Die rosa Pille mit dem Vereinswappen des FC Barcelona sieht harmloser aus, als sie ist. Sie enthält bis zu 188,9 Milligramm MDMA. Dieses gehört zur Gruppe der Amphetamine und ist als Partydroge bekannt. Mehr als 120 Milligramm MDMA können zu viel sein, warnt das Online-Portal saferparty.ch.

Die Nebenwirkungen, die bei solch hoch dosierten Pillen auftreten können, reichen von Kiefer mahlen über Augen- und Nervenzucken, bis hin zu Krampfanfällen. Aufgetaucht ist die FC-Barcelona-Pille Mitte Oktober gleich dreimal in einem Basler Club, in dem Partybesucher in einem mobilen Labor ihre Drogen testen lassen konnten.

Das Präventionsprojekt mit dem Namen «Safer Dance Basel» ist eine Zusammenarbeit zwischen der Suchthilfe Region Basel und dem Verein Subsdance.

Der Stadt- und Landkanton haben die Suchthilfe beauftragt, für die Jahre 2016 und 2017 vier bis sechs Präventionseinsätze pro Jahr an Partys und Festivals durchzuführen. Sie unterstützen das Präventionsprojekt mit 10 000 Franken. Die Kosten für die Drogenchecks werden von der Stiftung für Drogenarbeit übernommen. In den Jahren vorher haben die beiden Basel mit dem Verein «Rave it Safe» aus Bern zusammengearbeitet.

Koks gestreckt mit Wurmmittel

Basel ist international bekannt für seine Techno-Clubs. Der Nordstern zum Beispiel wurde schon mehrmals mit dem Swiss Nightlife Award ausgezeichnet. Im Nordstern war das Team von «Safer Dance Basel» letzten Frühling mit seinem Infostand und einem mobilen Labor präsent. An einem Abend wurden 19 Drogentests durchgeführt. «Am meisten werden Kokain, Ecstasy und Amphetamin getestet», sagt Oliver Bolliger, Leiter des Beratungszentrums der Suchthilfe Region Basel.

Die Mitarbeiter des Labors testen die Drogen direkt im Club und geben dem Konsumenten, sobald das Resultat vorliegt, eine Empfehlung ab: «Sie klären sie zum Beispiel darüber auf, wenn das Kokain mit dem Wurmmittel Levamisol gestreckt ist», sagt Bolliger. Es komme sogar vor, dass die Mitarbeiter ganz vom Konsum abraten: «Letztlich ist es aber den Partybesuchern überlassen, wie sie mit der Information umgehen», sagt Bolliger.

Bei hoch dosierten Pillen raten die Mitarbeiter davon ab, die ganze auf einmal zu konsumieren. Solche Pillen hat «Safer Dance Basel» letzten Herbst im Club Borderline gefunden. «Hier wurden vier Warnungen ausgesprochen», sagt Bolliger. Die Warnungen landen inklusive Foto und Beschrieb der Pillen auf der Informationswebsite saferparty.ch.

Die Basler Clubbetreiber würden das Angebot der mobilen Drogenchecks grundsätzlich positiv bewerten, sagt Bolliger: «Es ist auch zielführend, dass man etwas macht.» Den Drogenkonsum könne man nämlich nicht gänzlich unterbinden: «Die Sensibilisierung der Konsumenten im Rahmen der Schadensminderung kann man aber sehr wohl erhöhen.» Und obwohl die Party-Szene in Zürich grösser sei, sei der Konsum von Drogen auch in Basler Clubs eine Realität.

In Zürich und Bern geht die Prävention in Sachen Drogen noch einen Schritt weiter: Es gibt dort längst fixe Anlaufstellen, wo man die Substanzen an gewissen Tagen testen lassen kann. «Ein solches Drogeninformationszentrum ist in Basel-Stadt nicht geplant», sagt Eveline Bohnenblust, die Leiterin der Abteilung Sucht beim Kanton Basel-Stadt. Aktuell sammle man Erfahrungen mit dem mobilen Drug Checking. «Das Angebot wird sehr gut genutzt und ist derzeit ausreichend.» Basel hat auch kein eigenes Labor, um Drogen zu testen. Die Suchthilfe mietet es von den Bernern für 4970 Franken pro Abend.

Wie es mit «Safer Dance Basel» im kommenden Jahr weitergeht, ist noch unklar. «Eine Evaluation dieser beiden Jahre, sowie die Prüfung weiterer Finanzierungsmöglichkeiten wird das weitere Vorgehen mitbestimmen», sagt Bohnenblust. Die Suchthilfe hofft, dass das Angebot weitergeführt wird. «Vielleicht sogar mit finanzieller Unterstützung der Clubs», sagt Bolliger.

Jungpolitiker begrüssen Angebot

Angefragte Jungpolitiker von rechts bis links finden das Angebot von «Safer Dance Basel» eine gute Sache. «Man kann nicht leugnen, dass in gewissen Basler Clubs Drogen konsumiert werden», sagt Michael Hug, der Präsident der Jungliberalen Basel-Stadt. «Vor diesem Hintergrund ist es gut, dass die Konsumenten im Sinne der Prävention ihre Drogen testen lassen können.» Auch Pascal Messerli, der gewählte Grossrat der SVP-Fraktion, begrüsst das Angebot: «Vor allem weil ein Präventionsgedanke dahintersteckt.»

Mirjam Kohler, Co-Präsidentin der Juso Basel-Stadt, findet für die Arbeit von «Safer Dance Basel» nur lobende Worte: «Mit dem pro-aktiven Vorgehen gelingt es dem Team, Zielgruppen zu erreichen, die durch das sonstige Angebot der Suchtprävention nicht abgedeckt werden.» Raffaela Hanauer, Co-Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses, hält fest, dass die Möglichkeit des Drogentestens auch von den Konsumenten gewünscht werde.