Die St. Jakobshalle war restlos ausverkauft, als punkt neun Uhr die Ikonen des Deutschpunk die Bühne stürmten. Dreissig Jahre im Geschäft und kein bisschen müde, das bewiesen sie vom ersten Ton des Openers «Ballast der Republik», dem Titelstück ihrer aktuellen CD.

Das Logo dazu ist eine Mischung von Bundesadler und Hammer und Zirkel, dem Wappen des untergegangenen Arbeiter und Bauernstaates DDR. Treffender lässt sich die Rolle der Hosen in der Deutschen Musikgeschichte kaum versinnbildlichen.

Aktueller denn je

Die Revoluzzer der achtziger Jahre, die unermüdlich gegen gesellschaftliche Konventionen und die rechte Gewalt angesungen haben, die in den neunzigern zum musikalischen Allgemeingut mutierten sind heute, mehr als zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, aktueller denn je. Zwar bleibt von den neuen Songs einzig die Single «Tage wie diese» wirklich hängen, es ist aber vor allem ihr Anspruch, die Menschen aufzurütteln, der unabhängig von der musikalischen Qualität den Funken überspringen lässt. Innert kürzerster Zeit skandiert das Publikum «Nazis raus», was Campino als «noch immer den besten Mitsingchor der Welt» lobt. Und dieser Frontmann, inzwischen geht er gegen fünfzig, tobt zwei Stunden über die Bühne als gäbe es kein morgen. Schon allein das ist beeindruckend. Wie direkt und ehrlich er mit seinen Fans umgeht, ist aber schlicht bewundernswert.

Geschickte Bezüge zur Fussballkultur in Basel - die Hosen sind seit je her die wichtigsten Botschafter des serbelnden Vereins Fortuna Düsseldorf - und Gesangslinien, die man nach einmal hören sofort misingen kann: nach nicht einmal fünf Minuten hat er alle in der Tasche.

Eigentlich warten aber alle auf die grossen Hits und die lassen lange auf sich warten. Stattdessen spielen sie - und auch dafür gebührt Ihnen riesiger Respekt - einige Songs von der Cover CD «Die Geister, die wir riefen». So «Heute hier morgen dort» von Hannes Wader und natürlich «Schrei nach Liebe» von den Ärzten, lange Jahre Konkurrenten in der Deutungshoheit des Deutschpunk. Und dann endlich kommt «Niemals einer Meinung», das irgendwie ganz gut zum Thema Ost-West passt, genauso wie «Steh auf, wenn du am Boden bist».

Publikum erjubelt Zugabe

Glücklicherweise verzichten sie grösstenteils auf die Lieder, die mehr an Schlager als an Rockmusik erinnern, erst ganz am Ende, als schon fast die ganze Herrlichkeit vorbei ist, kommt dann doch noch das unsägliche «Zehn kleine Jägermeister» und wird frenetisch bejubelt. Davor sind die Hosen aber bereits dreimal abgegangen und wiedergekommen. Und selbst nachdem sie mit «Schönen Gruss, auf Wiedersehen» eigentlich klar signalisiert hatten, dass jetzt nichts mehr geht, jubelt das Publikum so unermüdlich weiter, bis sie für «Paradies» noch einmal wiederkommen. Dazu holt Campino einen zwölfjährigen Jungen auf die Bühne und lässt ihn mitsingen. Eben doch wie beim Familienkonzert. Wenn aber eine Band, die eine so klare Botschaft von Toleranz und Freiheit vertritt, zu einem Massenphänomen wird, kann man eigentlich nur dankbar sein. Denn obwohl ihre aktuelle Tour etwas von Rückschau auf die gute alte Zeit hat und die Punk-Attitüde schon ein bisschen zweifelhaft wirkt, bleiben die Toten Hosen lebende Legenden. Und nach Basel, kommen sie bestimmt wieder: Bis dahin gelingt es den Veranstaltern hoffentlich, die Logistik rundherum in den Griff zu kriegen und vielleicht auch die Akustik der Halle an die Anforderungen eines Konzertes anzupassen. Andererseits: Bei Punk ist das irgendwie auch egal.