Die Messe Schweiz hat Angst vor dem eigenen Mut bekommen. Noch vor zwei Monaten teilte sie mit, dass der Eintritt in die neue Luxus Auto-Messe Grand Basel 75 Franken pro Tag kostet. Das wären 15 Franken mehr gewesen, als für die Baselworld oder die Art anfallen.

Ab 16.30 Uhr Abendtarif

Zwischenzeitlich aber hat die Messe still und leise zurückbuchstabiert: Die Tageskarte kommt nun auf 45 Franken zu stehen, Kinder unter zwölf Jahren sind frei, Studenten und Rentner erhalten einen Extra-Preis. Ab 16.30 Uhr gibt es einen günstigen Abendtarif. Besonders lohnt sich dieser am Donnerstag, weil die Messe dann erst um 21 Uhr schliesst.

Die jüngsten Rückschläge um die Baselworld mit dem Rückzug der Swatch-Gruppe und dem Rücktritt von CEO René Kamm dürften sich auch bei der Grand Basel ausgewirkt haben. Bereits im Sommer gab es Kritik, die Messe sitze auch mit der Grand Basel auf dem hohen Ross. Nun korrigiert sie die hohen Preise. Heute argumentiert die Auto-Messe auf Nachfrage: «Die 75 Franken waren ein Durchschnittswert, der nicht hätte kommuniziert werden dürfen.» Mitte Juni klang das anders.

Um die 100 Autos – so richtig teure

Der öffentliche Teil der Auto-Messe dauert vom 6. bis zum 9. September. Mit der massiven Preisreduktion bei den Eintrittspreisen kommt die Messe Schweiz dem autoaffinen Publikum entgegen. So steigt auch die Chance, die angestrebten 10'000 Eintritte pro Tag zu erreichen.

Gezeigt werden auf 32'000 Quadratmetern um die hundert Fahrzeuge. Ausgewählt und kuratiert wurden sie unter 350 Bewerbungen von einem unabhängigen Expertengremium aus Kultur und Design, Architektur und Kunst. Zu sehen sein werden die wertvollsten Automobile der Welt. Es seien «Meisterstücke der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft», wie die Grand Basel das selber in einer Medienmitteilung nennt.

Für die Aussteller ist das nicht billig. Die Teilnahmegebühr richtet sich danach, ob ein Händler oder Sammler, ein Hersteller von weniger oder ein Hersteller von mehr als 50 produzierten Autos präsent ist. Pro ausgestelltes Exemplar fallen 25 000 Franken, 45 000 Franken oder 75 000 Franken an, wohlgemerkt ohne Mehrwertsteuer. Rechnet man das hoch, nimmt die Messe mindestens 2,5 Millionen Franken und höchstens 7,5 Millionen Franken ein. Die Einnahmen durch die Eintrittsgelder sind dabei nicht berücksichtigt.

Dem US-Markt scheint die Grand Basel noch mehr zuzutrauen. Für die Ausgabe in Miami Beach, die für den 22. bis 24. Februar geplant ist, verlangt sie je nach Kategorie pro ausgestelltes Exemplar rund 20'000 US-Dollar mehr als in Basel. Für die Ausgabe in Hong Kong im Mai 2019 sind die Teilnahmegebühren noch nicht publiziert.

Primär Handelsplattformen

Alle drei Messen sind primär Handelsplattformen. Bevor es also am 6. September in Basel für den Normalbürger los geht, erhalten die reichen Sammler und potenziellen Käufer von Montag bis Mittwoch 3. bis 5. September wie bei der Baselworld und der Art im Rahmen einer Private View Gelegenheit, die Ausstellungsstücke isoliert vom gemeinen Volk zu bewundern und natürlich zu erwerben. Dann dürfte sich das weitere Schicksal der Grand Basel und die Frage entscheiden, ob sich die Messe Schweiz am eigenen Schopf aus dem Strudel ziehen kann.