Der EU ist es ernst. Eine Milliarde Euro an Forschungsgeldern sollen 2018/2019 in die Quantentechnologie investiert werden. Es ist eines der sogenannten «Flagship-Projekte».

Durch die neue Technologie sollen Computer und digitale Prozesse enorm beschleunigt werden. Die Uni Basel ist in der Quantentechnologie sehr gut aufgestellt. So ist der Basler Professor der theoretischen Physik, Daniel Loss, eine Koryphäe auf diesem Gebiet und wurde in den vergangenen Jahren mit zahlreichen hoch dotierten Preisen ausgezeichnet. Dennoch gibt es ein Problem: «Unsere Teams sind zu klein. Wir brauchen noch mehr Köpfe», erklärt Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki.

Die Lösung liegt am Oberrhein, wo sich fünf Universitäten im European Campus zusammengeschlossen haben. Eine Struktur für gemeinsame Forschungsprojekte besteht also bereits. Vorteile bringt das bei der Quantentechnologie – eine von zwei Schwerpunktthemen des European Campus. «Wir sind dabei, in diesem Bereich ein Cluster aufzubauen, indem wir mit der Universität Freiburg zusammen arbeiten. Später könnten weitere Universitäten folgen», sagt Schenker-Wicki. Durch die so entstehende kritische Masse rechnet sie sich gute Chancen aus, an EU-Forschungsgelder zu kommen.

In Brüssel dürfte man die Aktivitäten am Oberrhein mit Interesse beobachten. «Die EU möchte dieses Technologiefeld fördern, weil Europa achtgeben muss, dass die Amerikaner nicht die besten Köpfe abwerben. Es geht in diesem Bereich um sehr zukunftsträchtige Branchen mit einem grossen ökonomischen Potenzial, das wir natürlich für uns erschliessen möchten», kommentiert die Rektorin.

Graduierten Akademie gegründet

Für den Aufbau des Clusters wurde eine Graduierten Akademie mit 50 Stellen für Postdocs gegründet. «Diese jungen Wissenschaftler führen kleine Teams von Doktoranden und bereiten sich intensiv auf eine akademische Karriere vor. Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt», berichtet Schenker-Wicki. Möglich wurde dies durch Gelder der Endress-Stiftung, die zehn Millionen Franken im Bereich Quantentechnologie investiert. Die Verträge über diese Drittmittel wurden gerade unterschrieben. Positiv wirkt sich aus, dass die Lebenshaltungskosten in Freiburg niedriger als in der Schweiz sind.

Der zweite strategische Bereich der fünf Universitäten ist «Personalized Health Care», gehört also zu den Life Sciences. Auch hier bringt der European Campus für die Uni Basel einen konkreten Mehrwert. Es geht darum, bessere und effizientere Therapien zu entwickeln, die auf den Patienten zugeschnitten sind. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass Medikamente nicht bei allen Menschen gleich gut wirken, im schlechtesten Fall nur bei jedem vierten Patienten.

Sehr viele klinische Daten nötig

Vor allem in der Krebstherapie verspricht man sich durch «Personalized Medicine» grosse Fortschritte. «Um zu analysieren, welche Art von Tumor auf welches Medikament anspricht, braucht man allerdings sehr viele klinische Daten», sagt Schenker-Wicki. Die grosse Aufgabe werde man sicher teilweise gemeinsam angehen. Tatsächlich macht das Sinn, erhält man doch mit den Universitätskliniken von Strassburg, Freiburg und Basel einen riesigen Datenpool für die Forschung.

Schenker-Wicki sieht allerdings auch mögliche Probleme bei diesem Projekt, das sie um einiges delikater und komplexer einschätzt als jenes der Quantentechnologie: «Es ist schwierig, weil es sich hier um Patientendaten handelt, die einen besonderen Schutz geniessen und weil wir in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlicher Gesetzgebung tätig sind.» Es gebe noch eine Reihe juristischer Probleme zu lösen.

Neben den beiden strategischen Themen ist für die Uni Basel auch eine Zusammenarbeit in einzelnen Bereichen der Geisteswissenschaften denkbar, dort, wo sie alleine zu klein ist oder wo sie ergänzt wird. In Bezug auf Freiburg stellt sich aber das Problem, dass die Studierenden nicht gleichzeitig an beiden Hochschulen Vorlesungen besuchen können, weil die Semesterzeiten nicht angepasst sind. Freiburg will dies ändern, was sich auch auf die Mobilität der Studierenden positiv auswirken würde.

Während Basel sich bei der Zusammenarbeit der Universitäten am Oberrhein lange Zeit nur sehr verhalten engagiert hat, hat sich das gründlich geändert. Statt einer abstrakten Kooperationsidee winken heute konkrete Vorteile. Beim Werben um europäische Forschungsgelder steht man zudem nicht in Konkurrenz mit Schweizer Universitäten. Kommt hinzu, dass sich der französische Präsident Emmanuel Macron und der Europarat dafür ausgesprochen haben, dass bis 2024 zwanzig europäische Universitäten entstehen sollen. Am Oberrhein gibt es diese europäische Universität schon. Ausserdem ist sie nicht nur binational wie von Macron gefordert, sondern trinational. Ihren Vorsprung sollte sie zu halten wissen.