Basel-Stadt baut an der Friedrich Miescher-Strasse einen fixen Standplatz für Fahrende. Mit Verspätung kommt der Kanton damit einer Verpflichtung des kantonalen Richtplans nach – und wird sich mit dem Vorhaben nun wahrscheinlich um weitere Monate verspäten. Davon geht zumindest das Präsidialdepartement aus, das für den Betrieb federführend ist.

Für die bauliche Umsetzung ist das Baudepartement zuständig. Sprecher Marc Keller sagt, das Ziel sei weiterhin eine Eröffnung im Sommer 2018. Der Terminplan weise jedoch keine Reserven etwa für allfällige Gespräche mit Fahrenden sowie Nachbarn oder für Einsprachen zum Baugesuch auf. Prophylaktisch wird deshalb die Betriebsbewilligung für das Provisorium im St. Johann bis Ende kommenden Jahres verlängert. Dies geht aus einer aktuellen Baupublikation hervor.

Im Sommer 2015 hatten die Fahrenden im Hafen einen temporären Durchgangsplatz für fünf Wohneinheiten auf 750 Quadratmetern erhalten. Seit 2016 vermietet die Stadt eine gleich grosse Fläche im St. Johann. Zwei Vereinbarungen regelten bisher die Verhältnisse: Ein erster bis Ende 2017 befristeter Vertrag mit Immobilien Basel die Zwischennutzung des Areals, ein zweiter bis Ende Juli 2017 befristeter die betriebliche Organisation

Vertragspartner der Stadt waren der Verband Sinti und Roma Schweiz von Andreas «Pancho» Geringer sowie die Radgenossenschaft der Landstrasse, die Schweizer Dachorganisation der Fahrenden. Geringer übernahm die Leitung des Durchgangsplatzes, vor Ort lebte Igor Halmo als Platzwart. Halmo gab seine Funktion entnervt auf, weil er von Geringer keine Abrechnungen erhalten habe, wie er erzählt.

Für diese Darstellung spricht eine Betreibungsandrohungen der Stadt, die bei der Radgenossenschaft landete. Diese hat nach vorliegenden Informationen die Rechnungen beglichen. Offen seien jedenfalls keine, sagt Olivier Wyss, der Verantwortliche innerhalb des Präsidialdepartements. Geringer war auf Anfrage nicht zu erreichen.

Direkter Vertrag mit Platzwart

In einem mittlerweile gelöschten Facebook-Eintrag schrieb der Basler Venanz Nobel vom jenischen Verein Schäft Qwant: «Die Stadt Basel ringt seit zwei Jahren um die Zahlungsmoral der Platzbenutzer, die in Selbstverwaltung versprachen, knapp kostendeckend selbst zu wirtschaften.» Nun sei die Stadt gefordert, schrieb Nobel. Der Kanton hat gehandelt und mit dem Ehepaar Kolleger direkt einen Mietvertrag abgeschlossen.

Die neuen Platzwarte, die seit einigen Monaten selbst vor Ort wohnen, kümmern sich um alle Belange der Bewirtschaftung sowie um die Sicherstellung von Ordnung und Sauberkeit. Der Vertrag ist auf ein Jahr abgeschlossen. Er ist verlängerbar, sollte bis dann der definitive Platz mit doppelter Standfläche noch nicht bereit sein.