Der Roche-Turm ist im September bezugsbereit. Die Diskussionen mit den Nachbarn, die teilweise kritisch die Entwicklung ihres Quartiers verfolgen, gehen weiter. Für einen Blick von ganz oben muss sich die Öffentlichkeit noch gedulden. Ein Gespräch mit Jürg Erismann, Standortleiter Roche Basel/Kaiseraugst.

Sie sind von einem «Tag der offenen Tür» für den Bau 1 im Herbst abgerückt. Warum?

Jürg Erismann: Wir haben festgestellt, dass wegen der Arealentwicklung und der vielen Baustellen ein solcher Anlass nicht durchführbar ist. Ein «Tag der offenen Tür» hätte einen grossen Zustrom von Menschen zur Folge. Nur ein Bruchteil der Besucher hätte den obersten Stock von Bau 1 besuchen können, zudem unter einer strikten zeitlichen Beschränkung. Das hätte sicherlich zu grossen Frustrationen geführt. Ausserdem sind die Baustellen ein Sicherheitsrisiko für die Fülle an Besuchern. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen.

Gibt es Alternativen?

Wir möchten auch künftig Besucher bei Roche empfangen und freuen uns über das grosse Interesse. Wir entwickeln zurzeit ein Besucherkonzept, das sich an den unterschiedlichen Anspruchsgruppen orientiert. Zu Beginn werden wir den Roche-Mitarbeitenden und ihren Familien die Gelegenheit geben, Bau 1 zu besuchen. In einem zweiten Schritt werden wir die Nachbarn im Quartier einladen, das Gebäude zu besichtigen. Mit einem langfristigen Besucherkonzept haben wir ganz andere Möglichkeiten, auf die Bedürfnisse der Besucher einzugehen.

Wann ist der Bau beendet?

Im September ist die Einweihung des Gebäudes, von Dezember bis März 2016 werden die rund 2000 Mitarbeitenden einziehen. Wir rechnen damit, dass das Besucherkonzept im zweiten Quartal 2016 in Kraft treten kann.

Wie ist der Stand der Diskussion mit den Anwohnern?

Wir stehen in intensivem Dialog mit den Anwohnern, informieren sie regelmässig über die Entwicklungen am Standort und haben sie für die nächsten Tage zu einer Serie von Informationsveranstaltungen eingeladen. Zudem pflegen wir gute Kontakte zu den Quartiervereinen. Auch mit dem neuen Verein «Hauseigentümer und Anwohner Wettsteinquartier» (HEAW) hatten wir bereits ein erstes Treffen.

Ein durchdachtes Verkehrskonzept, Einschränkung der Bau- und Lichtemissionen, sowie Entschädigungszahlungen für den Wertverlust der Liegenschaften wurde gefordert. Haben Sie vom Verein konkrete Forderungen entgegengenommen?

Nein, konkrete Forderungen haben wir noch keine erhalten. Beim Treffen ging es um einen ersten Austausch zu den Bedenken der Vereinsmitglieder. Es gab einfach eine Auslegeordnung.

Und verlief diese Aussprache nach Ihrer Ansicht zufriedenstellend?

Das Treffen hat in sehr guter Atmosphäre stattgefunden. Wir haben vereinbart, dass wir uns nun in regelmässigen Abständen austauschen werden.

Gab es zur Verkehrssituation weitere Kontakte mit dem Kanton?

Mit dem Kanton gibt es regelmässige Treffen auf verschiedenen Ebenen. Roche hat frühzeitig ein innovatives Mobilitätskonzept für seine Mitarbeitenden eingeführt, das sehr stark auf den öffentlichen Verkehr setzt. Entsprechend sind wir daran interessiert, dass dieser gut funktioniert. Das Verkehrskonzept wurde gemeinsam mit dem Kanton entwickelt und zeigt verschiedene Verbesserungsoptionen auf, so eine neue Tram-Linie durch die Grenzacherstrasse, eine S-Bahnstation Solitude oder eine Busverbindung über die Schwarzwaldbrücke, die die beiden Bahnhöfe verbindet. Roche hat grosses Interesse an einer Umsetzung der vorgeschlagenen Massnahmen, wobei die neue Busverbindung sicherlich zeitnah umgesetzt werden kann.

In diesem Zusammenhang ist mir wichtig zu betonen, dass die Anzahl der Mitarbeitenden hier auf dem Areal trotz dem neuen Bürohochhaus Bau 1 bis 2020/2021 in etwa konstant bei 6000 bleiben wird. Erst wenn die weiteren Bauvorhaben abgeschlossen sind, steigt die Zahl um rund 2000 Arbeitsplätze. Während der Bauphase werden die Mitarbeitenden auf dem Gelände umziehen und zum Teil nach Kaiseraugst ziehen.

Eine Rochade, gewissermassen.

Wenn Sie so wollen… wir verfolgen dabei eine langfristige Perspektive.

Ist ein Verein wie der HEAW bezüglich der Kommunikation hilfreich oder eher schwierig? Immerhin bildet er nur einen Teil der betroffenen Anwohner ab.

Dialog ist immer gut. Der Austausch mit dem Verein hat den positiven Aspekt, dass wir die Anliegen aus erster Hand kennen. Uns ist aber wichtig, dass wir alle Nachbarn als gleichberechtigt anschauen und unsere Kommunikation nicht nur auf den HEAW beschränken.

Der Verein hat sich selbst ein Mandat gegeben.

Das ist sicher so. Neben anderen Kontakten haben wir einen zusätzlichen Ansprechpartner für relativ viele Hauseigentümer.

Der HEAW sagt sinngemäss, der Schattenwurf würde zu einer Wertminderung der Liegenschaften führen. Was sagen Sie dazu?

Langfristig wird das Quartier eine Aufwertung erfahren. Bis zum Jahr 2023 ist Roche neu gebaut, mit einer anspruchsvollen Architektur, mit einem guten Erscheinungsbild und einer positiven Ausstrahlung. Es ist gut, Roche als Nachbarn zu haben. Im Areal sind hochwertige Arbeitsplätze in der Forschung und Entwicklung angesiedelt, die Industrie ist weder schmutzig noch laut. Selbstverständlich sind wir uns bewusst, dass es während der Bauzeit zu Beeinträchtigungen kommen wird. Wenn gebaut wird, gibt es Staub und Lärm, es braucht eine Baulogistik. Aber es ist nicht so, dass wir zehn Jahre lang am gleichen Ort bauen werden.

Bauschutt wird ab-, Baumaterial angeführt. Wie organisieren Sie diese Baulogistik?

Die Zugänge zu den Baustellen werden wir an der Grenzacherstrasse, wo wir die Forschungsbauten und das zweite Hochhaus planen, und an der Wettsteinallee einrichten. Man ist von beiden Achsen relativ rasch wieder auf der Autobahn. Beim Bau 1 hatten wir bereits eine ausgeklügelte Baulogistik. Die Lastwagen mussten sich in einem Warteraum vor der Stadt in Birsfelden aufhalten, bis sie ein auf wenige Minuten begrenztes Zeitfester für die Anlieferung bekamen. Mit dieser Massnahme konnten wir die Verkehrsbelastung im Quartier stark reduzieren.

Wie sieht die Zwischenlösung des Parkhauses für die Roche-Mitarbeitenden aus?

Wir haben vor, ein provisorisches Parkhaus mit 650 Plätzen an der Schwarzwaldstrasse zu errichten. Es ersetzt während der Bauphase das heutige Parkhaus mit 900 Plätzen unter dem Bau 74. Wir sind der Auffassung, dass das eine sehr gute Lösung ist, denn das Parkhaus liegt direkt an der Autobahn. Die Autos kommen damit gar nicht mehr ins Quartier hinein. Das bringt eine spürbare Entlastung für die Anwohner. Bis im Jahr 2020/21 werden wir ein neues Parkhaus auf dem Areal fertiggestellt haben, die Einfahrt wird von der Peter-Rot-Strasse in die Grenzacherstrasse verlegt. Auch das bringt langfristig eine Entlastung des Quartiers.

Was haben Sie im Bereich der Kommunikation beim Bau des ersten Turmes gelernt? Wo können Sie noch zulegen?

Es ist sicherlich gut, wenn man die unterschiedlichen Anliegen frühzeitig kennt. Bei den Handwerkerparkplätzen konnten wir eine Lösung anbieten. Damit die Parkplatzfrage im Quartier entschärft wird, haben wir im Messeparking 300 Parkplätze langfristig angemietet. Wir verpflichten unsere Handwerker, dort zu parkieren. Das Material können sie noch anliefern, aber danach muss der Wagen ins Parkhaus. Wir werden den Dialog mit den unmittelbar Betroffenen intensivieren. Wenn man im Gespräch bleibt, findet man immer Lösungen.