Hans-Kristian Hoejsgaard (53) ist erst seit knapp einem Jahr Konzernchef der Basler Oettinger Davidoff Group. In dieser Zeit hat der Däne, ein erfahrener Manager der Luxusgüterbranche, bereits einige Pflöcke eingeschlagen und das 1875 gegründete Unternehmen neu lanciert. So hat er im Dezember letzten Jahres im Flughafen Zürich den ersten neu gestalteten Davidoff Flagship Store eröffnet. Das neue Ladenkonzept bringt karibische Atmosphäre der Dominikanischen Republik, des Herstellungslands der Davidoff Zigarren, ins Geschäft.

Bald schon sollen auch in Basel am Marktplatz und rund um den Globus von Palm Beach bis Tokio und Schanghai neue Flagship Stores entstehen. Dass ein neuer Wind im Traditionsunternehmen herrscht, zeigen auch die Neubaupläne für den heutigen, «öden Hauptsitz» in Basel, wie die «SonntagsZeitung» notierte. Das Architekturbüro von Roger Diener soll bis etwa 2015 einen für die Luxusmarke Davidoff angemesseneren Neubau an der Nauenstrasse realisieren.

Die Mitarbeitenden des 1,3-Milliarden-Umsatz-Konzerns wurden bereits im vergangenen Dezember über die Neubaupläne orientiert. Während der Umbauzeit zügelt die gesamte 170-köpfige Belegschaft von der Nauenstrasse in ein noch nicht bestimmtes Provisorium, bis der Neubau bezogen werden kann. Dies bestätigt Davidoff-Sprecherin Paloma Szathmary gegenüber dem «Sonntag». All dies zeigt: Nach dem Tod des Konzernpatrons Ernst Schneider-Huppuch («Ich davidoffe, also bin ich») im Jahr 2009 stellt sich die Oettinger Davidoff Group mit neuem «Spirit» (Szathmary) wieder auf. Eine Expansion vor allem in Asien und den USA ist angesagt.

In den nächsten Jahren wird sich weisen, ob ein Wunsch von Schneider in Erfüllung geht und allenfalls einer seiner Enkel das Familienunternehmen führen kann. Einer von ihnen ist der Ökonom und Hobby-Handballer Tom Ryhiner (32). Nach dem Studium an der Universität St. Gallen (HSG) und der Mitarbeit im Marketing der Schaffhauser Luxus-Uhrenmarke IWC ist er im Oktober 2010 in die Oettinger Davidoff Group eingetreten. Er ist Chef im Marketingbereich Retail & Lounge, der am neuen Flagship-Store-Konzept beteiligt ist. Ryhiner hofft, dass das neue Konzept innenarchitektonisch auch im Entree des geplanten Neubaus sichtbar werde.

Sein Cousin Christian Schaffner (39) ist länger dabei: Der Jurist wirkt heute operativ und als Verwaltungsratspräsident der Zino Davidoff Trading AG, wo auch seine Schwester und Anwältin Andrea Müller-Schaffner arbeitet. In der «Zino Davidoff» kümmert man sich um Markenrechte und Lizenzen des Brands Davidoff: Parfüms, Kosmetika, Cognac oder auch Kaffee. Aufgrund einer EU-Regelung müssen die Bereiche einer Marke mit Tabak- und ohne Tabakbezug klar getrennt sein. So will man vermeiden, dass ein Produkt indirekt Tabakwerbung betreibt. Darum sind die Unternehmen Zino Davidoff und Oettinger Davidoff Group klar getrennt. Die Oettinger Davidoff Group gehört den beiden ältesten Töchtern von Schneider, also den Familien Schaffner-Schneider und Ryhiner-Schneider. Ein Börsengang stehe derzeit nicht zur Debatte.

Bis die Jungen allenfalls für höhere Aufgaben bereit sind, wirken der Zürcher Andreas Schmid als Verwaltungsratspräsident und Hoejsgaard als Konzernchef. Die heutige Struktur des Konzerns hatte Schneider aufgebaut, als er nach dem Kauf des Zigarren-Geschäfts von Zino Davidoff ab 1970 die Luxusmarke Davidoff lancierte. Heutige Premium Cigarren sind Davidoff, AVO, Camacho, Cusano, Griffin’s, Private Stock, Zino Platinum, Zino und Winston Churchill.

Die Firmengruppe lebt aber nicht allein von ihrem Zigarrenimperium. Getreu dem Motto «Kleinvieh macht auch Mist» ist die Gruppe im Grosshandel mit Tabak- und Süsswaren aktiv. Die Tochtergesellschaft Contadis beliefert Kioske und Tankstellenshops mit Tabakprodukten, Snacks oder Süsswaren wie Smarties, Schokolade, Bazooka-Kaugummis oder Haribo-Gummibärchen.