Die Wirtschaft in den beiden Basel lebt. Die Lehrstellensituation ein guter Indikator dafür, dies festzustellen. «Wir haben tendenziell eine leichte Zunahme an Lernenden», sagt Heinz Mohler, und blickt am Tag der Baselbieter Lehrabschluss-Rangfeier bereits in die Zukunft. Der Leiter für Berufsbildung und Berufsberatung des Kantons Baselland steckt am Freitag mitten in den Vorbereitungen der alljährlichen Feier. Schaut aber auch voraus: In rund einem Monat beginnt ein neuer Zyklus. Baselbieter Unternehmen vergeben im Juli ihre letzten offenen Lehrstellen.

Im Kanton Basel-Stadt liegt die Lehrabschluss-Feier bereits eine Woche zurück. Auch René Diesch, stellvertretender Leiter im Bereich Mittelschulen und Berufsbildung ist erfreut darüber, wie sich der Lehrstellenmarkt kurz vor Wiederbeginn präsentiert. Beide Basler Kantone rechnen damit, im August je rund 2000 neue Lehrlinge einzuschulen. Hiermit bewegt sich die Lehrstellensituation in beiden Basel auf dem stabilen Niveau der vergangenen Jahre. Dies bestätigen Mohler und Diesch unisono. Auch die Anzahl Schulabgängerinnen und Schulabgänger blieb 2018 in etwa auf dem Level des Vorjahres.

Ende Juni waren im Baselbiet 475, in Basel-Stadt rund 230 Lehrstellen als offen gemeldet. «Die absoluten Zahlen stimmen nie», sagt Diesch jedoch. Da keine Meldepflicht besetzter Lehrstellen besteht, weist die Statistik grosse Lücken auf. Es sei gut möglich, sagt Mohler, dass sich die Meldepraxis in den beiden Kantonen unterscheide und die Zahlen deshalb stark voneinander abweichen.

Gemächlicher als früher

Die Veränderungen der letzten Jahre auf dem Lehrstellenmarkt beschränkten sich auf Nuancen. Augenfälliger ist hingegen der Umbruch im Vergleich zu vor zehn oder zwanzig Jahren, sagt Diesch. Heute sind nämlich meist bis zuletzt Lehrstellen aller Branchen offen. Früher gab es spezifische Berufe, die im Nu belegt waren, während andere bis zuletzt eine grosse Anzahl freier Stellen beklagten. Dieses Phänomen habe sich durch eine andere Veränderung entschärft, erklärt Diesch. Die Lehrstellenvergabe beruhigte sich. Gab es früher Stichtage, an welchen Lehrstellen gewisser Branchen binnen weniger Tage weg waren, lassen sich die Lehrbetriebe heute mehr Zeit. «Ich finde dies eine positive Entwicklung», sagt Diesch.

Die Lernenden werden älter

Der demografische Wandel und die damit verbundene Alterung der Gesellschaft haben zur Folge, dass es weniger Schulabgänger gibt. Zudem erweiterte sich das Angebot für weiterführende Schulen in den letzten Jahren sukzessive. Und trotzdem gibt es in den beiden Basel keinen alarmierenden Lehrlingsmangel. «Der Aufwand für Lehrbetriebe, Lernende zu finden ist grösser», sagt Diesch. Speziell Lehrstellen mit hohen Anforderungsprofilen seien schwieriger zu besetzen.

Dies hängt damit zusammen, dass immer weniger Personen direkt nach der obligatorischen Schulzeit eine Lehre beginnen, sondern sich zunächst anderweitig weiterbilden. Andererseits seien die Ansprüche an Lernende gestiegen, so Diesch.

Im angelaufenen Monat gibt es auf dem Lehrstellen-Markt den letzten Schub. Dann macht der Juli die nächsten Coiffeure und Gärtnerinnen.