Wenn sich Wilfried Penshorn und Klaus Messner ereifern, könnten sie gut als Firmenchefs durchgehen. Doch sie sind Arbeitnehmervertreter - der eine Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, der andere Betriebsratsvorsitzender des Chemiekonzerns DSM in Grenzach. Stein des Anstosses ist der wachsende lokale Widerstand gegen eine Behandlungsanlage der Firma Zimmermann für Chemieabfälle, die auf dem leer werdenden Gelände der BASF errichtet werden soll.

Investitionssperre möglich

Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen könne eine sogenannte Veränderungssperre verhängen, die für das Areal und das nahe umliegende Gebiet eine Investitionssperre bedeuten würde. «Das wäre ein völlig falsches Signal an die Industrie», sagt Gewerkschafter Penshorn und ist überzeugt, dass andere Firmen möglicherweise ebenfalls nicht mehr investieren würden. Die Firma Zimmermann arbeite sauber, ist Penshorn überzeugt. «Wir haben in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass wir Ökologie und Ökonomie unter einen Hut bringen. Und wir haben eine Verantwortung für die Abfallentsorgung», fasst Kessner nach.

Auch die anderen an der gestrigen Medienkonferenz anwesenden Betriebsräte schlagen sich klar auf die Seite «ihrer» Unternehmen und demonstrieren Geschlossenheit. Inge Ziegler-Roeseler, Betriebsrätin bei Bayer Grenzach, erwähnt die Tatsache, dass die Firmen sich auch an Kindergarten und Kindertagesstätten beteiligt hätten. Und dank der sprudelnden Steuern seien die Gemeindefinanzen im Lot.

1500 Einsprachen

Ob eine Sperre verhängt werde, sei schwer abzuschätzen. Aber die Emotionalisierung des Themas in den vergangenen zweieinhalb Monaten habe die Mitarbeiter alarmiert.

Beim Regierungspräsidium Freiburg waren gemäss dem Südwestdeutschen Rundfunk etwa 1500 private Einwände gegen die geplante Anlage eingegangen. Die Einsprechenden befürchten zunächst den Schadstoffausstoss von Dutzenden Lastwagen, die täglich gefährliche Stoffe auf das BASF-Areal bringen sollen. Die hohe Zahl an Einwänden führt das Regierungspräsidium auf einen Aufruf der Bürgerinitiative zurück. In der am Rhein geplanten Sondermüllanlage sollen jährlich 60 000 Tonnen flüssige und 80 000 Tonnen feste, teilweise gefährliche Stoffe - verschmutztes Wasser, Schlämme, Filterstäube und Aschen - entsorgt werden.

Schmerzhafter Abbau

Die Empfindlichkeit der Gewerkschaften hat ihren Grund. BASF baute nach der Übernahme von Ciba im Jahr 2008 in Grenzach fast 700 von 900 Stellen ab. Das sitzt noch allen in den Knochen. DSM habe damals einen Teil der Gekündeten übernehmen können, sagt Kessner. Das sei der Vorteil, wenn mehrere Firmen auf dem Platz seien. DSM beschäftigt derzeit 600 Mitarbeitende, wird aber bis 2015 gegen 100 Arbeitsplätze abbauen. Bei Bayer, die in Grenzach Bepantene herstellt, seien jedoch 150 Stellen geschaffen worden.

DSM-Betriebsrat Kessner wehrt sich gegen den Vorwurf, öko-unkritisch zu sein: Bei Dynamit-Nobel in Rheinfelden hätten sich die Arbeiter für die Produktionseinstellung des giftigen Holbeizmittels PCP eingesetzt. Mit Erfolg.