Die grosse Welt bereiste Filmemacher Edgar Hagen für einen Film über Atommüll, eine kleine Welt bildet er in seinem neuen Werk «Die Übernahme» ab. Die Dokumentation ist zusammen mit der Aktion «Rettet Basel» entstanden, die den Film am Wochenende im Kino Atelier zeigte und ihn mit Gästen diskutierte. Rasch wurde klar: Die kleine Welt ist «verrückt». Doch so klein, wie sie im Film scheint, ist sie gar nicht.

Es beginnt vor genau fünf Jahren. Financier Tito Tettamanti übernimmt die Basler Zeitung, Gerüchten zufolge steckt jedoch Christoph Blocher hinter dem Kauf. Der Film zeigt auf, was folgt: Christoph-Blocher-Biograf Markus Somm wird zum Chefredaktor ernannt, Flugzeug-Unternehmer Moritz Suter hat ein kurzes Gastspiel als Verleger, Christoph Blocher kommt als Garant für Finanzielles ins Spiel – und wird nach etlichen Lügereien dann doch offizieller BaZ-Besitzer. Sowohl der rechtskonservative Journalist Markus Somm als auch der SVP-Übervater beteuern aber, einen «unabhängigen Kurs» fahren zu wollen.

Ein grosser Kreis von Besorgten

Der Film will beweisen, dass dies eine Lüge ist und die BaZ ein politisches Projekt. Dafür lässt er Gegner der rechten Allianz zu Wort kommen. Die Voten von Politikern und Bürgern wurden an einer «Rettet-Basel»-Veranstaltung im Juni aufgenommen. Sie könnten genauso gut aus einer SP-Versammlung stammen: Eine homogene Gruppe, bestehend aus Stars wie Beat Jans und Claude Janiak, warnt vor dem BaZ-Einfluss.

Es ist eine kleine Welt, die im Film zu Wort kommt, doch eine grosse, die das Problem teilt: Die Diskussion machte deutlich, dass der Groll über die Einflussnahme Blochers auf die Basler Zeitung und damit auf die Region weit mehr Menschen besorgt als bloss die Linke. Der ehemalige CVP-Grossrat und Ex-Fasnachtscomité-Obmann Felix Rudolf von Rohr, bz-Chefredaktor Matthias Zehnder und Remo Leupin von der «Tages-Woche» diskutierten mit «Rettet-Basel»-Mitinitiator Alfred Schlienger über die Folgen des SVP-Kurses.

Empörung dank Entgleisungen

Matthias Zehnder stellte den «Wirkungsanspruch» ins Zentrum seiner Analyse: «Die BaZ will nicht relevant sein, sondern sie will wirken.» Als Beispiel, dass dies gelinge, nannte er die «Schwedenreisli»-Story über SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels. Im vergangenen Jahr hatte die BaZ einen Skandal über eine angeblich viel zu teurere Exkursion von angeblich viel zu vielen Baudepartementsmitarbeitern heraufbeschworen. Obwohl sich die Story als falsch entpuppte, sei das «Schwedenreisli» in den Köpfen hängengebleiben, so Zehnder. Sein Fazit: «Diese Zeitung vergiftet Basel.»

Der Auftritt Rudolf von Rohrs machte deutlich, dass Bürgerliche genauso unter der Entwicklung der BaZ leiden wie Linke. Einerseits bereitet den Menschen die Macht Sorgen, die die Zeitung trotz sinkender Leserzahlen hat, anderseits ist es der Stil, der kritisiert wird. Die Begriffe «Sexismus» und «Rassismus» fielen mehrfach. Untermauert wurden die Urteile mit Texten aus der BaZ, etwa über «kinderreiche Kopftuchträgerinnen mit Einkaufswagen voller Hammelfleisch» oder Mordgelüsten an ehemaligen BaZ-Journalisten. Eine vereinigte Empörung ob solcher Entgleisungen machte sich breit, doch die BaZ wird sich kaum daran stören. Denn, so war sich das Podium einig: Empörung ist ihr Ziel. Aus dem Publikum kam die Frage, weshalb das Wort «Faschismus» nicht falle. Felix Rudolf von Rohr wusste zu antworten: «Wenn wir sagen würden, das seien alles Neonazis, würden wir auf dasselbe Niveau sinken wie die BaZ.»

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