Mit der Spitalfusion wollen die beiden Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (CVP, BS) und Thomas Weber (SVP, BL) unter anderem sicherstellen, dass das Unispital Basel (USB) den Anschluss in der Spitzenmedizin nicht verliert. Nun aber droht der – politisch ohnehin umstrittenen – Spitalgruppe ein Rückschlag, noch ehe sie den Betrieb aufgenommen hat. Im November wird entschieden, welche Spitäler in der Schweiz künftig in der Bauchchirurgie Eingriffe im Bereich der hoch spezialisierten Medizin (HSM) durchführen dürfen. Das interkantonale Beschlussorgan HSM erstellt diese Liste alle vier Jahre. Verschiedene Kriterien müssen für den Zuschlag erfüllt sein. So gibt es neben den qualitativen Anforderungen auch die Vorgabe, dass das Spital eine Weiterbildungsstätte ist. Am wichtigsten sind aber die Mindestfallzahlen. Diese sollen der Qualitätssicherung dienen: Die besonders schwierigen Eingriffe sollten in den Spitälern regelmässig durchgeführt werden.

Nun zeigt sich: In der hoch spezialisierten Bauchchirurgie hat das Unispital in der Region gegenüber dem St. Claraspital das Nachsehen. Der bz liegen die Zahlen vor. Das Privatspital erreicht die Mindestfallzahl von einem Dutzend im Jahr in allen fünf betroffenen Disziplinen bei weitem: Entfernungen der Bauchspeicheldrüse, der Leber, der Speiseröhre (Oesophagus) und des Enddarms sowie komplexe Eingriffe bei Übergewichtigen (Bariatrie). Für den Zuschlag entscheidend ist das Mittel über die vergangenen drei Jahre. Alleine in der komplexen Bariatrie hat das Claraspital im vergangenen Jahr 62 Eingriffe vorgenommen. Bei den Leberresektionen waren es immerhin 48 Eingriffe. Claraspital-Direktor Peter Eichenberger frohlockt. Sein Spital sei das bedeutendste Bauchzentrum der Nordwestschweiz.

Wichtig fürs Renommee

Anders ist die Stimmung beim USB: Dieses muss im Bereich der Speiseröhrenentfernung um den Zuschlag bangen. Das USB verzeichnete zwischen 2014 und 2016 nur etwas über zehn Eingriffe im Schnitt. Sollte das Unispital das Recht verlieren, auf diesem Gebiet tätig zu sein, wäre das ein herber Rückschlag. Denn trotz der tiefen Fallzahlen sind die Eingriffe in der hoch spezialisierten Medizin für ein Spital wichtig. Wichtiger als die Einnahmen ist dabei das Renommee. Ein Spitalkenner der Region sagt: «Die hoch spezialisierte Medizin ist die Visitenkarte eines Spitals. Wer auf diesem Gebiet tätig ist, zieht auch die guten Ärzte an – und letztlich auch die Patienten.»

Claraspital-Direktor Peter Eichenberger sagt, es seien «strategische Gründe», dass man sich für die hoch spezialisierte Medizin bewerbe. «Wir verzichteten dafür in der Vergangenheit bewusst auf einzelne lukrative Disziplinen wie zum Beispiel die Orthopädie, um die Qualität der bezeichneten Schwerpunkte Bauch und Tumor sowie der anderen Spezialgebiete weiter steigern zu können.» Das Universitätsspital Basel ist gegenüber den anderen Unispitälern der Schweiz bereits im Rückstand, was die hoch spezialisierte Medizin angeht. Sowohl im Berner Inselspital als auch im Zürcher Universitätsspital sind mehr Eingriffe erlaubt. So dürfen in Basel beispielsweise keine Herz- und Lungentransplantationen durchgeführt werden.

Nur zehn statt zwölf Eingriffe

Das USB will die Hoffnung auf die Zuteilung nicht aufgeben. «Wir rechnen damit, dass wir auch bei der Oesophagusresektion die Zuteilung erhalten werden», sagt Mediensprecher Martin Jordan. Er macht den Aufwärtstrend in den vergangenen zwei Jahren geltend. Dies, nachdem ein Chefarztwechsel 2014 zu einem tiefen Wert von lediglich vier Eingriffen geführt habe. «Betrachtet man die beiden zurückliegenden Jahre 2015 und 2016, wird die künftige Mindestfallzahl von zwölf Eingriffen pro Jahr erreicht. Diese Aufwärtstendenz stimmt uns optimistisch, zumal wir die notwendige Fallzahl 2017 gemeinsam erreichen werden», sagt er in Anspielung auf die Zusammenarbeit und Fallzahlbündelung mit dem Kantonsspital Baselland. Zudem weist das USB darauf hin, dass es sich bei den vorliegenden Zahlen nicht um die «validierten» Zahlen handle. Diese kenne nur das HSM-Beschlussorgan.

Höchst unklar ist aber, ob das Argument der aufsteigenden Tendenz in den Entscheid mit einbezogen wird. Besonders ermutigend dürfte die Einschätzung Matthias Fügis nicht sein. Der HSM-Projektleiter stellt klar: «Die Mindestfallzahl ist über die vergangenen drei Jahre bei zwölf pro Jahr angesetzt.» Den definitiven Entscheid des Beschlussorgans will er aber nicht vorwegnehmen.