Tick. Tack. Tick. Tack. Tick. Tack. Es ist ein ziemlich nervtötendes Geräusch, das so ein Metronom von sich gibt. Eine Zeitmaschine, ein Pulsgeber, ein strenger Richter über richtig und falsch. So zumindest wurde das Metronom in der Instrumentalpädagogik im 20. Jahrhundert vielerorts verwendet und verstanden. Tausende von Musikschülerinnen und -schülern wurden damit traktiert.

Heute ist das Metronom ein Objekt fürs Museum. Eingesperrt in Glaskästen, zum Stillstand verdammt. Dafür schön ausgeleuchtet – und in seiner ganzen Vielfalt und Pracht zu sehen.

Dass die wohl einzige und grösste Sammlung von Metronomen nun in einer neuen Sonderausstellung im Museum für Musik in Basel zu sehen ist, ist dessen Leiter Martin Kirnbauer zu verdanken. Der Musikwissenschafter kannte den Instrumentenhändler Tony Bingham schon einige Jahre, bis sie eines Tages auf dessen Sammelleidenschaft zu sprechen kamen: Metronome.

Grundlagenforschung zum Takt

Über 175 Metronome hat der Engländer gesammelt. Grosse, kleine, rote, schwarze, einfache, geschmückte. Sie alle werden erstmalig öffentlich gezeigt und in einem aufwendig produzierten Katalog verzeichnet – Tony Bingham persönlich hat sie an Basel ausgeliehen und die Publikation begleitet.

Das Museum für Musik Basel hat hier Grundlagenforschung betrieben: Bei der Recherche haben sie festgestellt, dass es bisher kaum Forschungsliteratur zum Metronom gibt. Nun gibt es sie, in schriftlicher Form. Und in der Ausstellung «Auftakt» ist das Phänomen Metronom physisch zu erleben.

Den Anfang macht der Raum im Erdgeschoss. Hier stehen verschiedene Geräte, die mit Takt zu tun haben. Ein Pulsmesser zum Beispiel. Denn der menschliche Puls war viele Jahre vor der Erfindung des Metronoms eine wichtige Orientierung in der Musik, wie schnell oder langsam ein Werk zu spielen sei.

Nach der Pulsmessung dürfen die Besucherinnen und Besucher dann aufs Laufband, und einen «ruhigen Schritt im Tempo ihres Herzschlags» einnehmen. Wer also einen nervösen, raschen Puls hat, dem wird auf dem Laufband deutlich, wie rasch er diesem nachlaufen muss – und wie rasch das Musikstück würde.

Trefferquote im Takt

Für alle Fasnachtsfans gehts dann an ein Gerät, mit dem sich trommeln trainieren lässt. Hier kann man probieren, wie gut man einen vorgegebenen Takt beibehalten kann. Ein bekannter Fasnachtstrommler hat es laut Kurator Martin Kirnbauer auf 63 Prozent Trefferquote geschafft – die Musikredakteurin der bz immerhin auf 73.

Nach so viel Anschaulichkeit gehts hoch in den zweiten Stock. Dort wird die Geschichte des Metronoms anschaulich gemacht.

Am Anfang war das Pendel. Im 17. Jahrhundert machte Galilei die grosse Entdeckung des Pendelgesetzes: Der Rhythmus eines Pendels ist abhängig von der Länge des Pendels, nicht aber vom Gewicht oder vom Bewegungsradius des Pendels. Ein Pendel von etwa einem Meter Länge schlägt etwa einen Schlag pro Sekunde.

Diese Entdeckung machte sich Dietrich Nikolaus Winkel zunutze: Er verwendete statt eines Pendels einen starren Stab, drehte das Ganze um und konnte mit einem Gewicht am Stab die Pendelbewegung erstmals regulieren.

Johann Nepomuk Mälzel klaute ihm die Idee, erfand eine Skala, die die Metronombewegungen in Bezug zu Sekunden angab – und schon war das erste Metronom geboren. 1815 meldete Mälzel das Gerät zum Patent an. Doch es dauerte noch einige Zeit, bis sich das Gerät durchsetzte.

Mälzel schickte das Gerät an Komponisten wie Ludwig van Beethoven, damit sie nun ihre Tempoangaben mit genauen Metronom-Zahlen versehen können. Der Clou: Durch diese Metronomzahlen mussten die Musikerinnen und Musiker selbst Metronome kaufen, um die Angaben entschlüsseln und die Werke aufführen zu können – so die Geschäftsidee von Mälzel. Seitdem wurde musikalische Zeit scheinbar messbar.

Geschwindigkeitsangaben von Musik wurden nun viel genauer angegeben; Adagio, Andante oder Allegro wurden in Zahlen übersetzt. Der Siegeszug des Metronoms veränderte das Gefühl von Zeit in der Musik nachhaltig: in den Stuben der Komponisten und den Übungszimmern der Musiker, in den Konzertsälen und später auch in den Aufnahmestudios. Das Metronom wurde in erster Linie zur Verständigung über das Tempo verwendet, aber auch zum Drillen im Musikunterricht – und schliesslich wurde es sogar zur strikten Richtschnur für die Musik selbst.

Der Takt in der Musik

Neben Filmen, Audio-Aufnahmen und Pendeln zum Ausprobieren widmet sich ein Ausstellungsraum auch dem Taktgefühl auf zwischenmenschlicher Ebene. Und wie der Takt in der Musik erklingt, das wird mit einem umfangreichen Begleitprogramm mit Konzerten und Vorträgen gezeigt, die mit einer Reihe von Kooperationspartnern veranstaltet werden: Dem Bird’s Eye Jazz Club, der Hochschule für Musik, der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft und dem Sinfonieorchester Basel – sie alle nutzen Metronome noch heute, und sei es zur künstlerischen Inspiration.

Ausstellung: Auftakt. Metronome und musikalische Zeit. Museum für Musik, Im
Lohnhof 9, 4051 Basel. Vernissage heute 18 Uhr. Ausstellung bis 20. 8.

Museumsnacht: 18.30, 22.00: «Nachts im Hotelzimmer», Uraufführung des Werks für Metronome und Chor von Martin Gantenbein; Jede halbe Stunde musikalische Experimente zu selbst konstruiertem Pendel; 19.00, 22.30 Uhr: «Fuge aus der Geographie» von Ernst Toch (1930) für sprechenden Chor und «Mälzel»-Kanon (1844) zum Mitsingen; 20.00, 21.30, 24.00 Uhr: Tabla-Performance mit Sanju Sahai.

www.hmb.ch