«Soll Basel-Stadt das Klybeckareal kaufen?» Auf diese Frage hätte die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog (SP) am Montag beim Basler Bauforum eine Antwort formulieren sollen. Kurzfristig liessen die Organisatoren aber vom Thema ab und diskutierten vage über staatlichen Grundbesitz.

Rückblickend hatte das seinen guten Grund. Herzog hätte eine Frage beantworten müssen, deren Antwort sie wohl bereits kannte, aber nicht verraten durfte: Der Kanton hat für das Klybeck-Areal von Novartis kein Kaufangebot gemacht, sondern überlässt den grössten Teil der rund 300'000 Quadratmeter dem privaten Investor Central Real Estate.

Mit der Bekanntgabe dieser Transaktion hat das Rätselraten im Stadtkanton darüber ein Ende, wer den Zuschlag für dieses Entwicklungsareal bekommen würde – zumindest für die 160'000 Quadratmeter von Novartis und die «Filetstücke» an Rhein und Wiese.

Als die bz vor einigen Monaten über die unmittelbare Verkaufsabsicht des Pharmariesen berichtet hatte, gingen die Wogen hoch. Branchenkenner vermuteten, dass die Novartis nach dem «Best Price»-Prinzip vorgehen und keine Rücksicht auf lokale Bedürfnisse und Gegebenheiten nehmen würde.

Novartis-Sprecher Daniel Zehnder wollte auch am Mittwoch zu diesem Thema keine Stellung beziehen. Man habe aber immer unter der Prämisse verhandelt, dass der künftige Käufer die 2016 unterzeichnete Planungsvereinbarung mit dem Kanton einhalten werde. In dieser wurde von beiden Seiten festgehalten, ein «urbanes Stadtquartier mit einem breiten Nutzungsmix» entstehen lassen zu wollen.

Der zweite Akteur im grossen Klybeck-Poker, die BASF, hält sich weiter bedeckt: Es sei sehr gut nachvollziehbar, dass Novartis ihre Anteile am Areal an ein Unternehmen veräussere, dessen Kernkompetenz in der Areal- und Stadtentwicklung liege, sagt Sprecherin Claudia Schneider. BASF führe «unabhängig von Novartis» erste Gespräche mit potenziellen Investoren. «Es ist geplant, dass der neue Eigentümer die mit der Planungsvereinbarung und der Zwischennutzung eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen vollumfänglich übernimmt.»

Initiative in Vorbereitung

Auf Anfrage der bz begrüssten führende bürgerliche Politiker in Basel wie Luca Urgese (FDP) und Joël Thüring (SVP) den Verkauf des Geländes an einen privaten Investor. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Als «ein Stück weit eine verpasste Chance» bezeichnet SP-Präsident Pascal Pfister diesen Schritt. Seine Partei hatte die Forderung nach einem Kauf des Klybeck durch die öffentliche Hand vor einigen Wochen ins Spiel gebracht. Dass sich die Investoren nun an die 2016 unterzeichnete Rahmenvereinbarung mit dem Kanton halten wollen, bezeichnet Pfister immerhin als «erstes positives Zeichen».

Kritischer sehen es einige der im Mitwirkungsverfahren zur Areal-Umwandlung direkt Beteiligten. Christian Mueller vom Verein Zukunft Klybeck sagt: «Dass das Areal nun an einen gewinnorientierten Käufer ging, ist sehr schade. Aber es war absehbar, und aus diesem Grund lancieren wir eine Initiative, die alle Transformationsareale vor reinen Renditeüberbauungen schützt.»

Gemäss Initiativtext ist vorgesehen, dass pro Bebauungsplan zwei Drittel der Fläche an «gemeinnützig organisierte Bauträger» geht. Weil die Initiative auf die Bebauungspläne ziele, würde bei einer allfälligen Annahme auch das Klybeckareal unter diese Bestimmung fallen, selbst wenn es nun an einen kommerziellen Käufer verkauft worden sei, sagt Mueller.

 

Mitarbeit Daniel Ballmer