Wie von Zauberhand verschieben sich Ausstellungsobjekte im Naturhistorischen Museum Basel. «Vogeleier sind davongerollt. Fossilien oder Mineralien waren einige Tage später um mehrere Zentimeter verschoben», erzählt der langjährige Museumsmitarbeiter Jürgen Gebhard. Viele Objekte mussten festgeklebt werden, sagt der ehemalige Tierpräparator. Gleiches berichtet sein einstiger Arbeitskollege Daniel Oppliger: «In der Fossilien-Abteilung lag etwa beim Nashorn immer mal wieder ein Knochen am Boden der Vitrine.» Ähnliches erzählen auch heutige Museumsmitarbeiter.

Die Erklärung: Regelmässig soll der Berri-Bau leicht vibrieren; für den Menschen nicht spürbar. Das sei wenig erstaunlich, immerhin bestehe der Münsterhügel hauptsächlich aus Rheinschotter. Das Phänomen sei daher auch Anwohnern bekannt, sagt Oppliger, der selber lange an der Augustinergasse gelebt hat. Für den Laien aber klingt der Grund für die Schwingungen recht abenteuerlich: Schuld sein sollen nämlich die Dieselmotoren der Rheinschiffe. Diese lösten Resonanzen aus, niederfrequente Schwingungen. Die ETH habe das mit Messungen festgestellt. «Wer am Rhein wohnt, kennt das», sagt auch der ehemalige Museumsmitarbeiter Christoph Meyer. «Der Boden vibriert leicht, wenn Schiffe durchfahren. Aber man gewöhnt sich daran.»

Weitere Hürde für geplanten Umzug

Gebhard bereitet der geplante Einzug des Antikenmuseums deshalb Sorgen: «Wenn schwere Skulpturen regelmässig leichten Schwingungen ausgesetzt sind, dünkt mich das hochbedenklich.» Sein einstiger Arbeitskollege Meyer ist sich da weniger sicher: «Für mich heisst das nicht, dass ein Umzug des Antikenmuseums in den Berri-Bau ausgeschlossen ist. Aber man muss sich technisch sicher damit auseinandersetzen.»

Der Umzug des Basler Antikenmuseums samt Skulpturenhalle in den Berri-Bau ist ohnehin noch unsicher. Vorher soll das Naturhistorische Museum 2022 gemeinsam mit dem Staatsarchiv in einen 190-Millionen-Neubau beim Bahnhof St. Johann ziehen. Demnächst soll die nötige Kreditvorlage von der Regierung an den Grossen Rat verabschiedet werden. Dann muss der denkmalgeschützte Berri-Bau für nochmals für rund 70 bis 80 Millionen umfassend umgebaut und renoviert werden.

Das Problem: Die Böden im Berri-Bau seien teilweise schlicht zu schwach. Es wird bezweifelt, dass sie die schweren Skulpturen tragen würden. Aus denkmalschützerischen Gründen aber sei eine Verstärkung kaum möglich – oder sehr teuer. Seit rund zwei Jahren prüft eine Kommission zusammen mit der Denkmalpflege die Machbarkeit des Umzugs. Nachdem die bz die Probleme bekannt gemacht hatte, meldeten sich Museumsmitarbeiter. Die regelmässigen Vibrationen würden die Sache zusätzlich erschweren, vermuten sie und melden Sicherheitsbedenken an.

Von Bewegungen des gesamten Gebäudes will Basil Thüring nicht sprechen. Tatsächlich aber würden sich Objekte aus ihrer ursprünglichen Position verschieben, bestätigt der Interimsdirektor des Naturhistorischen Museums. Konkret nennt er etwa den Unterkiefer eines Okapi-Schädels, der aus der Halterung springt. Die Objekte würden jeweils wieder zurechtgerückt.

Im Museumsalltag kein Thema

Die Gründe für die Vibrationen seien aber nicht bekannt. Von Schiffsmotoren ausgelöste Resonanzen sind für Thüring «reine Spekulation». Schliesslich würden die Parkettböden im Museum auch zittern, wenn Kinder darüber rennen. «Probleme hatten wir deswegen aber noch nie», betont Thüring. Im Museumsalltag seien die Bewegungen jedenfalls kein Thema.

An der laufenden Machbarkeitsstudie ist auch Immobilien Basel-Stadt beteiligt. «Dass sich die Museumsobjekte im Berri-Bau aufgrund der Vibrationen verschieben, die durch die Schifffahrt ausgelöst werden, ist uns nicht bekannt», sagt Sprecherin Barbara Neidhart.

Die Tragfähigkeit der Böden werde in der Studie untersucht, es seien aber noch nicht alle Details der technischen Untersuchungen festgelegt. Die Ergebnisse der Studie dürften erst im Sommer 2018 vorliegen. Bis dahin bleibt weiterhin unklar, ob der Einzug des Antikenmuseums überhaupt möglich ist.