Fasnacht und «Kunsthalle» – ja, das passt. Das schöne, ehrwürdige Lokal ist bis auf den letzten Platz belegt. Chefin Claudia Danuser begrüsst die Gästeschar und Armin Faes erklärt die Regeln der Benotung.

Abdel Trabelsi, der legendär souveräne Chef de Service, hat wie immer seine Augen überall – und zusammen mit Roman Keiser alles im Griff. 20 Bängg kommen im Lauf des traditionellen Schnitzelbank- Abends auf die Bühne.

Optimale Bedingungen

is zur Vorspeise kündigt Päuli Burkhalter die ersten fünf Bängg an. Viele Gäste kommen seit Jahren, der Anlass ist fest in die Fasnachtsagenda eingetragen. Man kennt den Tischnachbarn und die an den anderen Tischen ebenso.

Die Gäste hören aufmerksam zu. Eben weil es eine Art Concours ist, ein Wettbewerb, und jeder Gast auf seinem Blatt Noten geben darf, ist der Fokus auf die Bühne gerichtet. Ernst beim Spass – oder umgekehrt. Das ist für die Bänggler optimal; exzellente Technik, Gesang und Service kommen sich nie in die Quere. Auch kulinarisch ist es ein wunderbarer Abend.

Die Kunsthalle ist eine Plattform für Bänggler, die neu oder noch nicht lange auf der Route sind. Und für die etablierten ist es eine Bestätigung ihres Könnens. Die Gäste kennen sich aus und sind den ganzen Abend positiv gestimmt. Sie applaudieren auch bei schwachen Versen. Schön so. Vor dem Hauptgang schwingen d’Gryysel und der Spitzubueb obenaus. Die ebenfalls bekannten Bänggler Rollaator Röösli, spitzig Ryssblei, Babberlababb, Stroofrichter und Staubwolgge folgen im zweiten Teil. Gegen 23 Uhr geben die Gäste ihre Notenblätter ab, glücklich und zufrieden. Gewinner sind d’Gryysel vor Spitzbueb und Babberlababb.

Die Hummele verlässt das «Mekka» des Zyschtigsbryys. Draussen ist Strassenfasnacht. Und Guggenmusikabend dazu. Ich fliege behutsam, fasnachtsverträumt Richtung Barbara-Keller. Am Klosterberg kommen mir die Räpplispalter entgegen, sie schränzen «My Way» von Frank Sinatra. Melancholisch, langsam, wunderschön.

Im Cliquen-Keller des Barbara-Clubs tut sich wieder eine andere Fasnachtswelt auf: Gedränge, laut, fast hektisch ist es hier. Der (freie) Schnitzelbänggler Boodesuuri tritt ein. Im Gewusel wird er (noch) nicht wahrgenommen.

Ein Pssst! geht wellenartig durch den Keller, die Besucher geben Empfangsapplaus. Während des Vortrages zwängt sich der Service mit Cremeschnitten, Kaffi fertig und Bier auf dem Tablett vor den Helgen durch. Da an den hinteren Tischen weitergeschwatzt wird, schreit ein Gast: «Sind emool still do hinde!» Spätestens beim folgenden Vers ist Ruhe – gefolgt von Applaus:

Wäg däm Ozeanium
Dien die Griene saumässig dumm
Doch ych due derfir e Lanze bräche
Denn ych ha vom Zolli e Verspräche
Gönd bitte alli Joo go stimme
So derf ych dert als Wal go schwimme

Im vollgestopften, ja «intimen» ARI-Käller stehen d’Schlyffstai auf der Treppe. Diese Gesangskunst, verbunden mit Humor, in diverse Ohrwürmer verpackt, mit passendem Kostüm und Helgen – schlicht genial. Dazu das Keller-Ambiente, Fasnacht pur.

Für die anderen Bänggler gilt, Schuster bleib bei deinem Leisten. Es macht echt keinen Sinn, die Schlyffstai kopieren zu wollen.

Weniger ist mehr

Das Wetter würgt den nächsten Keller-Besuch ab, die Hummel fliegt ins Trockene. Die Fasnacht 2019 ist zu Ende, ich freue mich auf den Flug im nächsten Jahr. Was wird es an Themen für die Schnitzelbangg-Szene bringen? Hoffentlich weniger Wessels, Martullo Blocher, Schwobe, Zürcher, SVP, Papst und FCB-Verse. Und Langverse scheinen wieder in Mode zu kommen. Weniger wäre aber eindeutig mehr.

Ja, es war ein guter, teilweise sehr guter Jahrgang. Was mich dieses Jahr überrascht hat? In den gehörten Bängg kam das Motto der diesjährigen Fasnacht «bis zletscht» nie vor. Eigentlich schade.