Das Team von Frank Lorenz hoffe darauf, dass alle Beteiligten bei Bund und Kanton «die Möglichkeit ergreifen, dieses wundervolle Haus für die Nachwelt zu schützen und zu bewahren», sagt der Theologe. «Alles andere wäre unverständlich und der politischen und sozialen Bedeutung der Offenen Kirche Elisabethen für die Stadt nicht angemessen.»

Auf stolze 13,2 Millionen Franken wird eine umfassende Sanierung geschätzt. Und der Handlungsbedarf ist dringend. Der Turm der Basler Elisabethenkirche ist in einem derart schlechten Zustand, dass er für die Öffentlichkeit gesperrt werden musste, wie die «Schweiz am Wochenende» bekanntgemacht hat. Es besteht die realistische Gefahr, dass Sandsteinelemente abbrechen und in die Tiefe fallen, wo sie Menschen verletzen können. Bereits wurden deshalb erste Sicherungsmassnahmen getroffen.

«Wir vermissen das Geläut»

Schon vor drei Jahren wurde im filigranen Turmhelm ein Innengerüst aufgestellt, was dessen nächtliche Beleuchtung verunmöglichte. «Wir hörten von vielen Menschen, dass ihnen der Leuchtturm der Stadt fehlt», erzählt Lorenz. Um die Baumasse nicht in Schwingung zu versetzen, mussten dann die Kirchenglocken abgestellt werden. Das trifft auch die Kirchenverantwortlichen.

Die Glocke habe mit ihrem C-Dur-Klang zum akustischen Stadtbild gehört, findet Lorenz. Ihr Ruf jeweils zum Anfang und Ende des Arbeitstages habe etwas Wohltuendes – gerade in der heutigen 24-Stunden-Gesellschaft: «Am nächtlichen Weihnachtsgottesdienst haben wir das Geläut aus lauter Sehnsucht von CD in den Kirchenraum gespielt, so sehr vermissten wir das Geläut.» Und auch die vorübergehende Sperrung des Turms für Besucher sei schmerzhaft. Den Verlust spürt die grossmehrheitlich selbstständige Organisation auch in den Opferstöcken.

Dass bei Sandstein, der ständig Wind und Wetter ausgesetzt ist, Schäden auftreten, ist nicht ungewöhnlich. Erste Schäden an der Elisabethenkirche sind bald nach deren Fertigstellung vor rund 150 Jahren festgestellt worden. Schon mehrfach mussten Restaurierungen durchgeführt werden. Lorenz lässt sich davon aber nicht unterkriegen: «Diese Kirche hat schon vieles überstanden – sogar, dass sie 1968 abgerissen werden sollte, um einem geplanten Parkhaus für das damals neu gebaute Stadttheater zu weichen.»

«Erfindungsreicher werden»

Nun wird erneut an einem umfassenden Sanierungskonzept und der dazu nötigen Finanzierung gearbeitet. Daran könnten sich neben der evangelischreformierten Kirche Basel-Stadt auch der Kanton, die Denkmalpflege sowie der Bund beteiligen. Immerhin gilt die Basler Elisabethenkirche als die bedeutendste neugotische Kirche der Schweiz. Für die mehr als 13 Millionen soll gleich die gesamte Kirche restauriert werden – in Etappen, sodass der Betrieb aufrechterhalten werden kann.

«Wir sind zuversichtlich, dass die Kirche auch während eines künftigen Umbaus – vielleicht eingerüstet und vielleicht als Baustelle – für eine sich wandelnde Christenheit, für Armutsbetroffene und Flüchtlinge, für Tanzende und Feiernde, eine Heimat sein und bleiben wird», meint Kirchenleiter Lorenz, «auch wenn wir vielleicht noch etwas erfindungsreicher sein müssen.» Noch aber ist die Sanierungsfinanzierung nicht gesichert. Dabei drängt die Zeit, denn an der Kirche bröckelt es beständig weiter.