«Endlich». Ein Wort machte am Montag immer wieder die Runde. Ob bei den persönlichen Begrüssungen oder in den Ansprachen. Knapp sechs Jahre nachdem das Basler Stimmvolk dem Bebauungsplan mit 53 Prozent Ja-Stimmen knapp zugestimmt hatte, konnte der Grundstein für den Claraturm gelegt werden. Endlich. Zuvor bekämpfte Wirt Andreas Bernauer das Projekt bis ans Bundesgericht – ohne Erfolg.

Während der Wartezeit wurden am 96 Meter Hochhaus planerische Veränderungen vorgenommen. Die Morger Partner Architekten änderten die Fassadenfarbe von weiss auf dunkelbraun, der Totalunternehmer Halter AG reduzierte aufgrund veränderter Nachfrage die Gewerbeflächen zugunsten von zusätzlichem Wohnraum. Anstelle der im Ratschlag notierten 170 Wohnungen entstehen im Turm und im fünf Stockwerke hohe Annexbau so insgesamt 285 Mietwohnungen. Der Grossteil davon sind zweieinhalb und dreieinhalb Zimmer Wohnungen.

Dies begrüsst Baudirektor Hans-Peter Wessels ausdrücklich. Er ist überzeugt, dass mehr Wohnraum das wichtigste Element im Kampf gegen Wohnungsnot darstellt. «Projekte wie der Claraturm entlasten den Basler Wohnungsmarkt und sorgen indirekt dafür, dass der Pendlerverkehr reduziert wird, stagniert oder weniger schnell wächst, in dem mehr Menschen dort leben können, wo sie arbeiten,» so der Regierungsrat am Montag. Die Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung Basels seien positiv, erinnerte er: «Der Bau ist genau das, was Basel zurzeit braucht.» Die zentrale Lage für das Hochhaus sei ideal.

Flexible Wohnmodelle

35 Kleinwohnungen zwischen 30 und 40 Quadratmetern plant die Halter AG in ihrem neuen Konzept «Movement». Einzelne Möbelmodule sind innerhalb weniger Sekunden elektronisch verschiebbar. «Eine kleine Wohnung kann dadurch auf verschiedene Arten genutzt werden», erklärt Halter-Chef Markus Mettler. «Einmal steht die Küche im Zentrum, ein andermal der Bürotisch – und in der Nacht das Bett. Wenn gewünscht, kann auch Platz für Fitnessgeräte gemacht werden.»

Das unterste und oberste Stockwerk des Claraturms werden derweil für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine Einstellhalle und viele Veloparkplätze sind geplant. Investor ist der UBS-Immobilienfonds «Sima». Die Verantwortlichen bewiesen während der langen Wartezeit «Geduld und Hartnäckigkeit», lobte Wessels. Für Architekt Meinrad Morger leistet der Claraturm einen Beitrag zur Clusterbildung am Messeplatz. Er ist überzeugt: «Das Wohnhochhaus hat eine städtebauliche, architektonische und gesellschaftliche Bedeutung für die Stadt Basel.»

Verständnis für die Nachbarn

In der Baugrube an der Ecke Clarastrasse/Riehenring wurde viel gelacht und gestrahlt. Doch ganz ohne Misstöne ging auch die Grundsteinlegung nicht vonstatten. Während Wessels Ansprache schimpfte ein Nachbar in gebrochenem Englisch über die Bauabschrankung hinunter und fragte, weshalb die Nachbarn nicht eingeladen wurden, die seit Monaten vom Baulärm gestört würden. Er schrie etwas von «Entführung» und gestikulierte wild.

Das Angebot von Wessels, doch auch hinunter zu kommen und etwas mit ihnen zu trinken, nahm der Mann nicht an. Der Baudirektor zeigte danach Verständnis. «In den vergangenen Monaten ging die intensivste Bauphase mit dem meisten Lärm über die Bühne. Ich verstehe die Nachbarn, die unter dem Lärm leiden. Das Schlimmste sollte jetzt aber vorbei sein.»

Die Fertigstellung und der Bezug des 100 Millionen Franken teuren Baus sind im Sommer 2021 geplant.