Es war ein Expansionskurs auf der Überholspur. In den vergangenen zehn Jahren übernahm die Rhyschänzli-Gruppe ein Gastro-Unternehmen nach dem anderen. Neben dem namensgebenden Restaurant im St. Johann gehören das «Sud», das «Klingeli», das «Des Arts», die Kasernen-Buvette, das «Strada 4058», das «Union» sowie das «Union Diner» zum Reich der Familie Beurret, die mit Vater und Söhnen den Takt vorgibt.

Neueste Akquise sind die «All Bar One» in der Steinenvorstadt sowie die Confiserie Beschle. Ein solch rasantes Wachstum in einer heiss umkämpften Branche ruft Zweifler auf den Plan, ob die Familie Beurret den Teller nicht zu voll geladen hat.

Nun sagt Markus Weisskopf, der mit Jérôme Beurret die Confiserie Beschle übernommen hat: «Die Rhyschänzli-Gruppe produziert neue Löcher, um alte zu stopfen.» Weisskopf und Beurret hatten die Firma Yulia AG vergangenen Frühling gegründet. Kein Jahr später ist die Beziehung zwischen den beiden Unternehmern abgekühlt.

Weisskopf ist der Ansicht, von der Gastrogruppe übervorteilt worden zu sein. Er sei es gewesen, der eine knappe Million zur Verfügung gestellt habe, um Beschle zu retten. Inzwischen sei aber nicht einmal mehr klar, wer für die Yulia arbeite, sagt Weisskopf. Die Rhyschänzli-Gruppe beschäftigt zahlreiche Studenten, die mal in diesem oder jenem Tochterunternehmen zum Einsatz kommen.

Die Gruppe ist juristisch als Holdingstruktur mit einzelnen Tochtergesellschaften aufgebaut. Die Familie Beurret hält 38 Prozent der Aktien über eine Gesellschaft, die offiziell den Beurret-Söhnen Hermès und Théau gehört. Partner Stefan Grieder hält gleich viele Aktien. Knapp 20 Prozent hält der Investor und Immobilienunternehmer Edwin Fäh. Anders als die anderen Lokale gehört Yulia nur zur Hälfte der Rhyschänzli-Gruppe und wird auch von einer anderen Firma revidiert.

Hermès Beurret sagt, man trenne strikt zwischen Beschle und der Rhyschänzli-Gruppe. Er sagt: «Es gibt zwar etwa für die Rhyschänzli-Gruppe einen Rabatt auf das Beschle-Brot, aber dieser ist gleich, wie ihn mehrere andere Gastrobetriebe auch erhalten.» Vater Jérôme Beurret reagiert ungehalten auf eine Anfrage. «Wir haben keine Liquiditätsprobleme», sagt er zur Skepsis, ob der Teller überladen sei: «Alle Löhne und alle Rechnungen haben wir stets bezahlt.» Auch fliesse kein Geld aus der Yulia in andere Unternehmen.

Laut Hermès Beurret haben die kurzfristig verfügbaren Mittel zwar etwas abgenommen, gleichzeitig habe die Rhyschänzli-Gruppe aber langfristig an Wert gewonnen. Recherchen der bz zeigen, dass zwei Gründe für ersteres verantwortlich sind: Zum einen hat der Umbau des «Klingeli» mehr gekostet, als es die Gastrounternehmer geplant hatten. Zum anderen kostete die Beschle-Sanierung Geld. Hermès und Jérôme Beurret bestätigen beides. «Die Lage ist nicht bedenklich; wir sind im Plan», sagt Hermès Beurret. Anders als Markus Weisskopf selbst beschreibt, wollen die Beurrets nichts von einem Streit mit ihrem Partner wissen.

Neues Restaurant geplant

Auch wenn 2019 das Jahr der Konsolidierung für die Rhyschänzli-Gruppe werden soll: Derzeit arbeiten die gewieften Beizer bereits am nächsten Coup. Der Meret-Oppenheim-Turm soll das jüngste Restaurant in der Kette beherbergen. «Wir sind daran, die Verträge zu finalisieren», sagt Hermès Beurret. Ende Frühling dürfte darüber mehr bekannt werden, verrät er.

Ein anderes Gerücht kann er hingegen verneinen. Am neuen Hotel in der Steinenvorstadt wird die Rhyschänzli-Gruppe nicht beteiligt sein, was eher überrascht. Geldgeber des Hotelprojekts ist schliesslich die Unternehmerfamilie Fäh, bekannt geworden in der Textilbranche – und als Teilhaber der Holding ein Financier der Rhyschänzli-Gruppe.