büchi bestreitet eine Massentlassung. Er sieht Energy auch nicht in der Verantwortung, weil «die Kündigungen vor unserer Zeit erfolgten». «Das ist ein faule Ausrede», sagt Thalmann. Energy und damit Ringier sei als neuer Aktionär mitverantwortlich: «Mitgegangen heisst mitgefangen.» Der frühere Alleineigentümer Karlheinz Kögel will sich nun diese Woche mit Impressum treffen.

Herr Büchi, warum haben sich Ringier und die NRJ Gruppe Paris mit 10 Prozent und 5 Prozent an Radio Basel beteiligt und dem bisherigen Alleineigentümer Karlheinz Kögel eine Lizenz für Energy Basel gegeben?

Dani Büchi: Für uns war das eine einmalige Möglichkeit, die wir unbedingt nutzen wollten. Wir haben uns schon sehr lange um den Markt Basel bemüht, da die Region Basel lokal und national gesehen ein enorm wichtiger Markt ist. Zusammen mit den Energy-Radios in Zürich und Bern decken wir mit Energy Basel die grössten drei Deutschschweizer Städte ab. Damit haben wir eine sensationelle Position im Werbemarkt und können in den Bereichen Marketing, Verkauf und Administration Synergien realisieren.

Der Start wird schwierig, weil Radio Basel unter Christian Heeb finanziell nie auf Touren kam.

Die Situation ist nicht einfach. Laut Karlheinz Kögel war der vergangene September der beste Monat von Radio Basel, als die Einnahmen gerade mal die Hälfte der Kosten deckten. Und auch punkto Hörerzahlen ist Radio Basel gegenüber Radio Basilisk weit abgeschlagen. Ein grosses Stück Arbeit liegt vor uns.

Wann wird Energy Basel die Gewinnschwelle erreichen?

Wir werden noch einige Monate rote Zahlen schreiben. Ich rechne aber damit, dass wir in 10 bis 15 Monaten die Gewinnschwelle erreichen. Wir müssen den Sender mit einem siebenstelligen Betrag sukzessive auf Vordermann bringen. Wir investieren in Programm, Infrastruktur, Marketing und Vermarktung, wo wir die Crew personell mehr als verdoppeln.

Vom alten Team wurde über 20 Personen gekündigt. Gibt es einen Sozialplan für die Entlassenen?

Die Entlassungen haben vor unserer Zeit stattgefunden. Wir setzen mit einem teilweise neuen Team das Energy-Konzept mit rund 10 Stellen im Programmbereich um. Die Baslerin Eva Nidecker wird den Sender in der Anfangsphase leiten. Dann sehen wir weiter. Auch Niggi Drechsler, bisher Programmleiter, kann sich für den Chefposten bewerben.

In Basel ist man skeptisch, ob Energy Basel als Musik- und Eventsender überhaupt noch qualitativ gute regionale Informationen bringt?

Das ist ein Vorurteil, das auch in Bern und Zürich zu Beginn vorherrschte. In den beiden Märkten sind wir nun aber in Bezug auf die regionalen Informationen führend, das ist auch unser Ziel in Basel. Wenn wir gute Hörerzahlen wollen, müssen wir Informationen und Berichte aus der Region bringen. Da wir die internationalen und nationalen News für die drei Sender zentral betreuen, bleibt den lokalen Crews sogar mehr Zeit für Informationen aus der Region.

Im Baselbiet fürchtet man, dass Energy den Landkanton nicht beachtet. Bereits hat der freisinniger Landrat Balz Stückelbergereine Interpellation eingereicht.

Wir werden beweisen, dass wir journalistisch ein gut gemachtes Radio sind, auch für das Baselbiet. Kögel und ich hatten vergangenen Montag bei Regierungsrat Adrian Ballmer ein gutes Gespräch. Wir haben ihm unser Konzept vorgestellt.