Das Basler Amt für Umwelt und Energie (AUE) wies in Machbarkeitsstudien bereits 2009 und 2011 darauf hin, doch die IWB verfolgten die Idee unbeirrt. Vor einem Jahr gab IWB-Chef David Thiel bekannt, dass er das Projekt wieder aufgenommen habe. Aus zwei Gründen: Moderne Turbinen würden auch bei weniger Wind rentieren. Und: Die Windmessungen des Fernsehturms seien vielversprechend.

Um präzisere Daten zu erhalten, haben die IWB sogenannte Lidar-Windmessungen durchgeführt. «Die Messergebnisse zeigen, dass ein Windpark auf der Chrischona nicht attraktiv wäre und unsere Kriterien an einen guten Standort nicht erfüllen würde», sagt IWB-Sprecher Erik Rummer. Genaue Zahlen könne er keine nennen, die gemessenen Windstärken seien aber deutlich schwächer als jene auf dem Challpass zwischen dem Laufen- und dem Leimental. Dort sind Studien zum Landschaftsschutz in Arbeit als Vorbereitung für die bevorstehende Umweltverträglichkeitsprüfung.

Basler Windräder mit Pionierrolle

Windräder in der Region Basel haben für die IWB auch symbolische Bedeutung: Sie sollen die Pionierrolle des einzigen Schweizer Energieversorgers mit 100 Prozent erneuerbarer Energie im Portfolio unterstreichen. Mit dem Aus des Chrischona-Projekts verlagert sich der Fokus nun aber noch stärker ins Ausland, in wind- und sonnenreichere Gegenden. Den Schwerpunkt der IWB-Strategie bilden französische und deutsche Windräder. Zwischen 2011 und 2015 sind Investitionen von 300 Millionen Franken in den Ausbau erneuerbarer Energien geplant.

Die Auslandoffensive hat mit sich abzeichnenden Verlusten auf dem Schweizer Markt zu tun: Die IWB werden mehrere Beteiligungen an Wasserkraftwerken an Standortgemeinden und -kantone verlieren. Nicht nur Bergkantone melden Begehrlichkeiten an. Die Deutschen könnten 2034, wenn die Konzession für das Kraftwerk Birsfelden ausläuft, Anspruch auf eine hälftige Beteiligung geltend machen. Bisher haben sie ihre Rechte freiwillig den Baslern überlassen. Mit der angestrebten Energiewende wird sich das wohl ändern.

Mit Ausland-Investitionen wollen die IWB ihren Besitzstand aber nicht nur wahren, sondern ausbauen. Auf den ersten Blick erstaunt dies. Denn den Basler Strombedarf decken die IWB bereits heute. Und dieser soll gemäss den Energiezielen des Kantons Basel-Stadt in Zukunft weiter sinken. Ein Ausbau der Produktion wäre demnach gar nicht nötig.

Basler Energiewende seit 2008

Eine Basler Energiewende hat 2008 eingesetzt: Seither speisen die IWB von Jahr zu Jahr etwas weniger Strom in ihr Netz ein. Bei der rot-grün dominierten Basler Regierung löste dieser Trend Euphorie aus. Kurz nach dem Atomunfall in Fukushima präsentierte der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP) stolz eine Studie, die aufzeigt, dass Basel-Stadt die Ziele einer 2000-Watt-Gesellschaft bis 2075 erreichen könne. Die Regierung gab sich sogar noch optimistischer als der Liechtensteiner Studienverfasser Dieter Genske. Basel wolle das Ziel bereits früher erreichen, gab AUE-Chef Hofer bekannt. Dafür muss der Basler Stromverbrauch gemäss Studie weiter sinken: bis 2050 um über 25 Prozent.

Die kantonseigenen IWB glauben nicht an dieses von Basel-Stadt angestrebte Ziel. Im Gegenteil: «Bis 2050 rechnen wir trotz Energieeffizienz mit einem um 25 Prozent höheren Stromverbrauch», sagt Sprecher Rummer. Deshalb wird die Produktionskapazität ausgebaut. Auf Nachfrage räumt Hofer ein, dass der Kanton die Herausforderung unterschätzt habe: «Wir merken, dass es nicht so einfach geht wie angenommen.» Zudem betont er, dass die Studie von einem Idealfall ausgegangen sei, der in der Praxis nicht unbedingt realisiert werden könne. Als er die Studie mit Brutschin präsentierte, war davon allerdings keine Rede. Jetzt korrigiert Hofer: «Das in der Studie aufgezeigte Szenario eines sinkenden Stromverbrauchs ist unrealistisch.»

Ansteigender Stromverbrauch bremsen

Die Basler Energiepolitik verfolgt deshalb nur noch das Ziel, den sich abzeichnenden Anstieg des Stromverbrauchs zu bremsen. Angekurbelt wird er durch den Ersatz von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas durch erneuerbare Energien. «Um eine Reduktion des Stromverbrauchs zu erzielen, müssten wir politisch sehr mutige Massnahmen treffen», sagt Hofer. Dieser Mut fehlt selbst im energiepolitischen Vorzeigekanton. Ein neuer Energie-Massnahmenplan sei in Arbeit: «Wir wollen möglichst auf marktwirtschaftliche Instrumente und nicht auf Zwangsmassnahmen setzen.»

Der Kanton möchte auch die IWB stärker in die Pflicht nehmen. Im Wahlkampf hat Brutschin die Prüfung eines Bonus-Malus-Systems angekündet: Der Energieversorger wird bestraft, wenn der Konsum seiner Kunden steigt. Diese Idee verfolgt auch der Bund mit seiner Energiestrategie. Resultate liegen keine vor. Die Absicht ist klar: Der Staat möchte die Ausbaugelüste der Elektrizitätswerke reduzieren. Noch handelt es sich dabei um einen weiteren Energietraum.