Die Paper Positions aus Berlin gastiert heuer zum zweiten Mal an der Art Basel. Zum diesjährigen Auftritt hat das Format aus Berlin die Ausstellungsfläche im Ackermannshof vergrössert. Neben dem Saal wird nun auch das ehemalige Atelier des Schweizer Künstlers Dieter Roth im ersten Stock bespielt. Die Zürcher Galerie Raphaël Lévy zeigt dort auch einige Papierarbeiten des Schweizer Künstlers.

Ein Besuch der übersichtlichen Messe lohnt sich allemal. 29 Galerien aus neun Ländern zeigen, wie vielfältig Papier in der Kunst eingesetzt wird. Wer da bloss Zeichnungen erwartet, wird überrascht. Alle Arten von Druck, Aquarell, Malerei, diverse Schnitt- und Falttechniken und all ihre möglichen Kombinationen präsentieren sich hier. Die Formate sind eher klein, aber gerade diese Intimität lenkt den Blick auf Details und fördert, so man den will, manch interessantes Gespräch mit den Galeristinnen und Galeristen zu Tage. Technik und künstlerisches Handwerk werden hier geschätzt.

Scherenschnitt, reloaded

Wir Schweizer verbinden mit Scherenschnitt vor allem das Appenzell und seine Bauernidylle. Dass diese traditionelle Technik längst Einzug in die zeitgenössische Kunst gehalten hat, haben grosse Ausstellungen in Hamburg, Bonn oder Zürich bereits gezeigt. Auch an den Paper Positions sind einige interessante und verblüffende Weiterentwicklungen von Schnitttechniken mit Papier oder Karton zu sehen.

Besonders sehenswert ist Annette Schröter. Die 63-jährige deutsche Künstlerin arbeitet seit rund zwanzig Jahren ausschliesslich mit Scherenschnitten. Ohne Vorwissen tippt der Betrachter auf eine jüngere Künstlerin. Denn Schröters Arbeiten erinnern viel mehr an Street Art als an ländliches Idyll. Die Themen sind oft politisch. Die NS-Vergangenheit, der Pathos des Arbeiterstaats DDR, wo die Künstlerin aufgewachsen ist, oder die leerstehenden Industrieruinen im Osten. Logos internationaler Firmen oder Panzer verarbeitet sie zu irritierenden, grossflächigen Mustern. Die Formate variieren. Einige ihrer Scherenschnitte sind mehrere Meter breit und hoch.

Anette Schröter bekennt sich zum Ornament und lädt dieses neu auf. «Ornament ist Versprechen» ist denn auch der Titel des hier gezeigten Werks. Eine Anspielung auf den berühmten Vortrag des modernistischen Architekten Adolf Loos, in welchem dieser dem ornamentalen Rausch des Jugendstils im Namen des Rationalen den Garaus machte.

Das filigrane Muster, überdeckt vom Schatten fotografierender Hände passt zur Art Basel, wo das Fotoschiessen die eingehende Bildbetrachtung längst ersetzt hat. Die Künstlerin zeigt uns, was wir vor den Bildern eigentlich tun. Schnell ein Bild knipsen und dasselbe ebenso schnell wieder vergessen. Während sie ihr Leben damit verbringt, ein Bild nach dem andern geduldig und langsam aus schwarzen Papierbögen herauszuschneiden.

 

Paper Positions Ackermannshof, bis Sonntag, 16. Juni, 11 bis 20 Uhr, Sonntag bis 17 Uhr.