Trotz seiner Fussfesseln winkte der Angeklagte immer wieder freundlich der Verwandtschaft im Zuschauerbereich des Gerichtssaals zu.

Auch als seine Ehefrau gegen ihn aussagte, wirkte er unbekümmert, und als sie sich hinterher ins Publikum setzte, wurde auch sie dort herzlich begrüsst. «Wir haben 28 Jahre zusammengelebt. Wir hatten gute und schlechte Zeiten», sagte sie den Richtern.

Vor dem Basler Strafgericht waren naturgemäss die schlechten Zeiten das
Thema: Todesdrohungen gegen die Ehefrau, teilweise offen und direkt, teilweise auch indirekt über die Kinder oder die Schwägerin abgegeben.

Hintergrund ist eine alte Idee des heute 52-jährigen Mannes, dass einige der drei gemeinsamen Kinder nicht von ihm stammen könnten. Die Familie liess sich allerdings bereits vor Jahren auf einen DNA-Test ein, um die Vorwürfe definitiv zu entkräften. Der 52-Jährige betonte am Dienstag vor Gericht auch, die Sache sei für ihn inzwischen erledigt.

Doch wenn der Alkohol fliesst, dann kommen offenbar auch die alten Gedanken wieder zurück. So klingelte er im Juni 2017 spätnachts bei der Wohnung der seit wenigen Wochen getrennt von ihm lebenden Ehefrau in Riehen, um wieder mit den alten Vorwürfen zu kommen und gleichzeitig Todesdrohungen gegen sie auszustossen. Der älteste Sohn der Familie konnte ihn abwimmeln, doch später rief er an und drohte, die Frau mit einem Messer abzustechen.

Alkohol und wiederholt Todesdrohungen.

Als er dann auch noch seinen eigenen Psychiater anrief und dort die Drohungen wiederholte, rief dieser die Polizei. Der 52-Jährige kam für eine Woche per Fürsorgerischer Unterbringung (FU) in die Psychiatrie. Kaum draussen, ging das Spiel weiter, Ende Juni landete er deshalb in Untersuchungshaft.

«Ich habe mir vorgenommen ganz mit Alkohol aufzuhören und darüber auch mit meinem Arzt gesprochen», sagte der 52-jährige vor Gericht. Er entschuldigte sich für die Vorfälle, konnte oder wollte sich aber nicht mehr an die Drohungen erinnern. «Normalerweise bin ich ein guter Mensch und schade niemandem», sagte er.

Tanya Kochuparackal von den Universitären Psychiatrischen Kliniken erkläre vor Gericht, dass es mit der Alkoholabstinenz alleine aber nicht getan sei. «Im Zusammenspiel mit seiner Persönlichkeitsstruktur kommt er schnell in Situationen, in denen er sich in seiner Ehre verletzt sieht. Mit Alkohol bricht dann einfach die Kontrolle zusammen», sagte die Gutachterin. Verteidiger Gioele Ballarino betonte, sein Mandant leide auch an Depressionen und sei wegen Eigengefährdung schon zwölfmal hospitalisiert worden. Die lange Untersuchungshaft habe ihm nun auch zugesetzt.

Das Dreiergericht sprach eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten wegen Drohungen, Nötigung und Hausfriedensbruchs sowie einer Tätlichkeit aus. Die Strafe wird zugunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben. Nachdem allerdings die bisherige Therapie nicht gefruchtet habe, gibt es eine «stationäre Einleitung»: Der Mann bleibt vorläufig für weitere zwölf Wochen in Haft, bis in einer forensischen Station ein Platz frei wird.

Gerichtspräsident Marc Oser betonte, bei längerer Wartezeit müsse dann das Zwangsmassnahmengericht entscheiden, ob die Haft noch verhältnismässig sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.