Das Basler Zirkusfestival Young Stage ist über den Landesgrenzen mittlerweile bekannter als in der Schweiz. Junge Artisten vom gesamten Globus nutzen die Plattform, um in Zukunft ihren Profi-Traum leben zu können. 600 Bewerbungen aus über 50 Nationen sind bei den Organisatoren in diesem Jahr eingegangen. Rekord. Seit der Gründung von Young Stage vor zehn Jahren werden es mit jeder Ausgabe mehr. Und obwohl auch in diesem Jahr wohl wieder alle 6000 Tickets verkauft werden, hat es der zeitgenössische Zirkus in der Schweiz schwer.

Die Entwicklung des Zirkus

«Das Young Stage ist eines von nur zwei Zirkusfestivals, an denen der berühmteste zeitgenössische Zirkus Cirque du Soleil einen Preis verleiht. Doch die Entwicklung des Zirkus’ in der Schweiz ist immer noch extrem rückständig», sagt Festivaldirektorin Nadja Hauser. Mit ihrem Zirkusfestival leistet sie deswegen von Basel aus wertvolle Pionierarbeit.

Young Stage 2018 Trailer

Young Stage 2018 Trailer

«Der moderne Zirkus ist heute keine Anreihung von Sensationsdarbietungen mehr, sondern poetisch innovativer, dramaturgisch anspruchsvoller und vielfältiger geworden», sagt Hauser. Doch wie hat sich der Zirkus eigentlich zu dem entwickelt, was er heute ist?

LUKAS & AARON - Teeterboard - Lukas Ivanow, Sweden

Impressionen von letzten Jahr.

LUKAS & AARON - Teeterboard - Lukas Ivanow, Sweden

Artistik und Gauklerkünste existierten schon in der Jungsteinzeit vor 5000 Jahren. Diese Erkenntnis geht aus Wandmalereien hervor. Später in der Antike und im Römischen Reich wurden akrobatische Darbietungen erstmals in den grossen Arenen aufgeführt und dienten der Volksunterhaltung. Diese war im Mittelalter dann in Form von Narren nur noch der höfischen Gesellschaft vorbehalten. Das Gauklertum hatte seinen Höhepunkt zu Beginn der Neuzeit. Schausteller traten vor allem auf Jahrmärkten auf. Neben der Akrobatik gehörten unter anderem auch Feuerspucken, Jonglieren, Seiltanz und die Dressur von Tieren zum Repertoire der Gaukler.

CAITLIN & SPENCER - Aerial Hoop - Caitlin Tomson-Moylan, USA, Circus Juventas, Montreal & Spencer Craig, Canada

Impressionen von letzten Jahr.

CAITLIN & SPENCER - Aerial Hoop - Caitlin Tomson-Moylan, USA, Circus Juventas, Montreal & Spencer Craig, Canada

Die Geburtsstunde des traditionellen Zirkus’ war dann das Ende des 18. Jahrhunderts. Der englische Kunstreiter Philip Astley gründete 1768 in London eine Reitschule, in welcher Kunstreiter-Vorführungen stattfanden. Später wurden die Pferdeshows durch Auftritte von Seiltänzern, Akrobaten und Spassmachern ergänzt. Astleys Amphitheater war das erste freistehende Zirkustheater. Nach römischem Vorbild nannte Astley seine Arena «Circus Maximus Circus», die später auch eine Plattform, Sitze und ein Dach bekam.

CHRISTOPHER THOMAS - Cyr Wheel - UK, National Centre for Circus Arts, London Young Stage

Impressionen von letzten Jahr.

CHRISTOPHER THOMAS - Cyr Wheel - UK, National Centre for Circus Arts, London Young Stage

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch auf dem europäischen Festland zahlreich fixe Zirkusbauten errichtet. 1803 gründete sich der Schweizer Nationalzirkus Knie.
Knapp fünfzig Jahre später entstanden in den USA ausgehend vom Grosszirkus Barnum & Bailey die ersten reisenden Zirkusse. Durch seine Europa-Tour brachte Barnum & Bailey die amerikanischen Sensationsdarbietungen nach Europa. Auch technische Effekte bekamen immer mehr Bedeutung.

Im 20. Jahrhundert war der Zirkus in der Krise. Weltkriege und Weltwirtschaftskrise setzen ihm ebenso zu, wie die Unterhaltungs-Konkurrenz durch Fernsehen und Kino. Die Folge war, dass in den 1960er Jahren zahlreich Zirkusse pleite gingen. In Frankreich wendete sich der Cirque Alexis Gruss hilfesuchend an die Regierung. Es bedurfte einer Modernisierung des Zirkus’. Tatsächlich verdoppelte der französische Präsident Francois Mitterrand den Kulturhaushalt. In Frankreich werden seitdem Zirkusse in Form von finanzieller Förderung und einer guten artistischen Ausbildung unterstützt.

Cirque de Soleil prägt neue Form

1984 gründete sich in Kanada der Cirque de Soleil und prägte den zeitgenössischen Zirkus, eine Form die Theater, Artistik, Musik, Varieté und Tanz in einer Show verbindet, stark. 2007 starten die Organisatoren um Nadja Hauser den Versuch mit dem Young Stage Festival, den zeitgenössischen Zirkus auch in der Schweiz zu lancieren. Nach der erfolgreichen Erstaufführung und zwei Jahren Pause wächst das Zirkusfestival seit 2010 stetig an. Zum zehnjährigen Jubiläum im Mai 2018 sind neben sieben Shows auch erstmals verschiedene Aktivitäten in Planung, die gezielt den Schweizer Nachwuchs fördern und für den zeitgenössischen Zirkus begeistern sollen.