Taxifahrer Deniz sieht rot. Ziemlich oft in den vergangenen Wochen. An den Wochenenden fährt er gerne spätabends am Eingang des Bahnhofs Basel SBB vor und chauffiert die Ankommenden nach Hause. Sein Weg führt in den meisten Fällen an einer bestimmten Ampel auf einer wichtigen und viel befahrenen Verkehrsachse vorbei.

Sie befindet sich an der Ecke Nauenstrasse/Aeschengraben, unmittelbar neben der Baustelle des Hotels Hilton selig.

Und diese Ampel nimmt sich Zeit, bis sie Deniz grünes Licht gibt. Wie erst kürzlich in einer Nacht auf Samstag um 2 Uhr. Die Strassen rund um den Bahnhof sind leergefegt, höchste Zeit also für die Ampel, von rot auf grün zu springen. Tut sie aber nicht, seit zehn Minuten respektive zwei weiteren Franken auf dem Taxameter nicht.

Deniz trommelt nervös aufs Lenkrad und fährt ein bisschen vor- und rückwärts, in der Hoffnung, die Sensoren würden aktiviert. «Es tut mir leid, ich weiss, Zeit ist Geld, aber was soll ich tun?»

Der Taxifahrer berichtet, dass es nicht das erste Mal sei, dass die Ampel seine Geduld auf die Probe stelle. Er habe auch schon bis zu einer Viertelstunde im Scheine des roten Lichts gewartet. «So manch Gast ist sauer auf mich geworden, weil es wegen der Wartezeit teuer für ihn wurde. Ich habe das Taxameter dann vorübergehend abgestellt.»

Er wisse auch von Kollegen, deren Nerven an der Ecke Nauenstrasse/Aeschengraben aufs Ärgste strapaziert würden. Bei der Polizei habe man die rote Phase schon diverse Male gemeldet, geändert habe sich aber nichts. «Ein Polizist hat mir am Telefon mal geraten, vorsichtig bei rot drüberzufahren. Das kann es aber auch nicht sein», sagt Deniz.

Das Bau- und Verkehrsdepartement, das für die Funktionstüchtigkeit der Lichtsignalanlagen verantwortlich ist, hatte bis zur Anfrage der bz Basel keine Kenntnis von der trägen Ampel. Nun hat gemäss Sprecherin Nicole Stocker eine Überprüfung gezeigt, dass ein Sensor für Fahrzeuge im Boden beschädigt wurde – «möglicherweise durch die Bauarbeiten am Aeschengraben».

Ein weiterer Sensor sei altersbedingt defekt und könne «in seltenen Fällen» die Fahrzeuge nicht erkennen. So ist die Ampel halt auf rot geblieben – komme, was wolle.
Unterdessen sollten Deniz, seine Kollegen und alle weiteren Autolenker aber wieder freie Fahrt haben: Die Ampel wurde am Freitag repariert. Jedoch sei bei der Kalibrierung festgestellt worden, dass weitere Reparaturarbeiten nötig seien, sagt Stocker. Böse, böse Ampel!