Mehr als 20 000 Eritreerinnen und Eritreer leben in der Schweiz – rund 1600 in der Region Basel. Wenn sie hier ankommen, ist für sie so ziemlich alles neu: Wie funktioniert das Bildungssystem? Wo kann man sich beraten lassen? Und wie ticken die Schweizer? Antworten auf solche Fragen liefern zehn kurze Infobeiträge, die noch bis Ende Jahr auf Radio X laufen – auf Tigrinya, der Hauptsprache von Eritrea.

Dass man versucht, die Eritreer über Radiobeiträge zu erreichen, ist nicht Zufall. In Eritrea hat das Medium Radio einen hohen Stellenwert: «Alle hören Radio – egal, ob in der Stadt oder an den abgelegensten Orten im Land», sagt Helen Haile. Sie ist selber vor knapp zehn Jahren aus Eritrea in die Schweiz geflüchtet und arbeitet jetzt als Dolmetscherin. Sie weiss, wo Informationen wichtig und Aufklärung nötig sind – aus eigener Erfahrung und von der täglichen Arbeit.

Helen Haile hat sofort zugesagt, als sie vom Projekt von Radio X gehört hatte, das von den Fachstellen Integration beider Basel unterstützt wird. «Es ist wichtig, dass sich die Leute integrieren und wissen, wie die Schweiz funktioniert.» Dass ihnen die Informationen in der eigenen Landessprache und von Landsleuten am Radio erklärt werden und sie die Beiträge jederzeit als Podcast nachhören können, sei ein grosser Gewinn und entlaste sie bei der täglichen Arbeit: «Anstatt jeder Person zu erklären, wie das Bildungssystem funktioniert oder ein Asylverfahren abläuft, kann ich auf die Info-Beiträge verweisen», sagt Haile. So bleibe mehr Zeit, um andere Themen zu besprechen.

Alltagstipps statt Politik

Hinter dem Mikrofon stand Helen Haile zum ersten Mal – zusammen mit einem anderen Migranten aus Eritrea. Bei der Produktion und Planung wurden die beiden von Tatiana Vieira unterstützt, der Projektleiterin bei Radio X. «Ganz am Anfang haben wir rund 15 Eritreerinnen und Eritreer zu uns ins Radio eingeladen und sie gefragt, welche Informationen für ihre Community besonders wichtig wären», sagt Tatiana Vieira. Schnell habe sich gezeigt, dass der Fokus auf dem Leben in der Schweiz liegen sollte. «Bei politischen Themen sind sich viele Eritreer nicht einig, was zu Spannungen führt», sagt Vieira. Was die Schweiz betrifft, stellen sich jedoch für alle die gleichen Fragen und hier setzen die Beiträge an.

In den Info-Beiträgen, die immer am Dienstagabend ausgestrahlt werden, gibt es vor den Informationen auf Tigrinya Wissenswertes über Eritrea und den folgenden Beitrag auf Deutsch. Das schafft Orientierung für alle, die kein Tigrinya verstehen und den Beitrag per Zufall auf Radio X hören. Denn sobald Helen Haile und ihr Kollege auf Tigrinya wechseln, versteht man kein Wort mehr – abgesehen von «Basel», Adressen oder Namen von Beratungsstellen. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie es den Eritreern umgekehrt mit Deutsch gehen muss.

Schwerpunkt Gesundheit

Die Info-Beiträge auf Tigrinya kommen bei den Eritreerinnen und Eritreern gut an. «Viele haben sich bei mir gemeldet, dass sie mich gerade im Radio hören und ich gut klinge», sagt Helen Haile fast ein bisschen stolz. Sie hat Informationsblätter verteilt und ihre Landsleute so auf die Beiträge aufmerksam gemacht. Auch Radio X macht gezielt Werbung für die Beiträge. Und zwar dort, wo Eritreer sind. Denn obwohl die Sendungen nur noch bis Ende Jahr auf Radio X ausgestrahlt werden, sind sie als Podcast weiterhin verfügbar und bleiben aktuell. In der Pipeline wartet auch bereits das nächste Projekt: «In den bisherigen Beiträgen haben wir das Thema Gesundheit bewusst ausgeklammert», sagt Tatiana Vieira. Nicht weil es unwichtig wäre, im Gegenteil: Viele Eritreer wüssten nicht, wann sie sich im Spital helfen lassen sollen und wann sie besser einfach einen Hausarzt aufsuchen. Deshalb sollen zehn Gesundheitsspots auf Tigrinya produziert werden. Analog der Gesundheitsspots, die bereits auf Kurdisch, Serbisch, Englisch und in vielen anderen Sprachen auf Radio X laufen.

Radio X informiert auf Tigrinya, bis Ende Dezember jeden Dienstag um 20 Uhr oder als Podcast zum Downloaden auf www.radiox.ch