Sie kam als blinder Passagier. Im Ballastwasser grosser Schiffe verbreitete sich die Schwarzmund-Grundel von ihrem angestammten Lebensraum von der Donau in die Wolga, die Ostsee und den Rhein. Sie war gekommen, um zu bleiben: In grosser Zahl vermehrte sich der kleine Fisch. Die aggressive Art verteidigt ihr erobertes Territorium vehement. Noch vor einem Jahr lautete die Bilanz beim Abfischen in Teilen des Basler Rheins: Neun von zehn Jungfischen sind Schwarzmund-Grundeln. «Schwarzmeer-Grundel» verdrängt hiesige Fischarten», titelte auch das «Echo der Zeit», die «NZZ» widmete ihm eine ganze Seite. Der Fisch mit den starken Brustflossen und dem Saugnapf am Bauch hat national Aufsehen erregt.

Doch nun ist ihr Siegeszug ins Stocken geraten. Das haben Fischer beobachtet. Gingen noch vor einigen Monaten fast ausschliesslich Grundeln an den Haken, haben sich die Bestände offensichtlich dezimiert.

Der Basler Fischereiaufseher Hans-Peter Jermann bestätigt die Anfrage der bz: «Wir haben diesen Sommer keine einzige Meldung von grösseren Schwarzmundgrundelfängen erhalten. Es hat deutlich weniger, das ist so.» Auch am traditionellen Galgenfischen Ende Juni landete keine Grundel im Netz – dabei hatten die Fischer aufgrund der vielen Fänge im Vorjahr eigens einen Preis geschaffen. Der Fisch ist kein guter Schwimmer und hält sich in der Uferzone auf. Auch vom blossen Auge lässt sich beobachten, dass die Tiere seltener geworden sind. «Warf man früher im Uferbereich ein Steinchen in den Rhein, schwammen sofort etliche Grundeln herbei. Jetzt sind es deutlich weniger», sagt Jermann.

Ein hartnäckiges Gerücht

Über die Gründe für den Rückzug der Schwarzmeergrundel lässt sich bislang nur spekulieren, wie Jermann sagt. Hartnäckig hält sich unter Fischern das Gerücht, die Grundeln seien von einer sonderbaren Krankheit befallen. «Manche weisen gewisse Flecken auf», sagt Jermann.

Noch wisse man jedoch zu wenig, um eine eindeutige Aussage zu treffen. Die Uni Basel begleitet die Invasion mit einer Forschungsgruppe, für November sind neue Erkenntnisse zu erwarten. Vielleicht aber geht die Grundel auch ganz einfach den Lauf vieler Neozooen: «Nach kurzer Zeit erreicht eine invasive Art einen Peak, danach pendeln sich die Bestände ein», erklärt Jermann. Die streitlustigen Fische scheuen auch nicht davor zurück, sich gegenseitig zu dezimieren.

Dazu kommt: Der Kanton Basel-Stadt hat Anstrengungen unternommen, die Grundeln zurückzubinden. «Insbesondere im Hafenareal setzen wir Zander und Hechte aus», sagte Paul Svoboda, Leiter Gewässerschutz beim Amt für Umwelt und Energie, vor rund anderthalb Jahren gegenüber der bz. Wahrscheinlich sind es verschiedene Faktoren, welche die aktuelle Entwicklung herbeigeführt haben.

Das dürfte nicht nur die Fischer freuen, sondern auch die Planer von AUE und Tiefbauamt, welche derzeit aufwendig die Uferzone im oberen Kleinbasel fischfreundlich gestalten. Nur für eine Firma ist der Zeitpunkt des Grundel-Rückzugs denkbar ungünstig: Ein Basler Unternehmen steht in den Startlöchern, kommerziell mit Reusen Grundeln abzufischen. Noch befindet sich das Start-up in einer Testphase.